# taz.de -- Arbeitseinsatz: Der rechte Weg
       
       > In Eschede beseitigte die neonazistische Kameradschaft "Celle 73"
       > Schlaglöcher auf einem öffentlichen Schotterweg. Einen Teil der
       > benötigten Materialien bezahlte die Gemeinde.
       
 (IMG) Bild: Ausgebessert: Beim öffentlichen Schotterweg "Zum Finkenberg" wurden die Schlaglöcher von der Kameradschaft "Celle 73" beseitigt.
       
       Am Samstag bei der Sonnenwendfeier auf dem Bauerhof von NPD-Mitglied
       Joachim Nahtz dürfte sich keiner über den Schotterweg beschweren. Die
       Schlaglöcher wurden beseitigt. Mit einem Mineralgemisch setzte die
       Kameradschaft "Celle 73" den öffentlichen Weg "Zum Finkenberg" instand. Die
       Sanierung nahm sie in Absprache mit der niedersächsischen Gemeinde Eschede
       vor.
       
       "Ja das stimmt, wir haben 15 Kubikmeter des Gemisches bezahlt", sagt
       Eschedes Bürgermeister Günter Berg (parteilos). Leicht wäre der Gemeinde
       dieser Deal jedoch nicht gefallen. Bei der Instandsetzung von solchen
       Wegen, sagt Berg, wäre es im Ländlichen aber üblich dass die betroffenen
       Bauern eingebunden würden. "Herr Nahtz hatte sich schon oft über den
       Zustand des Weges beschwert", sagt Berg, "wir haben das überprüft und waren
       wegen der Verkehrssicherheit genötigt zu handeln".
       
       Seit Jahren kommt die Szene von NPD bis freien Kameradschaften auf dem
       etwas heruntergekommenen Anwesen zusammen. Hier am Rande des Ortes tagen
       sie und richten Feste nach dem "arteigenen Brauchtum" aus. Oft beschwerten
       sich Gäste über die holprige Zufahrt bei Nahtz, der im vergangenen Jahr für
       die NPD zur Landtagswahl antrat. Auf dem 1,8 Kilometer langen Weg soll so
       manche Stoßstange durch die Schlaglöcher beschädigt worden sein. Die
       Kameradschaft "Celle 73" verspricht nun eine "etwas komfortablere Anreise".
       
       Auf ihrer Webseite nutzt die Kameradschaft um Dennis Bührig, der sich
       ebenfalls für die NPD zur Wahl stellte, auch gleich die Chance sich als
       jene zu gerieren die handeln und sich kümmern.
       
       "Wider Erwarten", erklärt die Kameradschaft, soll die Gemeinde von dem
       Vorschlag dass sie selbst die Schäden beheben wollten "recht begeistert"
       gewesen sein. "So wurden 15 der etwa 30 Kubikmeter Mineralgemisch die von
       uns in die zahlreichen Schlaglöcher eingebracht wurden, seitens der
       Gemeinde bezahlt." Die Kameradschaft schwärmt von dem Arbeitseinsatz: "Das
       gemeinsame Schaffen von Werten" hätte Spaß gemacht und die Gemeinschaft
       gefördert.
       
       Den Bericht der Kameradschaft kennt Berg. "Wir haben gehandelt wie in
       solchen Fällen üblich", sagt er und führt aus, sie müssten so auch handeln,
       weil den Weg auch andere Anwohner nutzen müssen. "Die Gemeinde musste ihrer
       Instandhaltungspflicht nachkommen", sagt Berg.
       
       Auch im letzten Jahr wurde auf dem Anwesen die Sonnenwende gefeiert. An die
       300 Kameraden kamen. Am Tag zuvor hatten die Kameradschaft "Celle 73" und
       die "Düütsche Deerns" dort ein Rechtsrockkonzert ausgerichtet. Danach
       führte die Polizei Hausdurchsuchungen im Landkreis Celle durch und stellte
       mehrere Waffen sicher. Bei Nahtz fand sie einen Karabiner.
       
       Am Samstag, Bürgermeister Berg wirbt dafür, laden das "Forum gegen Gewalt
       und Rechtsextremismus" und der DGB zu einer Gegenkundgebung zum
       Sonnenwendefest ein. Im Anschluss soll mit einer Kranzniederlegung Peter
       Deutschmann gedacht werden. 1999 wurde er von den Escheder Naziskinheads
       Marco S. und Johannes K. getötet. Nach seiner Haft schloss sich S. der
       Nazi-Szene in Schaumburg an. Diese Kameraden reisen auch gern zu Nahtz
       Gehöft.
       
       18 Jun 2009
       
       ## AUTOREN
       
 (DIR) Andreas Speit
       
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