# taz.de -- Freundschaftsdienste an der Hunte
       
       > Der Oldenburger Hunte-Report musste auf Geheiß des Kartellamtes aus dem
       > Medienimperium der Nord-West-Zeitung verkauft werden. Jetzt erscheint er
       > in einer Stiftung, deren Arbeit kaum nach außen dringt. Und die Gewinne
       > sind mager
       
       VON FELIX ZIMMERMANN
       
       Der Hunte-Report ist für gewöhnlich keine Zeitung, die weit über die
       Stadtgrenzen Oldenburgs hinaus beachtet wird. Ein Anzeigenblättchen, dass
       mittwochs und sonntags kostenlos verteilt wird, immerhin in einer Auflage
       von 144.000 Exemplaren in Oldenburg und dem angrenzenden Landkreis
       Ammerland. Wenig Redaktionelles versteckt sich da zwischen viel Werbung,
       kein Blatt von Relevanz.
       
       Einmal aber erhielt der Hunte-Report doch Aufmerksamkeit, sogar weit weg
       von Oldenburg. Das Bundeskartellamt hatte ihn ins Visier genommen, denn der
       Hunte-Report gehörte zur großen NWZ-Mediengruppe, die vor allem die
       Nordwest-Zeitung als größte Tageszeitung der Region herausgibt. Das
       Kartellamt durchleuchtete die Mediengruppe im Sommer 2006 und fand eine
       Vielzahl illegal erworbener Beteiligungen. Die mussten auf sein Geheiß hin
       entflochten werden (siehe Kasten).
       
       Auch der Hunte-Report war davon betroffen. Anstatt ihn aber wie andere
       Beteiligungen zu verkaufen, dachten sich Reinhold Köser und Stephan Graf
       von Bothmer – Enkel und Urenkel des NWZ-Gründers Fritz Bock – eine
       besondere Konstruktion für das Blatt aus: Sie gründeten die Pressestiftung
       Weser-Ems, die seit Juni 2008 alleinige Gesellschafterin der Promotion
       Verlagsgesellschaft ist, in der der Hunte-Report erscheint. Als
       Stiftungszweck wählten sie „die Förderung des Denkmalschutzes und der
       Denkmalpflege sowie der Volksbildung“. Damit scheint der Hunte-Report
       unabhängig von der NWZ zu sein. Das Kartellamt akzeptierte das Modell,
       nicht ohne zu prüfen, ob die NWZ-Besitzer Köser und von Bothmer Einfluss
       auf die Stiftung haben.
       
       Offensichtlich haben sie den nicht, denn die beiden schieden mit der
       Gründung aus der Stiftung aus. Den Stiftungsvorstand aber dienten sie einem
       Kreis ehrenwerter Herren an, die sie allesamt gut kennen: Der
       Stiftungsvorsitzende Franz Thole, Vorstandsvorsitzender der Öffentlichen
       Versicherungen Oldenburg, sitzt mit Reinhard Köser im selben Rotary-Club.
       Zur Stiftung selbst und seiner Verbindung zu Köser will sich Thole trotz
       mehrfacher Nachfrage nicht äußern. Stellvertretender Vorsitzender der
       Pressestiftung ist der EDV-Fachmann Ulrich Suwe, der wie Stephan Graf von
       Bothmer in Bad Zwischenahn wohnt. Die beiden kennen sich aus dem dortigen
       Fischereiverein: Suwe war zwölf Jahre dessen Geschäftsführer, von Bothmer
       ist der 1. Sportwart. Wohl klar, wer Suwe gefragt hat, ob er nicht in den
       Vorstand der Pressestiftung möchte. Suwe aber schiebt Erinnerungslücken
       vor. Er sagt: „Ich bin in irgendeiner Form dazu gekommen, wurde angerufen.“
       Und auf Nachfrage, wer ihn angerufen habe: „Ist doch scheißegal.“
       
       Schließlich gehört auch Dieter Boll zum Vorstand. Der war bis zu deren
       Abschaffung 2004 Vizepräsident der Bezirksregierung Weser-Ems. Er sagt, er
       kenne Reinhard Köser „so, wie man sich in Oldenburg halt kennt“. Boll
       verschweigt dabei, dass er mit Köser im Vorstand der vom NWZ-Verleger
       gegründeten Stiftung Kulturschatz Bauernhof sitzt. Man kümmert sich
       vornehmlich um alte Bauernhäuser.
       
       Merkwürdig, wie diskret diese Stiftung agiert. Es gibt keine
       Öffentlichkeitsarbeit, über Projekte, die unterstützt werden sollen,
       erfährt man nichts, und dann die Geheimniskrämerei des Vorstandes: Der
       Vorsitzende, Franz Thole, schweigt, Suwe und Boll tun so, als würden sie
       Köser und von Bothmer nur entfernt kennen. Dabei war die Zeitung immerhin
       Teil des verzweigten Medienimperiums, nährte also die Eigentümerfamilien,
       wenn das auch gezielt verschleiert wurde. So ein Objekt vertraut man nicht
       jedem an.
       
       Obwohl: So gut scheint es gerade nicht zu laufen, denn „im Moment werden
       keine großen Gewinne erzielt, das belastet den Vorstand sehr“, hat
       Mitvorstand Ulrich Suwe noch gesagt. Wirft der Hunte-Report etwa kaum etwas
       ab? Dazu sagt dessen Geschäftsführer Andreas Lausch: „Ich werde jetzt hier
       nicht meine Zahlen ausbreiten.“ Wohl Böswillig zu vermuten, dass eventuelle
       Gewinne des Hunte-Reports auch dadurch abgeschöpft werden könnten, dass die
       Zeitung in der NWZ-eigenen Druckerei gedruckt und vom NWZ-Zustelldienst VDS
       verteilt wird. Einfach die Kosten für Herstellung und Vertrieb des
       Hunte-Report erhöhen – dann kann nichts für den guten Zweck getan werden.
       Aber das Geld bleibt im Hause NWZ.
       
       Sollte der Hunte-Report wider Erwarten doch Gewinn erwirtschaften, ist da
       aber auch noch eine alte Windmühle, die den von Bothmers gehören soll. Eine
       ehemalige NWZ-Mitarbeiterin war zugegen, als im holzgetäfelten
       Veranstaltungssaal des Verlagshauses ein Fest gefeiert wurde. Man plauderte
       an Stehtischen, erwähnte auch die Pressestiftung und konkretisierte ganz
       nebenbei deren Zweck: Die Erlöse könnten der von Bothmerschen Mühle zugute
       kommen. Das wäre ein gutes Werk im Sinne des Denkmalschutzes – und böte
       noch einen ganz klaren Vorteil: Die Stiftungsgründer wüssten, dass das Geld
       gut investiert ist.
       
       20 Sep 2008
       
       ## AUTOREN
       
 (DIR) FELIX ZIMMERMANN
       
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