# taz.de -- „Die Mannschaft ist wichtiger als individuelle Titel“
> Women*Team (I): Sportlerinnen bekommen weniger öffentliche Aufmerksamkeit
> und Geld für ihre Leistungen als Männer. Hier kommen sie zu Wort. Die
> dreimalige Deutsche Meisterin Ewa Pajor ist eine der erfolgreichsten
> Fußballerinnen Deutschlands. Ihren Vertrag beim VfL Wolfsburg hat sie
> frühzeitig verlängert
Interview Alina Götz
taz: Frau Pajor, Sie haben in der vergangenen Bundesligasaison zwei Tore
mehr geschossen als der Rekordspieler Robert Lewandowski. Wie hat sich das
angefühlt?
Ewa Pajor: Das war eine schöne Zeit. Aber für mich ist immer die Mannschaft
wichtiger als individuelle Titel.
Sie haben Ihren Vertrag bei Wolfsburg vorzeitig bis 2023 verlängert. Warum
wollen Sie in Wolfsburg bleiben?
Ich fühle mich hier wohl, hier bin ich glücklich. Als der Verein mir gesagt
hat, dass sie noch ein Jahr länger mit mir arbeiten möchten, habe ich
sofort Ja gesagt. Wolfsburg ist eine der besten Mannschaften, hier kann ich
mich weiterentwickeln. Ich weiß, dass wir jedes Jahr um die höchsten Ziele
spielen und das ist super.
Sind Sie froh darüber, bei einem Verein zu spielen, der mehr Gehalt zahlt,
als andere Bundesligaclubs es können?
Na klar, das macht mich zufrieden. Als ich noch in Konin gespielt habe, war
es immer mein Traum, in der Bundesliga zu spielen. Das ist meine Arbeit,
aber auch meine Liebe. Ich spiele mit Leidenschaft – dass ich dafür auch
noch Geld bekomme, ist das Beste, was mir passieren konnte.
Haben Sie ein persönliches sportliches Ziel, was Sie noch verfolgen? Andere
Top-Clubs würden Sie bestimmt auch unter Vertrag nehmen.
Darüber denke ich nicht nach. Jetzt bin ich in Wolfsburg, hier kann ich
noch viele Jahre spielen. Mit dieser Top-Mannschaft möchte ich noch viele
Titel gewinnen.
Die Champions League haben Sie mit Wolfsburg aber noch nicht gewinnen
können. Da dominiert Lyon momentan.
Um Lyon schlagen zu können, müssen wir weiter hart an uns arbeiten. Wir
haben eine super Mannschaft, mit der wir auch die Champions League gewinnen
können. Aber wir wollen auch immer Meister- und Pokalsieger werden. Die
drei Wettbewerbe zu gewinnen, ist das Ziel in jeder Saison.
Die vielen Titel, die Sie in den letzten Jahren gewonnen haben, sprechen
dafür, dass eine größere Leistungsdichte wünschenswert wäre. Müssten dafür
auch andere große Vereine wie Schalke oder Dortmund mehr in den
Frauenfußball investieren?
Die Frage kann ich nicht beantworten. Als Spielerin konzentriere ich mich
auf meine Aufgabe. Aus meiner Sicht ist die Bundesliga stark und attraktiv.
Wünschen Sie sich mehr Aufmerksamkeit? Dass das geht, hat – als der
Spielbetrieb noch lief – zuletzt die englische Liga bewiesen.
Klar, wir wollen immer mehr Zuschauer haben. Ich hoffe, dass das kommt.
Wie ist der Frauenfußball in Polen aufgestellt?
Das Level in Polen ist natürlich niedriger. Das ist schon eine andere
Nummer als hier in Deutschland. Aber da entwickelt sich alles gut, immer
mehr Mädchen wollen Fußball spielen.
Sind Sie für diese Mädchen ein Idol?
Ja, ich bin schon ein Vorbild. Darüber freue ich mich.
In ihrem Ex-Club Konin in Polen waren Sie die jüngste Spielerin und jüngste
Torschützin der Liga.
Das war schwer. Ich war 15 Jahre alt und die anderen 30 oder älter. Aber
wenn ich jetzt an die Zeit zurück denke, war sie sehr schön. Dass ich so
jung in der besten polnischen Liga für die beste Mannschaft spielen konnte,
ist unglaublich.
Was bedeutet die Coronakrise für Ihr Team?
Das ist für alle schwer. Eine völlig neue Situation, diese Pause mitten in
der Saison. Wir machen nun alles, um fit zu bleiben, denn wenn die Liga
wieder startet, müssen wir vorbereitet sein.
Die Liga hat sich nun für eine Fortführung der Saison ausgesprochen. Was
halten Sie davon? Würde jetzt ein Meister gekürt werden, wäre dieser
schließlich der VfL.
Das ist eine schwere Frage. Gesundheit ist am wichtigsten. Klar ist aber
auch, dass wir weiterspielen wollen. Ohne Zuschauer zu spielen, wäre meiner
Meinung nach auch eine Lösung.
4 May 2020
## AUTOREN
(DIR) Alina Götz
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