# taz.de -- Die Sängerin Ari Up ist tot: Prototypische Nervensäge
> Die Sängerin Ari Up ist 48-jährig gestorben. Mit der Girl-Band The Slits
> überführte sie Ende der Siebziger Jahre Punk in Reggae.
(IMG) Bild: Ari Up bei einem Konzert im Jahr 2008.
"Mein Name Ariane, ich glaub' an keine Fahne, I am a Reggae Gypsy, can make
you feel so tipsy." Das reicht fast für einen Nachruf, was Ari Up da singt
auf dem späten Comeback-Album der Slits. Die Schlitze. Schicker Name für
eine Band von drei jungen Frauen 1978.
Ihr Name war Ariane, denn sie kam in München zur Welt als Tochter von Nora
Forster, die schon mit Jimi Hendrix befreundet war und heute mit John Lydon
verheiratet ist. Mit Ari Up ist also die Schwiegertochter der obersten
Sex-Pistole gestorben, mit 48.
An keine Fahne glauben, das versteht sich von selbst im London der Punky
Reggae Party 77. Die junge Ari mittendrin, Punk und Reggae, die Begegnung
ihres Lebens. Ab sofort trägt sie Dreadlocks, noch 2005 nennt sie ihr
Solo-Album "More Dread Than Dead". Als Reggae Gypsy kann sie einen tipsy
machen, mit ihrem Germaican English, dem Kieksen, Kreischen und Krakeelen.
Das Konzept Auf-die-Nerven-Gehen funktioniert bei den Slits so
bilderbuchmäßig, dass sie bis heute der Prototyp der produktiven
Nervensägen-Girl-Band sind. Doch, Girl-, nicht Frauen-Band. "Typical Girls"
ist der Hit auf "Cut", ihrem Debüt von 79. Zu nervösem Postpunk-Geklöppel
zählen sie typische Verhaltensweisen von Typical Girls auf: Sie regen sich
schnell auf, können sich nicht kontrollieren, nicht klar denken, sind
unberechenbar, sorgen sich um Pickel, Fett und Gerüche? Typical Girls
können nerven, aber so sind sie.
Oder ist das nur ein Marketing-Trick? Das ist der Trick. Die Slits weisen
Mädchen-Stereotype nicht einfach von sich, wie es die aufgeklärten
Songwriterinnen vor ihnen getan haben. Die Slits reflektieren den
Warencharakter des Typical Girls mit, Warenfetisch inklusive. Ja, wir sind
Girls, die sich nicht entscheiden können, welche Klamotten wir tragen, aber
sehr wohl, wie wir unser Leben führen.
Auf dem Cover von "Cut" tragen die Slits Lendenschurz und braunen Schlamm
auf nackter Haut. Die Geburt des Punky Reggae Girlism, der
popistisch-nervenden Tochter des popästhetisch erschöpften Feminismus der
Mütter-Generation. Mehr als zehn Jahre später sollten US-amerikanische
Typical Girls dem Girlism der Slits das Wort Riot voranstellen.
22 Oct 2010
## AUTOREN
(DIR) Klaus Walter
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