# taz.de -- Konservative vor Sozialdemokraten: Sieg für Regierungspartei in Kroatien
> Die konservative HDZ von Premier Sanader liegt bei den Wahlen knapp vor
> den Sozialdemokraten. Kleine Parteien der Mitte werden über die Regierung
> entscheiden.
(IMG) Bild: "Jetzt bilden wir die Regierung": Sozialdemokrat Zoran Milanovic
Nach der spannenden Wahlnacht in Kroatien war auch am Nachmittag noch nicht
ausgemacht, wer die nächste Regierung stellt. Nach Auszählung von 95
Prozent der Stimmen im Lande selbst lagen die regierende Kroatische
Demokratische Gemeinschaft (HDZ) mit 60 Sitzen noch knapp vor den
Sozialdemokraten SDP mit 57. Beide Lager reklamierten schon in der
Wahlnacht den Sieg für sich, SDP-Chef Zoran Milanovic ebenso wie der
bisherige Ministerpräsident Ivo Sanader von der HDZ. Die Waage begann sich
am Montag aber langsam in Richtung des konservativen Lagers zu neigen, als
die Ergebnisse der Diaspora eintrafen.
Sicher ist, dass sich die HDZ bei den in Kroatien wahlberechtigten
Katholiken in Bosnien und Herzegowina und den Kroaten aus der EU und
Übersee - insgesamt 400.000 Stimmen - durchgesetzt hat und sechs Sitze
hinzugewinnt. Trotzdem muss die Regierung von Ministerpräsident Ivo Sanader
noch Bündnispartner bei den kleineren Parteien suchen, um die 77 für die
Regierungsbildung nötigen Stimmen im Sabor zusammenzubekommen.
Da die linksliberale Kroatische Volkspartei HNS mit ihren bisher sieben
Sitzen sowie die Regionalparteien aus Istrien IDS und Slawonien HDSSB ( je
drei Sitze) mit den Sozialdemokraten koalieren möchten, ist das Bündnis aus
Liberaler Partei und Bauernpartei HSLS-HSS mit 8 Sitzen in das Zentrum des
Interesses gerückt. Liberale und Bauern sind die Königsmacher. Wie sie sich
entscheiden werden, ist noch unklar.
Fast sicher kann Ivo Sanader mit der Mehrheit der 8 Sitze für die
Minderheiten rechnen, die schon die bisherige Regierung stützten. So mit
den Stimmen der drei serbischen Abgeordneten und wahrscheinlich mit dem
Abgeordneten der Roma, der auch die Interessen der deutschen,
österreichischen und jüdischen Minderheit vertritt. Die rechtsradikale HSP
und die Partei der Rentner HSU (je ein Sitz) sind schwer beschädigt,
könnten sich aber zum Lager Sanaders schlagen.
Es wird also langwierige Verhandlungen um die Regierungsbildung geben,
erklärten Beobachter. Noch hat auch die SDP die Chance, die kleinen
Parteien für sich einzunehmen. "Wir haben die Alternative zwischen einem
kompetenten Ministerpräsidenten Ivo Sanader mit seiner inkompetenten
Mannschaft und dem in der Linken umstrittenen Spitzenkandidaten Ljubo
Jurcic mit einem kompetenten Team," sagte der Menschenrechtler und
Philosophieprofessor Þarko Puhovski. Wie Puhovski geht die Mehrheit der
Beobachter davon aus, dass die Regierung Sanader im Amt bleibt. Der SDP
wird zugestanden, einen großen Wahlerfolg für sich verbucht zu haben, indem
sie 18 oder 19 Sitze hinzugewonnen hat. Sie könnte eine starke Opposition
im Parlament werden. Das wäre eine komfortable Position, denn die nächste
Regierung muss die Auflagen der EU für die Integration des Landes
durchsetzen und für die Bevölkerung zum Teil schmerzhafte Reformen
durchführen.
26 Nov 2007
## AUTOREN
(DIR) Erich Rathfelder
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