# taz.de -- Die "Rheinische Post" online: Klick-Prostitution im Netz
       
       > Qualität und Online-Journalismus - das geht nicht immer zusammen.
       > Schockierend ist der Internetauftritt der "Rheinischen Post". In Weblogs
       > wird sie heftig kritisert.
       
 (IMG) Bild: Flexibel sollte man sein, wenn mehr Klicks generiert werden müssen.
       
       Zwölf Redakteure bestücken in Düsseldorf den größten Onlineableger einer
       deutschen Regionalzeitung; gemeinsam mit einem guten Dutzend freier
       Mitarbeiter entscheiden sie, was die Surfer auf [1][rp-online.de] lesen.
       Zwölf Onlineredakteure. Damit sollte die Rheinische Post (RP) gut
       aufgestellt sein. Besser jedenfalls als andere, auch überregionale Blätter,
       die deutlich weniger Personal für ihre Onlinepräsenzen abstellen und sich
       vor allem darauf beschränken, die Inhalte der Printausgaben ins Netz
       umzuheben und Agenturmeldungen zu kopieren.
       
       Wer aber nun glaubt, mit einer größeren Mannstärke könnte ein breiter
       aufgestelltes, ebenso fundiertes Angebot gestemmt werden, wird oft
       enttäuscht. RP Online wirkt nicht selten vor allem eins: schockierend. Und
       so ziehen qualitätsbewusste Vertreter der Internetgemeinde über das her,
       was RP Online laut der Arbeitsgemeinschaft Online-Forschung zuletzt pro
       Monat etwa 1,3 Millionen einzelnen Lesern bot. Oder: womit sich diese 1,3
       Millionen so genannten Unique Visitors zufrieden gaben.
       
       Unter Überschriften wie "PR Online" oder "Doof wie RP Online" firmieren
       Beispiele wie dieses: Ein Artikel - nicht als Reklame gekennzeichnet - warb
       für das neue Flaschendesign eines großen Bierbrauers. Der Text wurde nicht
       nur plump mit Passagen aus der Pressemitteilung der Brauerei gefüllt
       ("stilvolles und modernes Design"), sondern auch noch mit einer kleinen
       Fotoklickstrecke aufgemotzt.
       
       Vor allem der [2][Blogger Lukas Heinser] und der [3][Medienjournalist
       Stefan Niggemeier] listen die vielen Fehler von RP Online auf, etwa jene
       sechs Texte zu einer einzigen Folge von "Wetten, dass …?", die am besten zu
       verstehen seien, so Niggemeier, "wenn man sie sich in der schnörkeligen
       Handschrift einer Elfjährigen vorstellt: fröhlich gedankenlos
       hingeschrieben, staunend, plappernd und voller Flüchtigkeits- und
       Rechtschreibfehler".
       
       Denn oft mangelt es den Machern von RP Online an sprachlicher Seriosität.
       Eine Suche auf dem Portal führte zu etlichen Treffern, wo sich bei den
       Redakteuren statt "endgültig" die Schreibweise "entgültig" eingebürgert
       hatte; was zeigt, dass sich der Verlag die Rechtschreibkorrektur fürs Web
       spart. Womit wir beim Kern des Problems wären, nämlich ob Journalismus im
       Internet Journalismus mit möglichst geringen Mitteln ist. Und zwar nicht
       bloß bei der RP. Auch bei anderen Angeboten im Web, die aber seltener
       erwähnt werden. In den Blogs bekommt vor allem die RP auf die Mütze.
       
       In der Redaktion finden sie das gar nicht lustig. RP-Online-Chefredakteur
       Rainer Kurlemann bedauert, Heinser und Niggemeier würden sich "an einigen,
       wenigen Fällen" abarbeiten, die "Leistungen" aber nicht würdigen. Etwa die
       Berichterstattung zur US-Wahl, bei der RP Online im Gegensatz zu vielen
       Mitbewerbern auch nachts aktuell berichtete. Oder der Absturz des Jets in
       Madrid im Sommer 2008, wo man sich bei einem spanischen Radiosender bedient
       habe, um Mehrwert zu bieten.
       
       Kurlemann verteidigt die Mängel. Er sagt: "Es gehört nun mal zum
       Internetjournalismus, dass Qualitätskontrolle schwieriger ist als in
       Zeitungen." Man arbeite "eben viel schneller" und könne Texte "nicht
       stundenlang bis zu einem späten Redaktionsschluss" prüfen. Den
       Bierflaschenfall bedauert der Onlinechef einerseits ausdrücklich;
       andererseits will er sich nicht für alles die Verantwortung zuschieben
       lassen: "Letztlich müssen wir dahin kommen, dass die Qualitätssicherung
       beim Autor beginnt - viel mehr, als das bei Zeitungen üblich ist." Das
       Internet verlange Journalisten "eben eine stärkere Eigenverantwortung ab".
       
       Zu diesem publizistischen Verständnis passt, dass Kurlemann neue
       Mitarbeiter nicht in die Verbesserung der Qualität seines Angebots
       investieren will. "Ganz ehrlich", sagt er, "wenn ich morgen drei
       zusätzliche Mitarbeiter genehmigt bekäme, setze ich die nicht
       ausschließlich für Qualitätskontrolle ein, sondern für die Verbreiterung
       und Verbesserung unseres Angebots." Immerhin müsse er auch "die
       wirtschaftlichen Notwendigkeiten sehen", sprich: Nachrichtenseiten im Netz
       werfen noch immer kaum Geld ab. Klicks genießen also im Zweifel eine höhere
       Priorität als journalistische Standards. Für den Fall, dass sich daran noch
       jemand stört und vielleicht eine Art "Bildblog" für die RP gründen will,
       haben sie in Düsseldorf vorgesorgt: Adressen wie rp-blog.de und
       rponline-blog.de hat sich die RP Online GmbH schon mal gesichert.
       
       6 Feb 2009
       
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