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       > ■ Montag bei „Dacapo“: Improvisationen auf der Gitarre von Derek Bailey
       
       Mit dem 1932 in Sheffield geborenen Derek Bailey ist eine der
       herausragenden Persönlichkeiten der europäischen Jazzavantgarde bei
       „Dacapo“ zu hören. Der Gitarrist gehört zu den Gründervätern des britischen
       Freejazz. Er war Mitglied des legendären „Spontaneous Music Ensemble“ von
       John Stevens, später Mitbegründer der „Music Improvisation Company“ und des
       Trios „Iskra 1903“ mit Paul Rutherford und Barry Guy, drei Formationen die
       zentral für die Entwicklung der freien Musik und die Suche nach radikaler
       Umsetzung einer „totalen Improvisation“ waren.
       
       So propagiert Bailey die Idee einer non-idiomatischen Musik, einer freien
       Spielweise jenseits aller existierenden musikalischen Sprachen, in der die
       Musik ausschließlich den individuellen Techniken und Präferenzen des
       Spielers folgt.
       
       ## Suche nach „totaler Improvisation“
       
       In einem Interview sagte er: „Ich stelle mir die Improvisation nicht nur
       als Folge von genialen Ideen vor, sondern als Akt des Spielens, in welchem
       es nicht allzu viele vorgeplante Strukturen gibt. Der Rohstoff der
       Improvisation ist das Instrument, ist die Gesamtheit der instrumentalen
       Techniken. Das ist es, was das Spiel bestimmt. (...) Als Musiker sollte man
       nicht nur vermeiden, sich an einen bestimmten Stil zu binden, man sollte
       auch bestimmte Verfahren – wie beispielsweise das Spielen von Melodien –
       vermeiden.“ Entsprechend klingt die Musik Baileys. Insbesondere seine
       Solo-Improvisationen sind oft sperrig und streng, gehen stark ins
       Geräuschhafte. Er gehörte zu den ersten europäischen Musikern, die
       elektronische Mittel einsetzten, arbeitete mit Tonbändern, verfremdet den
       Klang seiner Gitarre mit elektronischen und mechanischen Präparierungen.
       Seine systematischen Erkundungen besitzen seine klanglichen Möglichkeiten
       faszinierende Ausstrahlungskraft, wenn man sich darauf einläßt. Lange
       Klangbögen und mehrdimensionale Klangstrukturen, in denen sanft an- und
       abschwellende Akkorde mit Einzeltönen und perkussiven Geräuschsplittern
       gespickt werden, kennzeichnen sein Spiel. Im Zentrum seiner non-linearen
       Spielweise stehen Klangfarben und ihre Modulation. Baileys Auftritte sind
       Entdeckungsreisen mit offenem Ziel. Arnaud
       
       Montag, 20 Uhr im Übersee-Museum
       
       19 Oct 1996
       
       ## AUTOREN
       
 (DIR) Arnaud
       
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