# taz.de -- 2./3. OKTOBER: Wird Wulff flüchten müssen?
       
       > 300 Menschen diskutierten im "Paradox" über die Proteste gegen die
       > Einheitsfeier. Zur Demo am 2. Oktober werden 2.000 TeilnehmerInnen
       > erwartet
       
 (IMG) Bild: Früh gesprüht ist halb verblichen: Schon seit dem Sommer ist das Weserufer anti-deutsch
       
       In einigen Berliner Straßenzügen sind die weiß-roten Plakate schon fast
       flächendeckend verklebt: "Kein Tag für die Nation - Kein Tag für
       Deutschland" heißt es darauf. Es ist der Aufruf antinationaler Gruppen, am
       2. Oktober nach Bremen zu kommen, zur Demo gegen die zentrale Feier zum 20.
       Jahrestag der deutschen Einheit.
       
       "An diesem Tag sollen die Widerlichkeiten der herrschenden Gesellschaft,
       von ihrer rassistischen Abschiebepolitik bis zu Hartz IV, auch noch
       abgefeiert werden," sagt eine Sprecherin des Bündnisses "Gegen die
       Einheitsfeierlichkeiten", die sich Kim Loffer nennt. "Dagegen werden wir
       protestieren." Wie dies genau aussehen wird, ist derzeit Gegenstand von
       Spekulationen. Bild behauptet mit Verweis auf nicht genannte Experten, dass
       "linke Chaoten" anreisen, die Feier mit Gewalt stören und schwere Krawalle
       vom Zaun brechen werden. "Diese Berichterstattung erspart sich die
       Auseinandersetzung mit unseren Inhalten", sagt die Bündnis-Sprecherin. Bild
       habe sich nicht die Mühe gemacht, mit den Anmeldern der Gegendemo zu
       sprechen.
       
       Als Bremen 1994 den Bundesratsvorsitz hatte und deshalb Gastgeber des
       Staatsaktes am 3. Oktober war, gab es tatsächlich heftige
       Straßenschlachten. Autos wurden angezündet, Schaufenster eingeworfen,
       angeblich soll deshalb der damalige Bundespräsident Roman Herzog seinen
       Besuch in Bremen vorzeitig abgebrochen haben.
       
       In Flugblättern und Videos wird nun mit Slogans wie "You say Deutschland -
       We say die" oder "Staat. Nation. Kapital. Scheiße." zu den Protesten
       aufgerufen. "Eine polemische Zuspitzung", heißt es bei den Anmeldern der
       Demo dazu. "Aber letztlich bringt das unsere Kritik auf den Punkt: Wir
       lehnen diese Gesellschaft grundsätzlich ab."
       
       Die Anmelder rechnen mit 2.000 GegendemonstrantInnen. In der letzten Woche
       haben sie mit dem Stadtamt und der Polizei ein erstes Sondierungsgespräch
       geführt. Das sei "total entspannt" verlaufen, sagt Loffer. Einen Dissens
       gibt es dennoch: Die Deutschlandgegner wollen vom Bahnhof durch die
       Obernstraße marschieren, das Stadtamt sähe es lieber, wenn die Route durch
       die Martinistraße führt.
       
       Die Protokollchefin des Rathauses, für den offiziellen Teil der
       Einheitsfeier verantwortlich, gibt sich derweil konziliant: "Die
       Demonstrationen sollen und müssen möglich sein", sagte sie Radio Bremen und
       hofft gar, dass "die, die wirklich nur auf Krawall aus sind, einen anderen
       Ort finden, sich auszutoben". Sicherheitshalber stellte der Senat im
       kürzlich beschlossenen Nachtragshaushalt 2,1 Millionen Euro ein, mit denen
       auch der Polizeieinsatz während der Antieinheitsdemo bezahlt werden soll.
       
       Diese hatten in den letzten Wochen mit inneren Widersprüchen zu kämpfen.
       Einige linke Gruppen hatten sich wegen politischer Differenzen aus dem
       Bündnis zurückgezogen. Dennoch nahmen die Einheitsproteste am vergangenen
       Wochenende wie geplant ihren Anfang: Bei einem Workshop-Tag ließ das "3.
       Oktober"-Bündnis zu Themen wie "Krisennationalismus" oder "soziale Kämpfe"
       diskutieren. 300 Menschen aus verschiedenen Städten kamen dazu nach Angaben
       der Veranstalter ins Kulturzentrum "Paradox" in der Schildstraße.
       
       12 Sep 2010
       
       ## AUTOREN
       
 (DIR) Christian Jakob
       
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