# taz.de -- zypern: EU muss den Norden belohnen
       
       Ab 1. Mai hat die Europäische Union ein Problem mehr: Der Zypernkonflikt
       ist per Volksabstimmung zementiert worden – und Europa damit konfrontiert,
       dass völkerrechtlich ein Teil des EU-Territoriums von türkischen Truppen
       besetzt ist. Dass ausgerechnet die griechischen Zyprioten die Regelung des
       Konflikts verhindern würden, war in den Brüsseler Szenarien nicht
       vorgesehen.
       
       KOMMENTARVON KLAUS HILLENBRAND
       
       Dort hatte man vor allem auf Ankara geschaut: Entweder die Türkei blockiert
       eine Lösung, oder sie verabschiedet sich von ihrer dreißigjährigen
       Zypernblockade und löst damit ihre Eintrittskarte für Brüssel, so die
       europäischen Erwartungen. Ankara hat verstanden. Der Beginn von
       EU-Beitrittsverhandlungen ist jetzt so gut wie sicher. Nichts verstanden
       hat Nikosia, dessen Politiker sich in altbackenem Chauvinismus gefielen.
       
       Tatsächlich hat die Regierung des Inselstaats damit unter Beweis gestellt,
       dass man zwar einerseits gerne von den Segnungen Europas profitiert,
       andererseits aber nicht bereit ist, sich den Mechanismen der
       Konfliktregelung ebendieser Union und der Vereinten Nationen zu
       unterwerfen. Dass die Zyperngriechen für dieses Verhalten noch mit der
       EU-Mitgliedschaft belohnt werden, während die verarmten Zyperntürken
       draußen bleiben, mag als Hohn verstanden werden. Dieses Procedere ist aber
       auch Folge der türkischen Haltung vergangener Jahre: Noch im letzten Jahr
       sollten EU-Mitgliedschaft und Zypern-Einigung bei einer Volksabstimmung
       miteinander verknüpft werden. Das Ergebnis hätte anders ausgesehen. Doch
       damals verhinderte Ankara die Referenden.
       
       Für die Verweigerung der Griechen wird es keine direkte Strafe der EU
       geben. Der Inselstaat wird als Paria isoliert und eine ähnliche Beliebtheit
       erlangen wie einst Österreich mit seinem Haider-Problem. Und: Es gibt
       derzeit Dringenderes als eine Lösung des Zypernkonflikts, mit dem sich
       Europa noch mindestens zehn Jahre lang Zeit lassen kann – bis zur
       Vollmitgliedschaft der Türkei.
       
       Jetzt muss den türkischen Zyprioten schnell geholfen werden, denn sie haben
       für ihre Friedensbereitschaft eine Belohnung verdient. Das internationale
       wirtschaftliche Embargo, einst zur Isolierung Nordzyperns verhängt, sollte
       so schnell wie möglich aufgehoben werden. Ein Signal muss deutlich werden:
       Europa lässt sich nicht von zyperngriechischen Nationalisten seine Politik
       für Frieden und Prosperität aufzwingen.
       
       26 Apr 2004
       
       ## AUTOREN
       
 (DIR) KLAUS HILLENBRAND
       
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