# taz.de -- Die Azteken
       
       Nahuatl heißt die Sprachgruppe, zu der die Azteken und andere indianische
       Stämme wie die Apachen oder Komantschen gehören. Bereits im 13. Jahrhundert
       waren die Azteken in das Hochbecken von Mexiko eingewandert. Zur Zeit von
       Cortés, der 1519 in Südamerika landete, reichte das Herrschaftsgebiet
       dieser Indianer von der Pazifikküste bis zur Atlantikküste des Golfs von
       Mexiko. Durch künstliche Bewässerung hatten sie die kargen Hochlandböden
       fruchtbar gemacht. Das bedeutende Handels- und Tributimperium war das erste
       Reich, das von den Spaniern erobert wurde.
       
       In der streng hierarchischen aztekischen Gesellschaft hatten die höchste
       Macht König und Oberpriester. Es gab Adlige, das gemeinfreie Volk und eine
       Art von Hörigen. Das tägliche Leben war von einem religiösen Grundsystem
       bestimmt. Nach dem Verständnis der Azteken existierte eine kosmische
       Ordnung, der selbst die Götter unterworfen waren. In ihrer Vorstellung gab
       es verschiedene Opfer und Selbstopfer der Götter, aus denen sie die
       Notwendigkeit von Menschenopfern ableiteten. Diese sollten den Bestand der
       Menschheit sichern.
       
       Frauen wurde in der Religion eine besondere Bedeutung beigemessen. Sie
       spielten in allen Zeremonien und Tänzen eine aktive und gleichwertige
       Rolle.
       
       Die Hauptstadt der Azteken, Tenochtitlán, auf der die heutige Stadt Mexiko
       erbaut ist, zählte damals mehr als 150.000 Einwohner – eine in Amerika bis
       dahin noch nie erreichte Größe. In der größten Metropole der Welt sind
       heute kaum noch Spuren der Azteken auszumachen. Ihre Hochkultur wurde von
       den spanischen Kolonisatoren vernichtet, ging unter durch Zerstörung,
       Völkermord und Seuchen.
       
       Der mexikanische Staat unterdrückt nach wie vor die kulturelle Identität
       indianischer Gruppen. In den Schulen wird die eigene Geschichte nicht
       vermittelt. Keine indianische Sprache ist offiziell anerkannt, indianische
       Medien gibt es nicht. Dabei sprachen 1980 laut einer Volkszählung 1,4
       Millionen Menschen Nahuatl als erste Sprache. Doch bisher sind es nur
       einzelne Gruppen, die sich um die Wiederbelebung alter Traditionen bemühen.
       In der Kultur der Azteken spielt die Natur eine wichtige Rolle, mit der sie
       eine harmonische Einheit anstrebten.
       
       22 Aug 1998
       
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