# taz.de -- Nischen im Uni-Alltag
       
       > Die von Studenten betriebenen Cafés in den Fachbereichen bieten Platz für
       > sozialen und politischen Austausch sowie Kaffee zum Selbstkostenpreis.
       > Sie gehören zu den wenigen Rückzugsorten auf einem ungastlichen Campus
       
       von Nicolai Schaaf
       
       Creisch, Paranoia, Knallhart. Mitunter begegnen einem Studienanfänger an
       der Uni verwunderliche Namen, während er oder sie doch gerade versucht,
       sich in den Wirren der Adressakronyme zwischen VMP, ESA und AP zu
       orientieren. Die selbst verwalteten studentischen Räume und
       Fachschaftscafés, die sich dahinter verbergen, kompensieren mehr oder
       weniger leise das Fehlen von Aufenthalts- und Arbeitsräumen: Mit alten
       Sesseln, Musik und günstigem Kaffee.
       
       Katharina Höfel studiert im siebten Semester Soziologie. Sie kennt das
       Problem, zwischen zwei Seminaren einen Aufenthaltsraum zu finden, wo es für
       wenig Geld auch Kaffee und Brötchen gibt. Meistens besucht sie das Café der
       Sozialwissenschaftler, die T-Stube im Pferdestall. Dort sitzt Höfels
       Fachbereich. Wichtiger aber sei ihr, dass die Athmosphäre in der T-Stube
       „so ungezwungen ist, dass es da richtig häuslich wirkt“. Sie könne dort
       „rumgammeln und die Füße hochlegen“, schwärmt die Studentin: „Und wo sonst
       an der Uni gibt es noch so günstigen Kaffee zum Selbstkostenpreis?“
       
       In vielen Gebäuden und Fachbereichen seien selbst verwaltete Cafés die
       einzigen Rückzugsräume für die Studis, berichtet Jonas Füllner vom
       Uni-AStA. Auch der soziale Faktor sei wichtig: „Gerade für Erstsemester
       sind die Cafés sehr lohnenswert, und sei es nur um zu erfahren, welche
       Profs angesagt sind.“ Fragen aller Art zum Unileben beantworten aber auch
       die Studenten hinterm Tresen des AStA-Info-Cafés. Darüber hinaus machen
       Zeitungen, Internetanschluss und eine Kaffeemaschine die Anlaufstelle im
       AStA-Trakt angenehm.
       
       Viele der Studentencafés auf dem Campus sind aus den Uni-Streiks 1988 und
       1989 hervorgegangen. Heute aber spielt Politik nur noch in manchen eine
       Rolle. Das Café Creisch etwa werde noch intensiv als „politischer Raum“
       genutzt und sei Ausgangspunkt vieler jüngerer Streikaktionen gewesen,
       berichtet AStA-Referent Füllner. Das Café der Germanisten im dritten Stock
       des Philosophenturms ist fachlich gesehen seine Heimat. Examenskolloquien,
       Sitzungen des Fachschaftsrates, politische Debatten und Partys finden hier
       statt. „Es schaut sogar mal der eine oder andere Lehrende vorbei“, so
       Christoph Breitsprecher, ebenfalls Germanist im elfen Semester. In den
       benachbarten Stockwerken gibt es weitere Fachbereich-Cafés (siehe Kasten).
       
       Den selbst verwalteten Cafés mache aber „der allgemeine Trend zur
       Kommerzialisierung des Campus-Lebens“ zu schaffen, beklagt
       Studierendenvertreter Füllner. Jüngstes Opfer: Das vegane Kochkollektiv,
       das in dem Frauen- und Gender-Raum neben der T-Stube gekocht hat. Die
       Uni-Leitung hat es laut AStA unter Hinweis auf Feuerschutzmaßnahmen
       geschlossen. Das beliebte Volx-Café im Foyer des Phil-Turms hatte schon
       2001 der neuen Mensa weichen müssen. Auch für einen Frauenraum, der
       zusammen mit dem Volx-Café geschlossen wurde, gab es keinen Ersatz, wie der
       AStA beklagt.
       
       Referent Füllner findet, „dass die fortschreitende Privatisierung und die
       künstliche Schaffung von vermeintlichen Kulturstätten wie der Pony Bar im
       Pferdestall nicht notwendig ist“. Erst recht nicht, wenn diese sich gegen
       selbst verwaltete Projekte richteten. Die Uni sei aber zur „massiven“
       Vermarktung ihrer selbst übergegangen, rügt Füllner: „Räume, die früher
       kostenlos waren, werden jetzt von der Uni-Marketing-GmbH gegen sehr hohe
       Mieten angeboten.“ Sogar schwarze Bretter würden für Werbung benutzt, so
       dass private Aushänge kaum noch Platz fänden. Kommilitone Breitsprecher
       ergänzt: „Während die Uni sich immer mehr als schlichter
       Bildungsdienstleister versteht, müssen wir uns selbst soziale Räume
       schaffen.“
       
       Paradoxerweise wird das jetzt durch den Sparzwang an der Uni erleichtert:
       Da es in der Germanistik immer weniger Lehrende gebe, stünden dort Büros
       leer, berichtet Füllner. Gegenüber dem Café Creisch solle nun ein
       Arbeitsraum eröffnet werden.
       
       2 Apr 2005
       
       ## AUTOREN
       
 (DIR) Nicolai Schaaf
       
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