# taz.de -- Nebulöse Zukunft für Ratibor 14
       
       > Die Finanzverwaltung will ein Gelände in Kreuzberg nun womöglich doch
       > nicht kaufen. Mit einer Aktion vor dem Roten Rathaus protestiert eine
       > Initiative gegen die Verdrängung von Gewerbe und Wagenplatz
       
       Von Jonas Wahmkow
       
       Dichte Kunstnebelschwaden ziehen vorbei am Seiteneingang des Roten
       Rathauses. Am frühen Morgen haben sich rund 50 Handwerker*innen und
       Unterstützer*innen der Initiative Areal Ratibor 14 versammelt, um für den
       Erhalt ihres bedrohten Werkshofes in Kreuzberg zu demonstrieren. „Keine
       Gentrifizierung durch die Hintertür!“, fordert ein Aktivist in einem
       Redebeitrag. In die zustimmenden Rufe und Pfiffe der Demonstrant*innen
       stimmt eine Trompete ein.
       
       Mit dem morgendlichen Spektakel hoffen die Demonstrant*innen die
       Senator*innen auf ihrem Arbeitsweg zu erreichen. Denn von ihrer
       Entscheidung wird auch die Zukunft der Nutzer*innen des Areals an der
       Ratiborstraße 14 abhängen.
       
       „Es herrscht großer Frust bei allen“, schildert der Sprecher der Initiative
       Areal Ratibor 14, Moritz Metz, mit maskiertem Gesicht die Situation. „Das
       Ziel war, Geflüchteten und verdrängten Handwerksbetrieben Raum zu geben,
       aber bisher ist nichts passiert.“
       
       Die drei Hektar große Fläche an der Dreiländereck genannten Grenze der
       Bezirke Treptow, Friedrichshain-Kreuzberg und Neukölln wird derzeit vor
       allem von Handwerksbetrieben, aber auch von einer Kita, einem Wagenplatz
       und einem Biergarten genutzt.
       
       Anfang 2018 überraschte der Bezirk Friedrichshain-Kreuzberg die
       Nutzer*innen mit der Ankündigung, auf dem Gelände eine MUF – eine
       sogenannte Modulare Unterkunft für Flüchtlinge – mit 500 Plätzen errichten
       zu wollen. Schnell entwickelte sich Protest. Statt Massenunterkunft und
       Verdrängung einer der letzten Gewerbeflächen in Kreuzberg forderten die
       Nutzer*innen die Integration von Handwerk, Geflüchteten und Kultur.
       
       Von einer „Kreuzberger Mischung“ war die Rede. In langwierigen Gesprächen
       mit Bezirk und Senat wurde die Idee eines „Modellprojekts“ für die
       [1][Unterbringung von Geflüchteten] entwickelt. Nicht wenige Einwände der
       Aktivist*innen, die insgesamt vier detaillierte Konzepte entwickelten,
       wurden berücksichtigt: Die Zahl der MUF-Plätze wurde auf 250 Plätze
       reduziert, das angestammte Gewerbe sollte erhalten werden. Immer wieder war
       die Rede von der „Kreuzberger Mischung“, die auf dem Gelände wieder
       aufleben sollte.
       
       ## Genossenschaft gegründet
       
       Ursprünglich geplant war, dass die Senatsverwaltung für Finanzen dafür das
       Gelände vom Bund erwirbt. Ein Teil des Geländes sollte an das
       [2][landeseigene Wohnungsbauunternehmen Berlinovo] gehen, die dort die
       Flüchtlingsunterkünfte errichten will. Auf der verkleinerten Fläche von
       rund 10.000 Quadratmetern sollten der Wagenplatz und die Handwerker*innen
       zusammenrücken, so der Plan. Dafür wurde eigens die Genossenschaft Ratibor
       14 e.G. gegründet, die das Gelände dauerhaft vom Senat in einem
       Erbpachtvertrag mieten sollte.
       
       Doch die Aktivist*innen fürchten nun, dass die Senatsverwaltung für
       Finanzen den Kauf des Geländes abbrechen will, womöglich um eine
       Nachnutzung der MUF durch Luxuswohnungen zu ermöglichen. Dabei berufen sich
       die Aktivist*innen auf interne Informationen. Auf Anfrage teilte die
       Senatsverwaltung für Finanzen der taz mit, es gebe diesbezüglich noch keine
       Entscheidung, die Verhandlungen liefen noch.
       
       Die unklare Situation bedeutet für die dort ansässigen Handwerksbetriebe
       vor allem weiterhin Unsicherheit: „Wir würden eigentlich gerne
       [3][ausbilden dieses Jahr]“, erklärt Livius Härer. Der Tischlermeister hat
       eine Werkstatt mit drei Angestellten auf dem Gelände. „Doch wie es jetzt
       aussieht, müssen wir am Ende des Jahres vom Gelände.“ Auch notwendige
       Investitionen könne er nicht tätigen. „Wir fordern deshalb zuerst einmal
       eine Verlängerung der im Dezember auslaufenden Mietverträge.“
       
       20 May 2020
       
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       ## AUTOREN
       
 (DIR) Jonas Wahmkow
       
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