# taz.de -- NEU IM KINO: Softpornohorrorthriller „Basic Instinct“ Feuchter Schlamm & Abwehrspritze
       
       Kaum ein anderer Film hat in der vergangenen Zeit die Gemüter schon vor
       seinem Bundesstart so sehr erhitzt wie Basic Instinct. Welch ein PR-Erfolg!
       Ernstzunehmende Filmkritiker saßen mit der Stoppuhr vor der Leinwand: wie
       lange hat man Michael Douglas mit Sharon Stone vögeln sehen? Keine Zeitung,
       kein Magazin ließ es sich entgehen, mit glitzernden Augen und feuchten
       Händen der Frage nachzugehen ob man denn das darf — um sich dann in einer
       Mischung von Enttäuschung und Verklemmtheit abzuwenden. „Unappetitlich“,
       diese Vögelszenen zwischen Gewalt und Lust, „unappetitlich“, diese Szenen,
       in denen die Mörderin auf dem Höhepunkt der Lust auf ihre Opfer einsticht.
       „Unappetitlich“ — als ginge es um Präsentation von Lachsklopsen im
       Delikatessengeschäft.
       
       Alles halb so wild. Bei Start des Films in einem der Bremer Innenstadtkinos
       war der Saal trotz der Kampagne nur zu einem Drittel gefüllt. Und die
       vielen jungen Männer, die da in ihren Fauteuils hin- und herrutschten,
       erfuhren das Wesentliche schon im Vorfilm. Unter der Kruste wird gejodelt.
       Das heiße Leben der Krabbe: leben nur im feuchten Schlamm (aah) ... die
       Antennendrüsen sind Abwehrspritzen (olala) ... bei den Männchen ist eine
       Schere so groß, daß sie die Hälfte des Körpergewichts ausmacht (da sieht
       man mal wieder) ... ob das Winken Agressivität bedeutet oder Balz, das ist
       noch nicht geklärt. Womit wir im Thema wären: Basic Instinct, Balzen und
       Töten.
       
       Durch und durch ein Männerfilm: Michael Douglas ist die einzige
       Identifikationsfigur, und ihm gegenüber steht keine lebendige und
       widersprüchliche Frau. Ihm gegenüber lauert die nackte Gefahr. Sharon Stone
       verkörpert das perfekte Klischee typischer Männerängste: ein mysteriöses
       Nebeneinander von Berechnung und Begehren, aus dessen Magnetismus es kein
       Entrinnen gibt. Da können die Filmmänner noch so viele Machosprüche reißen,
       vom ersten Augenblick des Zusammentreffens von Douglas und Stone, von
       Polizist und mutmaßlicher Mörderin ist klar, wer Macht über wen hat. Es ist
       dieses Spiel von Gewalt, das dem Film seinen Thrill gibt. Wer einen Porno
       sehen will, der sollte in die Videothek gehen. Wer Gewaltorgien will, der
       ist mit Kettensägenmassaker Teil 4 besser bedient. Psycho ist der bessere
       Thriller. 'Basic Instinct' wird vorschnell verurteilt. J.G.
       
       23 May 1992
       
       ## AUTOREN
       
 (DIR) j.g.
       
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