# taz.de -- Der stolze Bomber von Hiroschima
Als Junge hat er zu Werbezwecken aus einem Flugzeug Bonbons über einem
Jahrmarkt in Florida abgeworfen. Das weckte in ihm die Leidenschaft fürs
Fliegen. Als 30-jähriger Pilot des US-Army Air Corps im Zweiten Weltkrieg
warf Paul Tibbets am 6. August 1945 über dem japanischen Hiroschima die
erste Atombombe ab. 140.000 Menschen starben bis Ende 1945, zehntausende
weitere litten jahrelang an Spätfolgen.
Tibbets hat seine maßgebliche Rolle beim Atombombenabwurf nie bereut. Er
sei nicht stolz darauf, dass er so viele Menschen getötet hat. Aber er sei
stolz, dass es so perfekt funktioniert habe. „Ja, ich würde es wieder tun“,
sagte er. „Ich hatte deswegen keine schlaflose Nacht.“
Wie die offizielle US-Geschichtsschreibung meinte auch Tibbets, dass durch
die als militärisch unnötig kritisierten Atombombenabwürfe auf Hiroschima
und Nagasaki eine für beide Seiten verlustreichere US-Invasion Japans
verhindert und der Krieg so schneller beendet werden konnte.
Oberst Tibbets war Kommandeur der 509th Composite Group, die zum Einsatz
der Atombomben gebildet worden war. Bevor er unter größter Geheimhaltung
seine Einheit trainierte, hatte der Pilot mit einem exzellenten Ruf bereits
an Lufteinsätzen gegen Nazideutschland teilgenommen. Tibbets wählte die
Flugzeuge vom Typ B-29 persönlich aus und ließ sie umrüsten, damit sie noch
höher steigen konnten. Den von ihm selbst gesteuerten Bomber benannte er
nach seiner Mutter: Enola Gay.
Präsident Harry S. Truman hatte den Befehl zum Abwurf der neuen Bombe, die
eine Warnung an Japaner und Sowjets zugleich war, bereits am Rande der
Potsdamer Konferenz der Alliierten gegeben. Unmittelbar nach der Explosion
der „Little Boy“ getauften Bombe wich Tibbets in einer scharfen Kurve der
radioaktiven Pilzwolke aus. „Die Stadt, die wir nur wenige Minuten vorher
so klar gesehen hatten, war nur noch ein hässlicher Schmutzfleck“, sagte
er. Als er Stunden später wieder auf der Marianen-Insel Tinian landete,
erhielt er bereits einen Orden. Später wurde Tibbets General. In den
60er-Jahren sollte er US-Militärattaché in Indien werden, doch verhinderten
dies dortige Proteste. Später führte er noch ein ziviles
Lufttaxi-Unternehmen.
Als zum 50. Jahrestag des Abwurfs in den USA eine offizielle Ausstellung
geplant wurde, die auch kritische Positionen darstellen sollte, setzte
Tibbets mit anderen eine glorifizierende Version durch. In Hiroschima wird
bedauert, dass er die Stadt nie besucht und sich nie entschuldigt hat. Am
Donnerstag starb er 92-jährig in Columbus, Ohio. Er bat darum, kein Grab zu
errichten, damit es kein Ort für Proteste wird. SVEN HANSEN
3 Nov 2007
## AUTOREN
(DIR) SVEN HANSEN
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