# taz.de -- Ökologisch bewusster Zeichentrick: Brave Mülltrenner
> Eine Serie zeigt den US-Amerikanern wie Umweltbewusstsein funktioniert.
> Die Produzenten wollen aber auch den Obama-Hype und die Gemüse pflanzende
> First Lady auf die Schippe nehmen.
(IMG) Bild: Goode Family konnte mit ihrer ersten Folge nur knapp 4 Millionen Zuschauer begeistern.
Eigentlich wollen sie nichts Besonderes. Die Familie Goode kauft Bioäpfel,
bezeichnet Minderheiten korrekt und möchte auch sonst eigentlich nur mit
allen gut klarkommen. Dass das in den USA nicht so einfach ist, zeigt eine
neue Zeichentrickserie, die Mittwoch beim US-amerikanischen Fernsehsender
ABC angelaufen ist.
Vater Gerald Goode ist Verwaltungsangestellter an einer
Gemeinschaftsschule, Mutter Helen Goode ist in erster Linie seine Frau und
nebenbei selbst ernannte Umweltaktivistin. Gemeinsam haben sie beschlossen,
ihr Leben ökologisch nachhaltig und politisch korrekt zu gestalten, und das
ausgerechnet in einem Land, dessen Regierung Umwelt- und Klimaschutz noch
bis vor Kurzem als Gefahr für das Wirtschaftswachstum begriffen hatte. Die
beiden Kinder der Goodes sind nur mäßig begeistert vom Enthusiasmus ihrer
Eltern. Tochter Bliss (Glück) pubertiert kräftig vor sich hin und findet
ihre Eltern meistens ziemlich peinlich, und Adoptivsohn Ubantu ist schlicht
zu einfältig, um zu verstehen, worum es seinen Eltern geht. Selbst
Familienhund Che akzeptiert nur scheinbar die vegane Kost, die die Goodes
zu sich nehmen. Meist verschmäht er seinen Fressnapf mit dem fleischlosen
Hundefutter und frisst stattdessen die Haustiere der Nachbarn, wenn gerade
keiner zusieht.
Die Goodes lassen sich dennoch nicht beirren. 13 Folgen lang ist die erste
Staffel, und in jeder fahren sie brav ("goode") mit dem Hybridauto,
bepflanzen den Gemüsegarten vor ihrem Haus, trennen ihren Müll und
verweigern die Plastiktüten im Supermarkt.
Die beiden Erfinder der Serie, Mike Judge und Greg Daniels, nehmen mit
ihrem jüngsten Comedy-Werk einen Trend aufs Korn, dem Barack Obamas
Präsidentschaft in den USA endgültig zum Durchbruch verholfen hat. Nach
Jahrzehnten der Verschwendung und des Raubbaus an der Natur wird dort ein
grüner Lebensstil plötzlich auch auf höchster, offizieller Ebene hip:
Obamas Frau Michele pflanzt auf dem Rasen vor dem Weißen Haus einen
Gemüsegarten an, um ihren Landsleuten vorzuführen, wie gut und gesund
frisches Gemüse ist. Obama selbst bringt ein Gesetz auf den Weg, nach dem
die US-amerikanischen Autos bis 2016 ein Drittel weniger Treibhausgase
ausstoßen sollen. Und den insolventen US-Autokonzern Chrysler vergibt die
Regierung unter anderem deswegen so leichtfertig an Fiat, weil sie sich von
den Italienern neue Ideen für spritsparende Kleinwagen erhofft. Bis zu
einem umfassenden Ökologieverständnis ist es in den USA zwar noch ein
weiter Weg, dennoch ist der Trend auch im Alltag spürbar: Einige
US-Supermärkte bieten mittlerweile wiederverwertbare Tragetaschen an, große
Ökosupermarktketten boomen zumindest in den Großstädten, und in der New
Yorker U-Bahn hängt Werbung für umweltfreundliches Carsharing. "Die Familie
Goode" läuft also genau zur richtigen Zeit im US-amerikanischen Fernsehen
an.
Die beiden Produzenten Mike Judge, aus dessen Feder auch "Beavis und
Butthead" stammt, und Greg Daniels, ein ehemaliger Autor der Simpsons,
haben schon zuvor Gespür für den US-amerikanischen Zeitgeist bewiesen. Ihre
Vorgängerserie "King of the Hill" karikierte das komplette Gegenteil der
Goodes: eine weiße Methodistenfamilie in Texas, konservativ und
gottesfürchtig. 1997, als "King of the Hill" anlief, war gerade der
Demokrat Bill Clinton aus dem an Texas grenzenden Arkansas Präsident. Als
der Texaner, Republikaner und Evangelikale George W. Bush 2001 an die Macht
kam, lief "King of the Hills" noch 13 Staffeln lang weiter und wurde damit
zur zweiterfolgreichsten US-Serie nach den Simpsons. Die Aussichten sind
also gut für die Goodes: Zumindest vier Jahre lang könnten sie auf Sendung
bleiben.
29 May 2009
## ARTIKEL ZUM THEMA