# taz.de -- Auftakt der Private Equity-Konferenz: Schrecken ohne Heu
       
       > Die Kreditkrise zwingt auch die Branche der umstrittenen Finanzinvestoren
       > zum Umdenken. Die Weltgewerkschaft fordert auf der "Super Return" einen
       > Verhaltenskodex.
       
 (IMG) Bild: Rückkehr der Heuschrecken: ab Dienstag auf einer Konferenz in München
       
       BERLIN taz Der Chef der Weltgewerkschaft UNI Global Union ist zornig. "Es
       ist Zeit für Gerechtigkeit in der globalen Wirtschaft", sagt Philip
       Jennings. Sein Aufruf richtet sich gegen die Branche privater
       Beteiligungsfirmen. Vertreter von Gewerkschaften sowie der
       Globalisierungskritiker von Attac protestierten am Dienstag zum Beginn der
       "Super Return"-Konferenz in München. Dies ist mit 1500 Teilnehmern das
       wichtigste Treffen der Private Equity Branche.
       
       Die Kritiker werfen den Beteiligungsfirmen vor, Unternehmen auszupressen,
       Arbeitsplätze abzubauen und ihre Firmenübernahmen mit riskanten Krediten zu
       finanzieren. Das bescherte der boomenden Branche bislang satte Gewinne.
       
       Doch in Zeiten der Kreditkrise müssen auch Private Equity Firmen mit
       weniger zufrieden sein. Denn für ihr Geschäftsmodell brauchen sie billige
       Kredite, die Banken derzeit nicht vergeben. Der Ex-SPD-Vorsitzende Franz
       Müntefering prägte für die Masche vieler Private Equity Firmen den Begriff
       der "Heuschrecken". Sie kaufen Firmen auf Pump, schrauben als neue
       Eigentümer kurzfristig die Gewinne hoch und verkaufen die Unternehmen nach
       zwei bis fünf Jahren mit sattem Aufschlag weiter. Leidtragende sind in der
       Regel die in den Firmen beschäftigten Arbeitnehmer. Das soll sich ändern,
       fordern die Kritiker.
       
       UNI Global Union verhandelt seit einigen Monaten mit Private Equity
       Konzernen in den USA, Großbritannien und Frankreich über einen
       Verhaltenskodex für die Branche. Er sieht vor, dass private
       Finanzinvestoren die Rechte der Arbeitnehmer und die Notwendigkeit einer
       nachhaltigen globalen Wirtschaft anerkennen. Die Weltgewerkschaft mit Sitz
       in der Schweiz vertritt 900 Gewerkschaften mit 15 Millionen Mitgliedern.
       
       Die veränderten Bedingungen haben die Investoren bereits zum Umdenken
       gezwungen - auch in Deutschland. Erst Anfang der Woche gab die
       US-Beteiligungsfirma Kohlberg Kravis Roberts (KKR) bekannt, ihre
       Werkstattkette "Autoteile Unger" mit einer Finanzspritze von 140 Millionen
       Euro zu stabilisieren. Bei kriselnden Unternehmen Geld nachzuschießen,
       anstatt sie möglichst schnell loszuwerden, war in der Branche bislang
       unüblich. Die privaten Beteiligungsfirmen wollen nun ihre Übernahmen wenn
       nötig auch vollständig aus eigener Tasche zahlen, solange die Banken klamm
       sind. "Wir können derzeit Deals bis zu drei Milliarden Euro selber
       stemmen", sagt Steven Koltes von der britischen CVC Partners. Deutschland
       ist für sie interessant. Denn weltweit besitzen deutsche Unternehmen das
       größte Potenzial für Wertsteigerungen, hat die Unternehmensberatung
       PricewaterhouseCoopers ermittelt. 20 Prozent von 127 befragten
       Fondsmanagern wollen erstmals in Deutschland investieren. Dörte Höppner vom
       Bundesverband der deutschen Kapitalbeteiligungsgesellschaften: "Von der
       Finanzkrise ist im mittelständisch geprägten deutschen Beteiligungsmarkt
       kaum etwas zu spüren." TARIK AHMIA
       
       27 Feb 2008
       
       ## AUTOREN
       
 (DIR) Tarik Ahmia
       
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