# taz.de -- ■ Das Portrait: Brigitte Bardot
       
       Die Titel ihrer Filme umreißen und kommentieren ein ganzes, am 28.
       September 60 Jahre währendes Leben: „Von Sensationen gehetzt“, „Das
       Gänseblümchen wird entblättert“, „Mit den Waffen einer Frau“, „Paparazzi“,
       „Die Verachtung“. Am Anfang wurde die Sensation geschaffen, wofür die aus
       großbürgerlichen Verhältnisssen stammende und demgemäß erzogene Brigitte
       Bardot beste Voraussetzungen mitbrachte. Als Kind nahm sie Ballettstunden
       und verfolgte zielstebig ihre Karriere als Fotomodell. Sie war erst 15
       Jahre alt, als sie auf dem Titelbild von Elle erschien. In ihren ersten
       Filmen spielte sie kleinere Parts, mauserte sich jedoch, dank der sorgsamen
       Planung ihres Mentors und zeitweiligen Ehemannes Roger Vadim, binnen drei
       Jahren zum zugkräftigen Kassenmagneten. Vadim setzte auf ihr Kindfrau-
       Image, BB selbst brachte ihre körperlichen Vorzüge bewußt ins Spiel. Ihre
       Regisseure stellten sie aus: nur mit Handtüchern bekleidet, im
       konturierenden Gegenlicht hinter Duschvorhängen stehend, sehr bald auch
       völlig nackt. Eine eigenartige Dichotomie aus kalkulierter Vermarktung und
       ausgeprägtem Selbstbewußtsein führte dazu, daß sie einerseits auf den Sexus
       reduziert, verdinglicht und als animalisches Wesen beschrieben wurde – es
       hagelte förmlich Kosenamen wie „Sexkätzchen“ und ähnliche. Andererseits
       sahen Frauen wie Jeanne Moreau oder Simone de Beauvoir in BB ein Symbol der
       Befreiung. „Brigitte war die wirklich revolutionäre Verkörperung der
       modernen Frau“, schrieb die Moreau. Die offensive Zurschaustellung von
       Eigensinn 60 Kerzen für BBFoto: Reuter
       
       und Sinnlichkeit zeitigte freilich nicht nur Lobeshymnen, es gab
       persönliche Angriffe en masse und geifernde Tiraden wider Bardots
       angebliche Amoralität. Ihr turbulentes Privatleben hielt die Öffentlichkeit
       lange Zeit in Atem. 1973 zog sie sich aus der Showbranche zurück und nutzte
       fortan ihre Popularität für den Tierschutz. Noch immer schreckt sie vor
       keiner spektakulären Aktion zurück, wenn das Wohl von Elefanten, Robben
       oder Turteltauben auf dem Spiel steht. Ist ihr Engagement in dieser
       Hinsicht berechtigt, so muß angesichts ihrer Biographie kurios anmuten,
       wenn sie dem Bürgermeister ihres Wohnortes St. Tropez, in dem sie als
       Eigentümerin des einzigen Privatstrandes besondere Privilegien genießt, zum
       Vorwurf macht, daß „Schamlosigkeit, Geld und Homosexualität“ zu traurigen
       Symbolen des Dorfes geworden seien. Harald Keller
       
       24 Sep 1994
       
       ## AUTOREN
       
 (DIR) harald keller
       
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