# taz.de -- Ausstellungsempfehlung für Berlin: Distanz im Tiefenraum
> Tipp der Woche: Eindrückliche Landschafts-Photogramme von Marie Rief –
> erstmals auch in Farbe. Die taz sprach mit der Künstlerin.
(IMG) Bild: Marie Rief, „Throw 1“ (Ausschnitt), c-print, analogue unique, 110 x 127 cm, 2016
[1][Marie Rief] hat ihre neue Serie aus großformatigen Photogrammen, die in
ihrer Einzelausstellung „A Far Shot“ bei [2][Bourouina] zu sehen ist,
„throw“ getauft. Schleuderte man einen Gegenstand in Richtung des
Horizonts, der hier auf immer neue Weise abgebildet ist, er würde die
unendliche Weite, über die sich die Landschaft erstreckt, niemals
überqueren.
Doch es stellt sich kein Gefühl der Leere ein, sondern ein Eindruck
„offener Distanz“. Von Bild zu Bild schiebt sich der Horizont weiter dem
Himmel entgegen, ändern die Grautöne sich von kalt zu warm, blitzt ein
Streifen kupfern am Bildrand auf.
Auf der zweiten Bildebene zeichnen sich die Arbeiten durch die Spuren der
Verfahren aus, mit denen Rief ihre Photogramme anfertigt. Sie setzt keine
dreidimensionalen Objekte der Belichtung aus, sondern zweidimensionale
Schichten aus lichtdurchlässigen Papieren und Zeichnungen, die übereinander
geschichtet werden – oder wie hier, erstmals auch eine auf transparentes
Papier gedruckte Landschaftsfotografie.
Klebebänder und Magnete, die das Fotopapier in der Dunkelkammer fixieren,
bleiben sichtbar; unscharfe Elemente zeugen von Wölbungen im Material.
Gerade weil sie aus Fragmenten zusammengefügt sind, finden Riefs Bilder zu
ihrer eindrücklichen Präsenz und Tiefe.
## Einblick (654): Marie Rief, Künstlerin
taz: Welche Ausstellung in Berlin hat dich zuletzt an- oder auch aufgeregt?
Und warum?
Marie Rief: Aufregen ist für mich etwas zu viel gesagt … Aber mir sind die
Bunkerzeichnungen von Joachim Bandau letztens bei Thomas Fischer noch stark
im Gedächtnis, lange hatte ich keine Zeichnungen mehr gesehen, die
gleichzeitig brachial, direkt und anrührend wirken.
Ebenso eindringlich sind die Videoarbeiten von Omer Fast im Gropius-Bau.
Außerdem: „Surreale Sachlichkeit“ der Sammlung Scharf-Gerstenberg.
Welches Konzert oder welchen Klub in Berlin kannst du empfehlen?
Im Februar spielen im Roten Salon der Volksbühne „the pitch & Koenraad
Ecker“. Es sind dunkle melancholische Geräusch- und Klangteppiche, die man
wie Räume/Landschaften durchquert.
Welche Zeitschrift/welches Magazin und welches Buch begleitet dich zurzeit
durch den Alltag?
Dostojewski, Nicolai Gogol. In Abschnitten arbeite ich mich durch „Saturn
und Melancholie“ (Klibanski/Panofsky/Saxl) und Musils „Mann ohne
Eigenschaften“ durch. Durch einen Glücksgriff habe ich eine ganze Sammlung
von „Texten zur Kunst“ erstanden, die werden peu à peu abgearbeitet. Und
einzelne Ausgaben der Lettre International.
Was ist dein nächstes Projekt?
Mit der letzten Arbeitsserie gab es einen Aufbruch, daher schaue ich
derzeit, ob es gleich mit Landschaft weitergehen soll oder ob ich eine
andere Idee vorziehe. Dann wird im Labor etwas mit Spiegelung, einer
Inszenierung von Gegenständen, passieren, die nicht genauer erkennbar,
sondern vorhanden sind, um einen Raum, eine Stimmung zu umschreiben.
Welcher Gegenstand/welches Ereignis des Alltags macht dir am meisten
Freude?
Woran ich mich nicht sattsehen kann, ist der Himmel, an seinem Wolkenziehen
und Lichtspiel. Immer wieder beobachte ich eine Zeit lang, wie sich die
Massen über-und ineinanderschieben, auseinanderziehen und auflösen,
gleichgültig gegen alle Handlungen darunter.
Text und Interview erscheinen im taz.plan. Mehr Kultur für Berlin und
Brandenburg immer Donnerstags in der Printausgabe der taz.
4 Jan 2017
## LINKS
(DIR) [1] http://www.marierief.com/
(DIR) [2] http://bourouina.com/
## AUTOREN
(DIR) Noemi Molitor
## TAGS
(DIR) Kunst Berlin
(DIR) Einblick
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