# taz.de -- kommentar von Andrea Scharpenüber den Halim-Dener-Platz: Es ist Zeit für einen fetten Gedenkstein
       
       Nicht einmal eine kleine Plakette erinnert am Steintor daran, dass der
       16-jährige Halim Dener dort verblutet ist, erschossen von einem Polizisten.
       Kein Stein, keine Infotafel, nichts. Und Oberbürgermeister Stefan Schostok
       (SPD) macht gerade unmissverständlich klar, dass sich daran auch nichts
       ändern soll. Dass er dafür sogar eine mehrheitliche Entscheidung des
       Bezirksrates torpedieren will, ist nicht besonders demokratisch.
       
       Schostok und seine SPD-Amtsvorgänger hatten beinahe 23 Jahre Zeit, um ein
       würdiges Gedenken an den Todesfall zu ermöglichen – dann wäre die Benennung
       des Platzes heute nicht nötig. Doch die Politiker scheinen angesichts der
       ungeklärten Tatumstände nicht den Mut gehabt zu haben, an ein Polizeiopfer
       zu erinnern.
       
       Grüne, Linke, Piraten und Die Partei haben es in Linden-Limmer dann eben
       selbst in die Hand genommen. Sie setzen ein Zeichen und erinnern an
       geschehenes Unrecht. Denn auch wenn der Polizist nicht schießen wollte,
       mitten in Hannover ist ein Jugendlicher von einem deutschen Beamten getötet
       worden. Daran muss erinnert werden – egal, ob Dener PKK-Sympathisant war
       oder nicht.
       
       Aber eine bisher namenlose Grünfläche irgendwo im Stadtteil Linden ist
       dafür nicht der richtige Ort – sondern das Steintor. Hier hat sich Dener
       meterweit geschleppt, bis er zusammengebrochen ist. An dem Ort, an dem er
       gestorben ist, sollte ein fetter Gedenkstein stehen. Einer, der nicht zu
       übersehen ist. Einer, an dem Hannoveraner und Touristen auf ihrem Weg in
       die Stadt innehalten und über Deners Geschichte sprechen.
       
       Das wäre auch eine Mahnung für die Polizisten in der Stadt, sich ihrer
       großen Verantwortung zu vergegenwärtigen, die sie jeden Tag mit ihrer
       Dienstwaffe an den Gürtel stecken.
       
       Es liegt nun allein bei Oberbürgermeister Schostok, ein solches Mahnmal am
       Steintor als Ausgleich dafür umzusetzen, dass er den vorgeschlagenen
       Halim-Dener-Platz verhindert. Das wäre ein Kompromiss, klar. Aber darum
       geht es doch in einer Demokratie.
       
       17 May 2017
       
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 (DIR) Andrea Scharpen
       
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