# taz.de -- Personalkrise an den Schulen: Warnstreiks in Dauerschleife
       
       > Die Bildungsgewerkschaft GEW kämpft für kleinere Klassen. Trotz und wegen
       > des Lehrkräftemangels zeigt sich der Senat wenig kompromissbereit.
       
 (IMG) Bild: Werden des Warnens nicht müde: Streikende Lehrer:innen auf dem Potsdamer Platz im Juni 2023
       
       Berlin taz | Klassengrößen von 19 bis 24 Schüler:innen pro Klasse, dazu
       eine flächendeckende Versorgung mit Sozialpädagog:innen und
       Schulpsycholog:innen: Für diese, gemessen an der aktuellen Realität an
       Berliner Schulen, traumhaften Bedingungen kämpft [1][die
       Bildungsgewerkschaft GEW seit fast drei Jahren]. Da der Senat bislang nicht
       einmal Verhandlungen zugesagt hat, ruft die Gewerkschaft am Mittwoch
       bereits zum 11. Mal zum Warnstreik auf.
       
       „Wir bleiben hartnäckig“, sagt GEW-Geschäftsführer Markus Hanisch der taz:
       „Die Probleme gehen ja nicht weg.“ 2021 hatte die GEW erstmals den Senat
       aufgefordert, die Arbeitsbedingungen der Lehrer:innen durch eine
       deutliche Reduzierung der Klassengröße zu verbessern.
       
       Derzeit sind in Berlin rund 1.500 Stellen von Lehrkräften unbesetzt. Die
       Folgen sind nicht nur ausfallende Stunden und häufige Vertretungen, sondern
       auch eine steigende Belastung der Lehrkräfte. „Was in den Schulen am
       meisten fehlt, ist Zeit und Personal“, sagt Hanisch. Untersuchungen hätten
       ergeben, dass pädagogische Berufe besonders stark von psychischen und
       anderen Erkrankungen betroffen seien. Kleinere Klassengrößen seien daher
       ein entscheidender Hebel, die Arbeitsbedingungen zu verbessern. Nach
       Angaben der GEW sind in Berlin derzeit 3.500 Schulklassen überlegt.
       
       Doch [2][kleinere Klassen bedeuten einen höheren Personalbedarf, was den
       bestehenden Mangel zunächst noch weiter verschärfen würde.] Genau wie bei
       der Vorgängerregierung stößt die GEW beim schwarz-roten Senat auf taube
       Ohren. Finanzsenator Stefan Evers (CDU) ließ erst im April eine erneute
       Aufforderung der GEW verstreichen, Verhandlungen über einen „Tarifvertrag
       Gesundheitsschutz“ aufzunehmen.
       
       ## Teufelskreis Personalmangel
       
       Die Senatsverwaltung argumentiert, Tarifverhandlungen seien nicht möglich,
       weil Berlin aus der Tarifgemeinschaft der Länder fallen würde. Hanisch hält
       das für vorgeschoben, schließlich könnten kleinere Klassengrößen auch über
       das Schulgesetz festgelegt werden. „Der politische Wille fehlt einfach.“
       
       Ob Entlastungstarifvertrag oder nicht, [3][es müssten jetzt dringend
       Maßnahmen ergriffen werden, um der Personalkrise im Bildungsbereich
       entgegenzusteuern], fordert Franziska Brychcy, bildungspolitische
       Sprecherin der Linksfraktion: „Es braucht einen Stufenplan, mit dem die
       Kolleg:innen entlastet werden können. Ansonsten werden wir sie
       verlieren.“ Laut einer parlamentarischen Anfrage Brychcys verlassen in
       Berlin jedes Jahr fast 1.000 Lehrkräfte den Beruf vor der Rente.
       
       Während sich die Krise verschärft, steigt die Frustration über den
       mangelnden Erfolg der Streiks. „Wir stehen nach wie vor hinter dem
       grundlegenden Ziel“, sagt Norman Heise, Vorstand des Berliner
       Landeselternausschusses. Nach 17 Streiktagen habe man nur Zweifel, ob
       Arbeitsniederlegungen tatsächlich das richtige Mittel seien. Auch der
       Landesschülerausschuss kritisiert, dass der Warnstreik zum wiederholten Mal
       in der Abiturphase stattfindet.
       
       Für den Gewerkschafter Markus Hanisch sind die Warnstreiks aber ein
       Mittelweg zwischen der Eskalation eines unbefristeten Erzwingungsstreiks
       und dem Versorgungsauftrag der Lehrer:innen. Trotz ausbleibenden Erfolgs
       seien sie notwendig: „Wir würden uns freuen, konstruktive Gespräche mit dem
       Senat zu führen, statt zu streiken“, so Hanisch.
       
       21 May 2024
       
       ## LINKS
       
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       ## AUTOREN
       
 (DIR) Jonas Wahmkow
       
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