# taz.de -- Hans-Christian Dany, Autor: Der Unerreichbare
       
       Hans-Christian Dany ist unerreichbar. Geht nicht ans Telefon, und das
       nachmittags um vier, wo jeder vernünftige Mensch an den Schreibtisch
       gefesselt sein oder zumindest die Hand am Handy haben sollte. Vielleicht
       ist Dany einer, der sich gern mal eine Auszeit nimmt.
       
       Grund dazu hätte er: Zusammen mit Max Hinderer hat er gerade die letzte
       Ausgabe des Magazins Kultur und Gespenster zusammengestellt: „Drogen und
       Drogen“. Der Titel macht Lust auf mehr und herankommen lässt sich an den
       exquisiten Stoff erstmals ganz einfach am Kiosk. Geändert hat das am
       Magazin nichts: Noch immer anspruchsvolle Aufmachung und anspruchsvolle
       Texte, kaum Konzessionen an den Leser, der mal abgehängt, mal an die Hand
       genommen wird.
       
       Dany gehört zu der angenehmen Sorte Menschen, die wissen, was sie machen
       und worüber sie sprechen. Magazine hat er selbst eine Reihe gemacht, über
       die Droge Speed hat er vor zwei Jahren ein lesenswertes Buch
       veröffentlicht. Der taz sagte er damals: Man muss immer „das ganze Spektrum
       darstellen und dazu gehört natürlich auch der Reiz des verhandelten
       Gegenstandes“. Zur Rezeptionsgeschichte gehörte dann auch, dass der Autor
       immer wieder gefragt wurde, wo das Zeug denn zu beziehen sei. Allerdings
       hatte er auch geschrieben, es gebe „gute Gründe, nüchtern zu bleiben“.
       Dahinter stand die Erkenntnis, dass Drogen in heutigen Verhältnissen keine
       subversive Wirkung mehr entfalten – und wohl auch die private Situation
       eines Autors, der mit Kind und Kegel, als Künstler und Kurator, als Autor
       und Berater dem geregelten Leben viel abgewinnen kann.
       
       Das Schillern seines Lebens findet sich auch in seinen zwischen Literatur,
       Kritik, Theorie und Alltagsgebrabbel changierenden Schriften. Und beides
       brachte ihm den Ruf des Dandys ein. Über diese Figur schrieb er einmal, sie
       hätte „andere Fragen, Zeit und Genossen sind für sie zweitrangige Größen“.
       Ein Einsamer ist Dany dennoch. Er ist, fast immer dabei. Nur gehört er
       nirgends dazu. Sich immer entziehen, Zuordnungen trotzen, dem Zugriff
       entwischen, in dieser wichtigsten aller Disziplinen ist Dany unerreichbar.
       MAP
       
       1 Sep 2010
       
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