# taz.de -- +++ Nachrichten im Ukraine-Krieg +++: Putin kommt nicht zum G20-Gipfel
       
       > Russischer Außenminister Lawrow reist zum Gipfel in Bali.
       > US-Basketballerin Griner wurde in russische Strafkolonie verlegt. Putin
       > verbietet „schwule Propaganda“.
       
 (IMG) Bild: Hat keine Lust, westliche Staatschefs zu treffen: Russlands Präsident Wladimir Putin
       
       ## Putin kommt nicht zum G20-Gipfel
       
       Der russische Präsident Wladimir Putin wird nach Angaben der indonesischen
       Regierung nicht am G20-Gipfel auf Bali teilnehmen. Stattdessen reise
       Außenminister Sergei Lawrow zu dem Treffen der 20 großen Industrienationen
       auf der indonesischen Insel. Das teilte Jodi Mahardi, Sprecher des für die
       Koordinierung des Gipfels zuständigen Ministeriums für Investitionen, am
       Donnerstag mit. Der Kremlchef hatte seine Teilnahme an dem Treffen am 15.
       und 16. November lange offengelassen.
       
       Bei dem Gipfel wird der russische Angriffskrieg gegen die Ukraine zentrales
       Thema sein. Für viele kam die Entscheidung Putins deshalb nicht
       überraschend. Als Gastgeber des Gipfels hatte der indonesische Präsident
       Joko Widodo den russischen Staatschef ausdrücklich eingeladen und gesagt,
       dass er ihn auf Bali erwarte. Widodo hatte auch eine Friedensinitiative für
       die Ukraine angekündigt. Indonesien werde bei dem Gipfel alle dazu
       einladen, „sich zusammenzusetzen und sich in einen konstruktiven Dialog zu
       begeben“, hatte er Ende Oktober gesagt.
       
       Der ukrainische Präsident Wolodimir Selenski ist ebenfalls zum Gipfel
       eingeladen worden, obwohl sein Land nicht zur G20 gehört. Selenski hatte
       [1][erklärt], dass er nicht zu dem Treffen reisen werde, falls Putin daran
       teilnehmen sollte. Dies sei seine „persönliche Position und die Position
       des Landes“, sagte Selenski Anfang des Monats. Er hat Russland immer wieder
       als „Terrorstaat“ verurteilt und den Ausschluss des „Aggressors“ aus der
       G20 gefordert.
       
       In der Staatengruppe ist Russland, das einflussreiche Unterstützer wie
       China, Indien und auch die Türkei hat, nicht komplett isoliert. Bei dem
       Gipfel trifft die russische Delegation erstmals auch wieder auf
       internationaler Bühne mit Staats- und Regierungschefs der G7 zusammen, die
       wegen des Kriegs gegen die Ukraine weitreichende Sanktionen gegen Russland
       erlassen haben.
       
       Am zweitägigen Gipfel wollen unter anderem US-Präsident Joe Biden, Chinas
       Staatspräsident Xi Jinping und andere Staats- und Regierungschefs
       teilnehmen. Biden hatte eine direkte Zusammenkunft mit Putin im Vorfeld
       bereits ausgeschlossen und erklärt, das es in einem hypothetischen Gespräch
       mit dem Kremlchef auf Bali lediglich um einen Deal zur Freilassung in
       Russland inhaftierter Amerikaner gehen würde.
       
       Damit dürfte unter anderem die in Russland inhaftierte US-Basketballerin
       [2][Brittney Griner] gemeint sein. Vor Reportern in Washington sagte Biden,
       er setze auf größere Gesprächsbereitschaft des Kreml über deren Freilassung
       und hoffe, dass Putin nun willens sei, ernsthafter über einen
       Gefangenenaustausch zu verhandeln.
       
       Am selben Tag teilten Anwälte Griners mit, dass die Sportlerin in eine
       Strafkolonie verlegt werden solle. Schon am vergangenen Freitag sei sie aus
       der Haftanstalt in Ikscha gebracht worden. Wo genau sie sich aktuell
       aufhalte oder wo ihr endgültiges Ziel liege, sei unklar.
       
