# taz.de -- Popsänger Jens Friebe: Der festangestellte Aushilfsschlagzeuger
       
       > Jens Friebes neues Soloalbum kommt drei Jahre nach seinem letzten und ist
       > ein Flirt mit dem französischen Chanson. Auch ein Hauch von Trinklaune
       > klingt in "Abändern" leise an.
       
 (IMG) Bild: Kein Wunder, dass er immer ein bisschen müde dreinschaut: Jens Friebe hat einfach zu viele Nebentätigkeiten.
       
       Er mag immer noch auf einem genuinen Indielabel veröffentlichen,
       hervorragend vernetzt ist Jens Friebe allemal. Zunächst als Autor für das
       Kölner Musikmagazin Intro tätig, konnte er seinen Plattenvertrag bei Alfred
       Hilsbergs ZickZack-Label der Legende nach durch persönliche Fürsprache
       Jochen Distelmeyers und dessen Weitergabe eines Demotapes an Hilsberg
       ergattern.
       
       Friebes älterer Bruder Holm ist Mitglied der in Berlin und im Internet
       äußerst umtriebigen "Zentralen Intelligenz Agentur" (unter anderem
       Betreiber des Blogs "Riesenmaschine"), in deren Dunstkreis auch Jens immer
       mal wieder auftaucht. In der Zwischenzeit ist er dank einer Sammlung von
       taz-Kolumnen zum Buchautor ("52 Wochenenden") geworden, zudem dient er als
       "fester Aushilfsschlagzeuger" bei der Berliner Band Britta.
       
       Bei so vielen Nebentätigkeiten verwundert es nicht, dass die Abstände
       zwischen seinen Soloalben immer länger werden. Seit seinem letzten
       musikalischen Lebenszeichen unter eigenem Namen sind geschlagene drei Jahre
       vergangen.
       
       "Lass mich Dein 'Plus Eins' sein, Baby, tonight!", singt Friebe auf seinem
       nunmehr vierten Album und macht damit gleich klar: Trotz des Titels
       "Abändern" bleibt alles wie gehabt. Friebe arbeitet sich weiter mit Wort-
       und Wahnwitz an verschiedensten (pop-)kulturellen Codes ab.
       
       So wie es ihm auf seinem Album "Hypnose" gelungen ist, in zwei
       aufeinanderfolgenden Songs die Ermordung John F. Kennedys und das
       Schnapsfässchen eines Lawinenhunds zu thematisieren, schafft er es dieses
       Mal, das erwähnte "+1"-Gästelistenflehen als romantische Geste ebenso wie
       die Bezeichnung "Feinde der Konteremanzipation" zu verarbeiten, ohne über
       Reim und Metrik zu stolpern.
       
       Friebe mag mit seinem Seitenscheitel, der schlaksigen Figur und seinen
       weißen Hemden aussehen wie der Prototyp des deutschen Indiepoppers, aber in
       seinem Songwriting verbergen sich Einflüsse, die weit über den beschränkten
       Horizont der hiesigen Indiezunft hinausgehen. Während man Jochen
       Distelmeyers späte Phase ungerechtfertigterweise als schlagernah rezipiert
       hatte, arbeitet Friebe an einer zeitgemäßen Auflage von "leichter" Musik
       der 60er und 70er Jahre. Er orientiert sich dabei allerdings mehr an
       französischen Chansons als an der dumpfen "Hossa!"-Schlagerei aus
       Dunkeldeutschland.
       
       Dadurch ist Friebe so weit entfernt von der Klangästhetik des Deutschrock
       wie eine Flasche Chateau Lafitte von Altbier. Deshalb verwundert auch
       nicht, dass er - neben den offensichtlichen Hits wie "Theater" zum Auftakt
       des Albums - gerade in den zurückgenommenen Momenten zu sich selbst findet.
       Nie gelingt ihm das besser als bei dem Song "Alles über die Welt", in dem
       alle augenzwinkernde Distanz vergessen ist und seine Band nur noch gedämpft
       zu hören ist, als spiele sie in einem Ballsaal, während der Sänger mit
       seiner Liebe im Freien steht und "Alles über die Welt / haben wir gewusst /
       haben wir vergessen / während einem Kuss" singt.
       
       Das Frenetisch-Aufgeregte seiner alten Band Parka ist inzwischen bis auf
       den Refrain in "Verbotene Liebe" fast vollständig getilgt. "Abändern"
       glänzt eher in seinen ruhigen Momenten. Im Gegensatz zum makellosen
       Vorgängeralbum gelingt Friebe auf "Abändern" nicht jedes Lied. Tiefpunkt
       ist das am Rande des Unanhörbaren entlangschrammende Vengaboys-Cover "Up &
       Down".
       
       Hier gilt wie so oft bei offensichtlich in Trinklaune entstandenen Ideen:
       Es wäre besser, man hätte gleich so viel gesoffen, dass am nächsten Tag
       alles wieder vergessen ist. Doch ein Gutes muss das mp3-Zeitalter ja haben:
       Man kann auch einen schlechten Friebe-Song löschen und sich so wieder ein
       rundum gelungenes Album erschaffen.
       
       26 Nov 2010
       
       ## AUTOREN
       
 (DIR) Christian Ihle
       
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