# taz.de -- Polizei beunruhigt Amnesty
       
       > Menschenrechtsorganisation will über die Ausschreitungen bei der
       > Hamburger Schülerdemo informiert werden. Polizeisprecher: „Schüler waren
       > naiv“
       
       Nun interessiert sich auch Amnesty International (ai) für den
       Polizeieinsatz bei der Schülerdemonstration gegen den Irak-Krieg am Montag.
       In einem Brief an Hamburger Politiker bat die Organisation aus London um
       Informationen zu den Vorfällen aus der Sondersitzung des Innenausschusses
       am kommenden Dienstag. „Wir sind beunruhigt über Berichte aus Hamburg und
       sammeln Informationen zur Demonstration“, bestätigte Matthew Pringle von ai
       im Gespräch mit der taz.
       
       Auch das Landesamt für Verfassungsschutz äußerte sich zu den Vorfällen.
       „Die Veranstalter der Schülerdemonstration ‚Jugend gegen Krieg‘ sind von
       der trotzkistischen ‚Sozialistischen Alternative Voran‘ stark beeinflusst“,
       sagte Heino Vahldieck (CDU), Leiter des Hamburger Verfassungsschutzes. Die
       Ausschreitungen wurden aber nicht von extremistischen Organisationen
       angezettelt. Polizeisprecher Reinhard Fallak sprach gestern von einer
       Naivität der Schüler. „Die Jugendlichen kannten die Spielregeln nicht.
       Ihnen war nicht klar, dass sie einen Rechtsbruch begehen, indem sie nach
       der Auflösung der Demo den Platz nicht verlassen.“
       
       Über die Erklärung von Bürgermeister Ole von Beust (CDU), er sehe keine
       Fehler der Polizisten, empörten sich die Grünen. „Er unterstützt seinen
       Innensenator in seiner harten Linie und übernimmt damit die vollständige
       Verantwortung für die empörende Behandlung von jungen Menschen“, sagte
       GAL-Fraktionschefin Christa Goetsch. Martin Bill, Landesvorsitzender der
       Grünen Jugend, forderte, Innensenator Ronald Schill und von Beust müssten
       die Verantwortung für „Wasser, Knüppel und Gewalt“ übernehmen.
       
       Die DGB-Jugend kritisierte die Aussage des Vorsitzenden der Deutschen
       Polizeigewerkschaft Joachim Lenders, die Polizei habe „eine
       Deeskalationsschiene ohne Ende gefahren“. Weil Lenders
       CDU-Bürgerschaftsabgeordneter ist, bezeichnete die DGB-Jugend ihn als
       „angeblichen Gewerkschaftler“.
       
       Währenddessen mokierte sich Innenausschuss-Mitglied Bodo Adolphi (Schill)
       über „die einseitige Kritik“ der Grünen und der SPD an den Polizeibeamten.
       Er stellte zwei schriftliche kleine Anfragen an den Senat, mit denen er
       unter anderem klären möchte, „welche Lehrer gegen ihr Dienstrecht verstoßen
       haben“. LENA GORELIK
       
       28 Mar 2003
       
       ## AUTOREN
       
 (DIR) LENA GORELIK
       
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