# taz.de -- China schließt Naumann-Stiftung
> ■ Weil sie in Bonn eine Tibet-Tagung veranstaltet, muß die FDP-nahe
> Stiftung ihre Arbeit in Peking einstellen
Peking/Berlin (dpa/taz) – Aus für die Friedrich-Naumann-Stiftung in Peking:
Aus Protest gegen die von der FDP-nahen Stiftung am Wochenende in Bonn
geplante Tibet-Konferenz hat die chinesische Führung gestern deren Büro in
Peking geschlossen. Außenminister Klaus Kinkel (FDP) ließ gestern daraufhin
den chinesischen Botschafter in Bonn ins Auswärtige Amt einbestellen, um
die Mißbilligung der Bundesregierung zum Ausdruck zu bringen. Kinkel
erklärte, die Reaktion Chinas auf die Tibet-Konferenz sei „unangemessen“
und beeinträchtige die guten Beziehungen der beiden Länder.
Der Sprecher des chinesischen Außenministeriums, Shen Guofang, hatte der
Stiftung vorgeworfen, „offen die Dalai- Lama-Clique bei ihren Aktivitäten
zu unterstützen, China zu spalten“. Der deutsche Botschafter in Peking,
Konrad Seitz, wurde ins Außenministerium einbestellt und über die
Entscheidung unterrichtet. Die Bundesregierung wurde aufgefordert,
„konkrete und wirksame Maßnahmen zu ergreifen“, bestimmte Leute in
Deutschland daran zu hindern, sich in Chinas innere Angelegenheiten
einzumischen. Seitens der Naumann-Stiftung hieß es gestern, das Pekinger
Büro sei offiziell nicht geschlossen worden. Es sei ihm aber jede
„politische Betätigung“ untersagt worden.
Shen Guofang hielt der Stiftung vor, sich trotz wiederholter Proteste gegen
die Tagung „taub gestellt“ zu haben. Vor diesem Hintergrund habe Peking
entschieden, „alle Aktivitäten seines Repräsentanten in China zu stoppen“.
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14 Jun 1996
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