# taz.de -- Gesperrte Golfplätze: Fantasierte Schläge
       
       > Golf ist das perfekte Spiel für die Corona-Tage. Leider ist es ein Sport
       > und deshalb sind die Anlagen geschlossen. Was bleibt, ist die Hoffnung.
       
 (IMG) Bild: Golfpause – von Jason Day wird es so schnell keine solchen Bilder mehr geben
       
       „Beim Golf zuschauen ist Spaß. Golf spielen ist Erholung. Daran zu arbeiten
       ist Golf.“ (Bob Hope, Entertainer)
       
       Und wenn, wie zurzeit, kein Golf ist, ohne absehbare Hoffnung auf Änderung,
       Mr. Hope? Gerade sollte es wieder losgehen mit den großen Turnieren, den
       Majors. Über das Osterwochenende wollte sich die Schwungelite in Augusta,
       Georgia, bei den 84. [1][Masters] die Ehre geben. Seit Wochen waren die
       [2][Greenkeeper] mit Nagelscheren auf der Jagd nach schief wachsenden
       Grashalmen und mit sanften Walzen gegen Boden-Eruptionen von Regenwürmern.
       Dann kam Corona, und auch im Golf ruht alles.
       
       Nicht nur bei den Profis. Wir Hobbyspieler hier im Dreiländereck bei Aachen
       haben vor zwei Wochen ein dramatisches Hase-und-Igel-Rennen erlebt. Endlich
       Sonne nach vier Wochen Dauerregen, die Schläger litten schon an Einsamkeit
       und Rostbefallgefahr. Dann der Schreck aus dem Nichts: Belgien nebenan, wo
       mein Club liegt und meine Ausrüstung im Spind wartet, schließt wegen Corona
       alle Sportanlagen. Gilt auch für Golfplätze, denn unser Spiel ist ja Sport.
       
       Ach, hätten doch die LeugnerInnen recht! Denen müssen wir immer von den
       1.500 weggeschwitzten Kilokalorien pro Runde bei 14.000 Schritten erzählen.
       Und vom Wettkampfthrill.
       
       Die Lösung: Schläger eilig über die Grenze holen, bevor die womöglich
       geschlossen wird. Denn hier hatten Anfang vergangener Woche die Plätze noch
       auf; weil aber die Infrastruktur schon heruntergefahren war, nicht mehr für
       GastspielerInnen. Kaum will man um Ausnahmen betteln, kam der Shutdown auch
       hier. Alles dicht.
       
       ## Frankophile Schnösel
       
       Rettung in Holland? Der Golfclub Voerendaal nebenan, entdeckt einer von uns
       abends, hat keinen Hinweis auf der Website. Da rufen wir morgen früh aber
       mal an! Am nächsten Morgen war alles zu. Auch in den Niederlanden waren vor
       zehn Tagen Sportanlagen amtlicherseits geschlossen worden, einzelne Clubs
       hatten sich nicht angesprochen gefühlt. Die rügte dann der Verband,
       appellierte an die Solidarität: untereinander und gegenüber anderen
       Sportarten.
       
       Ja, das Vergleichsdilemma: Offene Golfplätze hier, gleichzeitig
       geschlossene Fußballplätze und Schwimmhallen dort, das hätte heftig Jammer,
       Neid und Klage ausgelöst. Motto: Typisch, die reichen Schnösel können
       machen, was sie wollen, während wir bewegungsgebremst darben. Nur, warum
       ist eigentlich der kleine Boule-Platz neben dem großen Kinderspielplatz
       gegenüber vom Ordnungsamt nicht abgeflattert worden? Und tatsächlich, schon
       kommen zwei. Diese frankophilen Schnösel!
       
       Außer Solojoggen ist kein Sport so coronakompatibel wie Golf. Man ist an
       der frischen Luft, social distancing gelingt mühelos und man berührt nichts
       Fremdes, also ist selbst theoretische Kontaktinfektion über Gegenstände
       quasi ausgeschlossen. Golf ist nichts anderes als Spazierengehen mit einer
       Tasche auf dem Rücken und ab und an einem Eisenknüppel in der Hand. Und
       Golfplätze sind Wanderwiesen, nur eben mit ein paar Fahnenstangen
       zwischendurch.
       
       Letzte Idee: Golf statt im gesperrten Clubgelände auf der brachen Wiese des
       Bauern nebenan. Klassisches Crossgolf also. Wie das wohl wirkt, ob wir
       dürften? Wir lassen es bei der Idee. Stattdessen gehen wir jetzt ohne
       Ausrüstung spaziergolfen und fantasieren uns die Schläge dazu. Nie gab es
       so erfolgreiche Runden.
       
       Aus dem Abc der Vorurteile – heute F wie Four: Schreien Leute angeblich auf
       Golfplätzen. Wahr ist: Sie rufen möglichst laut FORE. Klingt gleich und
       meint: Ball auf Abwegen, Vorsicht, Gefahr, schnell ducken, Hände über den
       Kopf. FORE bedeutet: Flying Object Reaching Earth. Nur, derzeit sind halt
       andere unsichtbare Flugobjekte unterwegs. Manche ihrer Skizzen kommen einem
       Golfer wie gemeine Karikaturen seiner Bälle vor. Schreien wir dem
       herumschwebenden Virus HOAP entgegen: Hovering Objects Attacking People.
       
       Es klingt im Englischen wie Hope.
       
       29 Mar 2020
       
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