# taz.de -- das detail: Identität, die
(IMG) Bild: Ganz viel Herz: Fans des VfL Bochum
Hat es je schon einmal eine solche Abstiegsfeier in der Geschichte der
Fußball-Bundesliga gegeben? Es war ein ganz großer Moment am
Samstagnachmittag in der Vereinsgeschichte des VfL Bochums. Nach der
1:4-Heimniederlage stand der siebte Abstieg aus der Fußball-Bundesliga fest
und die Fans zeigten ihrem Team nach dem Schlusspfiff lautstark und
ausdauernd ihre unendliche Zuneigung. Selbst die Gäste aus Mainz bekannten
in Interviews, von der Atmosphäre völlig überwältigt gewesen zu sein.
Bochums Trainer Dieter Hecking erklärte dem eigenen Anhang huldvoll: „Vor
euch verneige ich mich, vor dem ganzen Publikum im Stadion – Chapeau.“ Wer
all dies beobachtete, musste unweigerlich zu dem Schluss kommen, dass in
Bochum Niederlagen und Abstiege inzwischen identitätsstiftender wirken als
alles andere. Leid verbindet. Der immer ungleicher werdende Wettbewerb der
Fußball-Bundesliga, der die erfolgreichen Klubs mit immer mehr Geld
überschüttet, führt offenkundig auch dazu, dass die Fans im Misserfolgsfall
ihren Zorn nicht mehr aufs eigene Team richten. Früher oder später sind
Abstiege für die wenigen Teams, die dafür überhaupt noch infrage kommen,
einfach unvermeidlich. In Bochum haben selbst die Fans erkannt, dass mit
diesem dürftig besetzten Kader nicht viel mehr möglich gewesen ist. In
früheren Jahren hätten sie vermutlich noch in Richtung der eigenen Spieler
skandiert: „Wir sind Bochumer und ihr nicht.“ Auch in Kiel verabschiedete
das Publikum das eigene Team nach der Niederlage gegen Freiburg mit
Standing Ovations in die Zweite Liga. Ein neuer Trend? (jok)
12 May 2025
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