# taz.de -- Sambias Präsident beerdigt: Machtvakuum im Kupferrevier
> Sambias verstorbener Präsident Mwanawasa wird beigesetzt, aber seine
> Nachfolge bleibt ungeklärt. Seine Öffnungspolitik Richtung China steht
> jetzt zur Disposition.
(IMG) Bild: Selbst Amtskollege Mugabe kam zur Trauerfreier für Sambias Präsident Mwanawasa
Sambia trauert. Gestern ist Präsident Levy Mwanawasa, der am 19. August in
einem Pariser Krankenhaus verstarb, in der Hauptstadt Lusaka feierlich
beigesetzt worden. Zum Staatsbegräbnis kamen vierzehn Staatschefs, darunter
Simbabwes Präsident Robert Mugabe, den Mwanawasa zu Lebzeiten heftig
kritisiert hatte. Mugabe lobte seinen ehemaligen Amtskollegen: "Er war sehr
direkt und wollte nicht nur sein eigenes Land verändern, sondern die
gesamte Region. Wir werden ihn vermissen."
Mwanawasas Nachfolger wird unter Druck stehen, seinem politischen Kurs zu
folgen, aber Machtstreitigkeiten in der Regierungspartei führen dazu, dass
über die Nachfolge weiter spekuliert wird. Obwohl Vizepräsident Rupiah
Banda vorläufig die Regierungsgeschäfte führt, hinterlässt der im Alter von
59 Jahren verstorbene Mwanawasa ein Machtvakuum: Seine Partei ist
gespalten. Sambias Verfassung sieht im Falle der Vakanz des höchsten
Staatsamts Neuwahlen innerhalb von 90 Tagen nach vor. Die müssen demnach im
November stattfinden.
Ausländische Investoren und die Geschäftswelt sind nun besorgt, ob
Mwanawasas Politik nach seinem Tod weitergeführt wird. "Die sambische
Regierung muss eine stabile Investitionspolitik beibehalten, um die
Kupferproduktion aufrechtzuerhalten", sagte CZM-Präsident Nathan Chishimba,
Präsident der sambischen Bergbaukammer DZM. Sambia ist der größte
Kupferproduzent Afrikas, und Mwanawasa hatte seit seinem Amtsantritt bei
Wahlen 2001 massiv ausländische Investoren ins Land geholt. Seit der
Privatisierung der riesigen Kupfer- und Kobalt-Bergwerke Sambias, die an
das mindestens ebenso reiche Bergbaurevier der kongolesischen Provinz
Katanga grenzen, im Jahr 2000 haben ausländische Investoren mehr als 2,5
Milliarden Dollar in das mineralienreiche Land investiert. Aber trotz
massiv steigender Kupferpreise und besserem Exporteinkommen leben rund 80
Prozent der Bevölkerung weiterhin in Armut.
China zählt in Sambia zu den größten Investoren. Aber schlechte
Arbeitsbedingungen und wenig Lohn in vielen Bergwerken unter chinesischer
Geschäftsführung haben zu Unmut geführt. Bei den letzten Wahlen 2006, als
Mwanawasa wiedergewählt wurde, punktete Michael Sata, Chef der
Oppositionspartei Patriotric Front (PF), mit seiner Kritik am "Ausverkauf
an die Chinesen" und der Parole "Sambia den Sambiern". Sata erzielte 29,4
Prozent, Hakainde Hichilemaund von der ehemaligen Staatspartei UPND 25,3
Prozent. Mwanawasa gewann mit 43 Prozent. In Sambia reicht die relative
Mehrheit zum Wahlsieg.
Um bei den anstehenden Neuwahlen die bisherige Regierungspartei MMD
(Bewegung für Mehrparteiendemokratie) zu besiegen, müssten sich die
Oppositionsparteien PF und UPDN zusammentun. Dabei gilt jetzt Sata als
aussichtsreicherer Kandidat. Aus der MMD haben sich bereits 16 Personen um
die Spitzenkandidatur beworben - ein Indiz für die Gespaltenheit der
Partei. Mwanawasa hatte nach seiner zweiten Wiederwahl 2006 keinen
Nachfolger für die Übernahme seines Amtes 2011 vorgesehen. Am morgigen
Freitag will sich die Partei auf einen Präsidentschaftskandidaten einigen.
Der jetzt übergangsweise regierende Vizepräsident und frühere Außenminister
Rupiah Banda will Präsident werden, aber "wenn sich die Partei nicht hinter
ihn stellt, wachsen die Chancen auf einen Wahlsieg für die Opposition",
sagt Lee Habasonda, Direktor des sambischen Zentrums für Konstruktive
Konfliktresolution im Südlichen Afrika (SACCORD). Als anderer möglicher
Favorit gilt Finanzminister Ngandu Magande. Er kündigte Maßnahmen gegen
Korruption in Abwesenheit eines Präsidenten an, denn obwohl Mwanawasa die
Korruption bekämpft hatte, haben sich Minister während seines
Krankheitsaufenthalts in Frankreich bereichert.
3 Sep 2008
## AUTOREN
(DIR) Martina Schwikowski
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