# taz.de -- Ganz raus statt nur lüften
       
       > Die Nutzung alternativer Lernorte fordert die Lehrer*innengewerkschaft
       > GEW. Vereine der Umweltbildung wären gern dabei, wollen aber ein Konzept
       > – und bräuchten auch Geld
       
 (IMG) Bild: So schön kann ein Klassenzimmer sein: Die, hier überschwemmten, Borgfelder Wümmewiesen
       
       Von Lotta Drügemöller
       
       Es ist nicht so, als ob es außerschulischen Unterricht aktuell nicht gäbe:
       Schulklassen gehen in Büchereien oder auf Wochenmärkte, erkunden Wildwiesen
       oder versuchen sich an Theaterprojekten. Von „Unterrichtsgängen“ ist dann
       die Rede, [1][im Curriculum für Bremer Schulen] sind sie durchaus
       erwünscht.
       
       Die Gewerkschaft für Erziehung und Wissenschaft (GEW) tat also nichts
       Revolutionäres, als sie vergangene Woche erneut eine stärkere Einbindung
       außerschulischer Lernorte forderte; die Schüler*innen sollten in
       Tanzschulen und Künstler*innen-Werkstätten, in Musikschulen und sogar
       Fitnesscentern lernen, so die Gewerkschaft. Die Raumnot der Schulen könnte
       so gelöst, die Klassen während der Coronapandemie entzerrt werden.
       
       Seit dem Frühsommer fordert die GEW den Unterricht in Halbgruppen. „Das
       würde uns ein sichereres Gefühl geben“, so die Landessprecherin und
       Grundschullehrerin Barbara Schüll. Dass die andere Hälfte der Kinder
       zuhause bliebe und dort womöglich berufstätigen Eltern Homeschooling
       abverlangt, das wäre dafür nicht nötig – sofern nun eben weitere Orte
       akquiriert und zusätzlich nach Möglichkeit externe Mitarbeiter*innen für
       die Betreuung genutzt werden könnten.
       
       Nach Schüll könnte das gleich mehrere Probleme lösen. „So zu tun, als ob
       nur in Schulen Lernen stattfindet, ist doch falsch“, sagt die Lehrerin. Bei
       Theater- und Tanzprojekten könnten die Schüler*innen sich mit Sprache
       auseinandersetzen, etwas Eigenes schaffen, selbständiger werden. Auch, dass
       neben diesen Kernkompetenzen der eigentliche Lehrplan zu kurz komme, hält
       sie nicht für wahrscheinlich – schließlich lernen die Schüler*innen in der
       halbierten Zeit im Klassenraum in kleineren Gruppen: „Die Kinder erreichen
       wir in den halben Klassen viel besser, das hat der kurze Versuch vor den
       Sommerferien gezeigt“, so Schüll.
       
       Bei den Umweltverbänden in Bremen stößt die Idee von mehr außerschulischem
       Unterricht durchaus auf Zustimmung. „Wir haben uns sofort angesprochen
       gefühlt“, so Sabine Schweitzer von der Koordinierungsstelle Umweltbildung
       Bremen. Zwölf Träger aus dem Umweltbereich sind Mitglied bei der
       Institution, alle haben eigene Honorarkräfte, eigene Gelände und bereits
       Erfahrung in der Arbeit mit Kindern und Jugendlichen.
       
       „Wir könnten auf jeden Fall mehr Angebote bereitstellen, als wir das
       aktuell tun“, so Tanja Greiß vom BUND. Viele der zehn bis 15 regelmäßigen
       Honorarkräfte des BUND seien momentan kaum beschäftigt, weil viele
       Veranstaltungen ausfallen. „Was wir also bräuchten“, so Greiß, „ist eine
       klare Absprache.“
       
       An der mangelt es auch dann, wenn Angebote genutzt werden: Schon jetzt
       besuchen während Corona viele Klassen die Kinderwildnis auf dem Stadtwerder
       – allerdings oft ohne Ankündigung. So kommt es vor, dass bis zu fünf oder
       sechs Klassen gleichzeitig auf dem Gelände seien. „Mit mehr Kooperation
       könnten wir auch auf fachlich was vermitteln“, so Greiß.
       
       Was es noch bräuchte ist Geld. Aktuelle Angebote werden bereits vom
       Umweltressort finanziert, Schulen können sie buchen. Für weitere Projekte,
       müssten die Schulen extra zahlen. Dafür bräuchte es ein klares Bekenntnis
       der Behörde – eventuell auch zur Teilung der Klassen.
       
       Diese Absprache fehlt. „Die Bildungsbehörde lehnt alle Vorschläge zur
       Entzerrung rigoros ab“, klagt Schüll. Immerhin: Nächste Woche soll es noch
       einmal zu einer Aussprache kommen. Bis dahin verrät Pressesprecherin
       Annette Kemp immerhin, dass der vermehrte außerschulische Unterricht im
       Ressort durchaus auf der Tagesordnung steht: „Klassen können beispielsweise
       in aktuell nicht öffentlich genutzten Museen gehen, um dort einen
       themenspezifischen Unterrichtstag zu verbringen“, so Kemp.
       
       18 Nov 2020
       
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 (DIR) Lotta Drügemöller
       
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