# taz.de -- Neuverfilmung von "Sissi": Die glanzlose Kaiserin
       
       > Das ZDF wagt eine Neuverfilmung des "Sissi"-Stoffs: Die ist überfrachtet
       > – und zeigt, dass die Lage ernst ist, aber nie zu ernst, um Kinder zu
       > zeugen. (Donnerstag & Sonntag, 20.15 Uhr).
       
 (IMG) Bild: Die Neue, mit einem s: Cristiana Capotondi – mit Kaiser Franz Joseph alias David Rott
       
       Haben Sie in letzter Zeit abgestaubt? Nein - dann lassen Sie es lieber.
       Denn Staub gibt allem eine ganz eigene Art Patina, eine, die in der Sonne
       glitzert. Ohne diese Staubschicht sind Ihre Sachen einfach nur Ihre Sachen.
       Schön, ja, aber …
       
       Ungefähr so ist es auch mit der Geschichte Elisabeths, der Kaiserin von
       Österreich. Ernst Marischkas Filmdreiteiler "Sissi" aus den Fünfzigerjahren
       ist mächtig verstaubt, erzielt aber alle Jahre wieder zu Weihnachten für
       Sat.1 irrwitzig hohe Einschaltquoten. Da will das ZDF was von abhaben und
       hat mit der deutsch-österreichisch-italienischen Koproduktion "Sisi" das
       Ganze nicht nur um ein "s" entschlackt und zum Zweiteiler gekürzt, sondern
       auch sonst mal kräftig drübergewischt.
       
       Hervor kommt die Italienerin Cristiana Capotondi. Sie spielt Sisi - und sie
       ist nicht Romy Schneider, hat aber einen bezaubernden frischen Charme und
       überhaupt ist es ein ganz hinreißendes Paar, das sie mit David Rott als
       Kaiser Franz Joseph formt. Ein sehr heutiger, empfindsamer und
       facettenreicher Franz ist das, und man sieht den beiden gerne zu, wie sie
       sich aus dem Palast stehlen, um die Hochzeitsnacht in aller Freiheit zu
       begehen, wie sie sich häufigstmöglich in die Arme sinken und der Liebe
       frönen. Und politische Debatten werden gleich viel erträglicher, wenn die
       Kaiserin dabei im Negligé auf den kaiserlichen Schreibtisch hingegossen mit
       ihrem Franz die Lage in der Lombardei diskutiert. Das zeigt zweierlei: Die
       Lage ist ernst, aber nie zu ernst, um Kinder zu zeugen.
       
       Der Zweiteiler beginnt mit dem Kennenlernen des Liebespaares und endet mit
       Sisis Krönung zur Königin von Ungarn. Dazwischen hat er einige Längen, denn
       wo Marischka so klug war, einiges - zugegeben eher Schwermütiges -
       wegzulassen, wird nun alles angerissen: Der Tod von Sisis erster Tochter,
       des Kaisers Bruder Max, der Franz mit seinen liberalen Positionen
       entgegensteht, der Streit um die militärische Ausbildung des empfindsamen
       Sohnes Rudolf, dazu gibt es ausgiebige Schlachtenszenen und
       aufopferungsvolle Hingabe der Kaiserin im Lazarett. Historisch korrekter
       als beim alten "Sissi" ist davon wenig, Sisis Figurfanatismus wird mit
       ungelenkem Rumturnen am Barren angedeutet, die Eheprobleme lösen sich stets
       in hingebungsvolle Liebe auf.
       
       Übereifrig soll Sisis politisches Interesse und ihr Einfluss auf die
       Entscheidungen des Kaisers dargestellt werden, doch bleibt es meist bei
       nachdenklichem, erschrockenem, ablehnendem Staunen über all das, was so
       passiert in der Welt. Darüber muss man natürlich reden. Viel reden.
       
       Ein weiterer Grund, warum "Sisi" nicht recht begeistert, sind die drögen
       Nebenfiguren. Ausgerechnet die Topschauspieler Herbert Knaup als Sisis
       Vater Max und Martina Gedeck (die von der jungen Liebenden direkt ins
       Schwiegermutterfach wechseln musste) als Franz Josephs Mutter Sophie sind
       top fehlbesetzt, weil entweder zu hölzern oder allzu bedeutungsschwer.
       Schmerzlich vermisst man Gustav Knuth als Kaiserinnen-Vater und Josef
       Meinrad als Oberst Böckl, die der alten "Sissi" ihren Charme verliehen.
       
       So bleibt ein schön gefilmter ZDF-Sonntagsfilm, mit Dialogen fürs Herz wie
       diesem. Sie: "Ich habe mein ganzes Leben auf dich gewartet." Er: "Danke,
       dass du mich gelehrt hast, dich zu lieben." Kein Wunder, dass alles so
       solide romantikgebürstet ist - Christiane "Inga Lindström" Sadlo verlieh
       dem Drehbuch den letzten Schliff.
       
       Das ist nicht schlecht, nur eben etwas glatt und glanzlos. Und gerade in
       der Weihnachtszeit hat es die Seele ja gern etwas funkelnd - auch wenn es
       nur Staub ist, bei Lichte betrachtet.
       
       16 Dec 2009
       
       ## AUTOREN
       
 (DIR) Daniela Zinser
       
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