# taz.de -- Deutsch-britisches Krimi-Experiment: Soko Leipzig in London
       
       > Das ZDF und der britische Privatsender ITV haben kooperiert und zwei
       > Folgen aus einmal gedrehten Bildern gemacht. Die deutsche Version ist am
       > Freitag im Fernsehen zu sehen.
       
 (IMG) Bild: Im letzten Moment können Patrick Grimm (Tyron Ricketts, l.) und sein Londoner Kollege Detective Constable Mickey Webb (Chris Simmons, r.) verhindern, dass Karl Wegner (Max Herbrechter, m.) das Geld übergibt.
       
       Normalerweise muss man über die ZDF-Serie "Soko Leipzig" keine großen Worte
       verlieren. Sie dümpelt ganz passabel im Mittelfeld des deutschen TV-Krimis.
       Am Freitagabend lässt sich nun aber zumindest die Hälfte eines Experiments
       betrachten, das dass ZDF und der britische Privatsender ITV angezettelt
       haben: "Soko Leipzig" ist auch eine Folge der populären britischen
       Ermittler-Reihe "The Bill". Ein Kidnapping führt von Leipzig nach London
       und dann wieder zurück nach Sachsen, Soko-Chef Hajo Trautzschke (Andreas
       Schmidt-Schaller) ermittelt gemeinsam mit Detective Chief Inspector Jack
       Meadows (Simon Rouse).
       
       Die Story ist dabei eher mal deutsch: In London ist eine deutsche
       Musikstudentin verschwunden, und da es in hiesigen Krimiserien ja fast
       nirgendwo mehr ohne persönliche Beziehung der Ermittler zum Fall geht, ist
       die junge Dame natürlich Trautzschkes Patenkind. Also ermittelt der
       fröhlich in London, wo er DCI Meadows erstmal kräftig auf den Sack geht,
       dann kommen noch ein paar fiese Ex-Stasi-Agenten dazu und am Ende wird
       natürlich alles wieder gut und die Briten haben sogar ein bischen von
       Leipzig gesehen.
       
       Interessant wird das ganze aber erst, wenn man die ZDF-Version mit der
       ITV-Folge vergleicht: Die britische Version ist wesentlich rasanter
       geschnitten und verzichtet auf den leicht debilen Touch deutscher
       Durchschnittsdrehbücher, alles, was passiert, auch nochmal auszusprechen:
       In "The Bill" werden Tatort-Fotos einfach am Computerbildschirm
       vergrössert, während im ZDF der Onkel Kommissar noch ein "Ich vergrößere
       das jetzt mal" einschiebt, falls der Zuschauer gerade Augenpflege betreibt.
       
       Das es sich bei der Entführten um Trautschkes Patentochter handelt, wird in
       "The Bill" de facto ausgeblendet und nur in einer Szene mit dem Satz
       quittiert, eigentlich dürfte so jemand gar nicht die Ermittlungen leiten,
       er sei zu dicht dran, "too close to the case". Recht haben die Briten.
       Allerdings sprechen Andreas Schmidt-Schaller als Trautzschke und Melanie
       Marschke als Ina Zimmermann ganz passables Schulenglisch - was in der
       ZDF-Version ganz lustig wirkt, weil sich die beiden hier selbst auf deutsch
       synchronisert haben, die Mundbewegungen aber eben englisch sind.
       
       Hübsch ist auch der Unterschied, was in Britannien und hierzulande jeweils
       als cooler Cop gilt: In London ist der verdeckte Ermittler Terry (Bruce
       Byron) ein Schrank mit rasiertem Schädel, der vom Typ her in Deutschland
       maximal als Türsteher gecastet würde. Sein deutsches Gegenüber Jan (Marco
       Girnth) spielt eher im unteren Drittel der Til-Schweiger-Liga.
       
       Zwischendrin gibt es noch ein bisschen nettes Gefrozzel über die
       Humorlosigkeit der Deutschen und verzweifelte Blicke der Briten, weil der
       Himmel über Leipzig anders als der Londoner nicht voller
       Überwachungskameras hängt. Und die Verabschiedungsszene in Leipzig bringt
       nochmal auf den Punkt, warum britische Krimis einfach besser sind: Während
       sich Trautzschke abmüht, dem Ganzen einen emotionalen Touch zu geben,
       bemerkt DCI Meadows nur ganz trocken: "I don't know how we handle the
       paperwork on this case".
       
       Aber davon sieht der deutsche Zuschauer ja leider nix, denn in der
       ZDF-Version fällt der Satz Trautzschkes lyrischem Schwall zum Opfer. Aber
       demnächst kommt ja der runderneuerte ZDF-Dokukanal unter dem Namen Neo. Und
       da soll's dann britische und amerikanische Serienkost satt geben.
       
       "Soko Leipzig", Fr., 4.9.2009, 21.15 Uhr, ZDF
       
       4 Sep 2009
       
       ## AUTOREN
       
 (DIR) Steffen Grimberg
       
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