# taz.de -- Ronaldos Abschied: Obrigado. Não, obrigado.
       
       > Portugals Aus gegen Spanien ist auch das Ende der Ära Ronaldo.
       > Hoffentlich. Findet unser Autor, der CR7 aber noch etwas mitgeben will.
       
 (IMG) Bild: Abschied unter Tränen. Cristiano Ronaldo könnte einem fast leidtun
       
       Lieber Cristiano Ronaldo,
       
       das ist tatsächlich der erste Abschiedsbrief, den ich jemals schreibe –
       also sehen Sie es mir nach, wenn ich nicht immer den richtigen Ton treffe.
       Man bekommt Sie hier in Europa ja sowieso kaum noch zu Gesicht. Klar, ich
       weiß auch, dass Sie gerade irgendwo in Nordamerika unterwegs sind oder
       vielleicht schon im Flieger nach Saudi-Arabien sitzen, zu Ihrem Kumpel
       Mohammed bin Salman. Vielleicht brettern Sie auch gerade schon wieder mit
       einem [1][ihrer 41 Sportwagen] durch Riad oder hängen in Ankara mit Ihrem
       Buddy Donald Trump ab. Keine Ahnung, irgendwas davon wird es schon sein.
       
       Warum ich Ihnen schreibe, dürfte uns beiden klar sein: Das war’s. Ihre
       Karriere ist vorbei – jetzt endlich auch in der Nationalmannschaft. Meiner
       Meinung nach zwar ein paar Jährchen zu spät, aber gut: Geschmackssache. Sie
       werden das vermutlich etwas anders sehen.
       
       Zunächst einmal möchte ich Ihnen aber gratulieren. Als jemand, der Ihre
       Karriere mehr oder weniger von Anfang an mitverfolgen durfte – gut, knapp
       ein Jahr nach Ihrem Profidebüt wurde ich geboren –, muss ich anerkennen:
       Sportlich war das schon beeindruckend. Knapp 1.000 Tore schießt man
       schließlich nicht mal eben so. Fünfmal Weltfußballer, fünfmal
       Champions-League-Sieger und dazu unzählige Meisterschaften und Pokale.
       Davor kann ich nur den Hut ziehen. Also: Glückwunsch.
       
       ## Ihr erstes Tor: Boah!
       
       Ihre ersten Jahre habe ich leider verpasst – ich war schlicht noch zu
       klein. Zum Glück erzählen Sie Ihrem Hofjournalisten Piers Morgan regelmäßig
       davon, sodass auch ich mir inzwischen ganz gut vorstellen kann, wie das
       damals gewesen sein muss. [2][Ihr erstes Tor beschreiben Sie so]: „Es war
       unglaublich gut. Boah. Unglaubliches Tor. In dem Moment haben die Leute
       gesagt: Der wird mal richtig gut.“ Danke für diese bescheidene Einordnung.
       
       So richtig auf dem Schirm hatte ich Sie dann ab 2009: Als Sie für 94
       Millionen Euro zu Real Madrid wechselten – und als gegen Sie ein
       Vergewaltigungsvorwurf öffentlich wurde. Wobei ich Letzteres damals
       natürlich noch gar nicht verstanden habe. Als Kind interessierten mich eher
       Ihre Tore als Gerichtsakten. Und vor allem Ihre Freistöße. Sie standen
       dabei immer so herrlich breitbeinig da, dass ich fest davon überzeugt war,
       Sie müssten einfach dringend auf die Toilette. Das sind eben die Gedanken,
       die man mit sechs so hat.
       
       Na ja, ganz ehrlich: Ihre Art mochte ich damals schon nicht. Deshalb hing
       irgendwann auch ein riesiges Lionel Messi-Poster in meinem Kinderzimmer.
       Ich fand Sie einfach zu arrogant. Und ehrlich gesagt, hat sich daran bis
       heute nicht viel geändert. Eine Ausnahme gab es allerdings: Als Sie, da war
       ich ungefähr 14 oder 15, völlig überraschend in einem meiner Fifa-Packs
       auftauchten. Das war dann wohl unser persönlicher Höhepunkt.
       
       ## Tut mir leid, vielleicht
       
       Nun gut, meine Videospielkarriere endete vor ungefähr vier Jahren. Genau
       dort hätte Ihre Fußballkarriere meiner Meinung nach ebenfalls enden können.
       Stattdessen entschieden Sie sich für den [3][Wechsel nach Saudi-Arabien],
       zu Al-Nassr. Ein Verein, dessen Trikot aussieht, als bekäme man es nach dem
       hundertsten Einkauf kostenlos bei Lidl dazu. Mehrheitsbesitzer ist der
       saudische Staatsfonds PIF, der unter der Kontrolle von Kronprinz Mohammed
       bin Salman steht. Der machte Sie zum ersten Fußballmilliardär der
       Geschichte. Im Gegenzug rühren Sie die Werbetrommel für ein Land, in dem
       Homosexualität unter Strafe steht, Journalist*innen inhaftiert werden
       und freie Meinungsäußerung nicht existiert. „I came for football, I stayed
       for more.“ Na ja.
       
       Pünktlich zu Europa- und Weltmeisterschaften tauchten Sie dann trotzdem
       immer wieder auf meinen Bildschirmen auf. Im Achtelfinale [4][der
       Weltmeisterschaft 2026] dann wohl zum letzten Mal. Sie flogen gegen Spanien
       aus dem Turnier und verließen den Platz unter Tränen. Tut mir leid. Also
       nicht wirklich.
       
       Mir werden Sie künftig jedenfalls deutlich seltener begegnen. Ich schaue
       nämlich keine Saudi Pro League. Sorry dafür. In diesem Sinne wünsche ich
       Ihnen auf Ihrem weiteren Weg alles Gute. Sagt man, glaube ich, so – auch
       wenn man es nicht immer so meint.
       
       Liebe Grüße
       
       7 Jul 2026
       
       ## LINKS
       
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       ## AUTOREN
       
 (DIR) Rico Setz
       
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