       Die zweimalige Olympia-Goldmedaillengewinnerin war im Februar – kurz vor
       Beginn der russischen Invasion in die Ukraine – bei ihrer Ankunft am
       Moskauer Flughafen Scheremetjewo festgenommen worden, nachdem in ihrem
       Gepäck sogenannte Vape-Kartuschen mit Cannabis-Öl gefunden worden waren.
       Ihre Verteidigung erklärte, sie habe Cannabis als Schmerzmittel
       verschrieben bekommen. Im August wurde Griner wegen Drogenbesitzes zu neun
       Jahren Haft verurteilt. Ihre Berufung gegen das Urteil scheiterte im
       Oktober.
       
       Die US-Regierung hat erklärt, sie bemühe sich um bessere Haftbedingen für
       Griner und arbeite unermüdlich an deren Freilassung. „Jede Minute, die
       Brittney Griner unrechtmäßige Haft in Russland erdulden muss, ist eine
       Minute zu viel“, sagte die Sprecherin des Weißen Hauses, Karine
       Jean-Pierre. Die Nachrichtenagentur AP und andere Medien haben berichtet,
       dass Washington einen Austausch von Griner und den ebenfalls in Russland
       inhaftierten US-Bürger Paul Whelan für den russischen Waffenhändler Wiktor
       But angeboten habe, der in den USA eine 25-jährige Haftstrafe absitzt.
       
       ## Über 100.000 Tote und Verwundete auf beiden Seiten
       
       Sowohl Russland als auch die Ukraine verzeichnen laut dem obersten
       US-General mindestens 100.000 getötete und verwundete Soldaten. „Wir haben
       es mit weit über 100.000 getöteten und verwundeten russischen Soldaten zu
       tun. Das Gleiche gilt wahrscheinlich auch für die ukrainische Seite. Es
       gibt viel menschliches Leid“, sagt US-Armeegeneral Mark Milley in einer
       Rede in New York. Zudem seien seit Beginn der russischen Invasion im
       Februar bis zu 40.000 ukrainische Zivilisten in dem Konflikt ums Leben
       gekommen. (rtr)
       
       ## Putin erlässt Dekret gegen „schwule Propaganda“
       
       Russlands Präsident Wladimir Putin hat ein Dekret zur Verteidigung des
       Landes gegen Bedrohungen durch andere Staaten sowie durch „schwule
       Propaganda“ erlassen. In dem am Mittwoch vom Kreml-Chef unterzeichneten
       Dekret wird die Bedeutung „traditioneller Werte als Grundlage der
       russischen Gesellschaft“ betont. Moskau müsse „dringende Maßnahmen“
       ergreifen, um Bedrohungen durch Terrororganisationen, „gewisse
       Massenmedien“ sowie durch die USA und „andere unfreundliche fremde Staaten“
       abzuwehren.
       
       Auch gegen Bedrohungen „gewisser Organisationen und Leute auf russischem
       Boden“ müssten die „traditionellen Werte“ des Landes verteidigt werden,
       heißt es in dem Dekret. Diese könnten „fremde“ Gedanken in die Gesellschaft
       tragen und „mit Propaganda für nichttraditionelle sexuelle Beziehungen die
       Zerstörung des traditionellen Familienverbands“ bewirken.
       
       Ein Vertreter der russisch-orthodoxen Kirche begrüßte das Dekret. Damit
       könnten „unsere Leute und unsere Kinder vor Beschmutzung beschützt“ werden,
       sagte der hochrangige Geistliche Fjodor Lukjanow der staatlichen
       Nachrichtenagentur Tass.
       
       Das russische Parlament diskutiert derzeit die Ausweitung eines 2013
       erlassenen umstrittenen Gesetzes, das an Minderjährige gerichtete „schwule
       Propaganda“ verbietet. Im Gespräch ist eine Ausweitung des Gesetzes auch
       auf Erwachsene. Nach Einschätzung von Menschenrechtlern wäre damit jegliche
       Erwähnung gleichgeschlechtlicher Paare künftig verboten. (afp)
       
       10 Nov 2022
       
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