# taz.de -- Kommt,ich musseuch Georgien zeigen
(IMG) Bild: Protestierender in Tbilissi im Dezember
Von Zviad Ratiani
Kommt, Kinder, ich muss euch Georgien zeigen. / Es wird Zeit. Mir scheint,
ich komme gar zu spät.
Sein hohes Alter soll euch nicht täuschen, / sein Fell, das starrt von
trocknem Blut, / und seine Kette ist auch lang genug, um bis zu uns zu
reichen. / Gebt mir die Hand
und schaut Georgien zu, / mit welchem Appetit verspeist es seine Kinder /
(wenn auch nie ohne Unterscheidung; leugnen wir es nicht), / je größer aber
dieser Appetit, desto mehr verfällt es. /
Das Wichtigste ist die Distanz: schauen und nicht berühren. / Wichtig ist
auch, nicht wegzulaufen. Das habe ich versucht, es wurde schlimmer.
In einiger Entfernung müsst ihr stehen. Von hier aus wirkt es nicht nur
anziehend, / interessant; wenn man mich fragt, auch liebenswert.
Lasst meine Hand los / und schaut nicht zu, wenn ich zum nimmersatten
verlornen Elternteil hingehe / und er mir keine Zeit lässt, etwas zu sagen,
etwas zu erklären, / schon gar nicht – meine Liebe. Denn ich komme zu spät.
Aus dem Georgischen von Maya Herzog und Katja Wolters
18 Jan 2025
## AUTOREN
(DIR) Zviad Ratiani
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