# taz.de -- Repressionen in Hongkong: Noch mal zehn Jahre Haft für Demokratieaktivisten Wong
       
       > Joshua Wong wird wegen einer Verschwörung zur Gefährdung der nationalen
       > Sicherheit verurteilt. Kritik aus Taiwan und den USA.
       
 (IMG) Bild: Joshua Wong bei seiner Ankunft im Gericht am Donnerstag
       
       afp | Der inhaftierte Hongkonger Demokratieaktivist Joshua Wong ist wegen
       des Vorwurfs der Zusammenarbeit „mit ausländischen Kräften“ zu weiteren
       zehn Jahren Haft verurteilt worden. Ein Gericht in der chinesischen
       Sonderverwaltungszone bezeichnete Wong in seiner Urteilsbegründung am
       Donnerstag als einen der „Drahtzieher“ einer Verschwörung zur Gefährdung
       der nationalen Sicherheit.
       
       Wong sitzt bereits seit fast sechs Jahren im Gefängnis. Nach der Verbüßung
       einer Haftstrafe wegen „Subversion“ sollte er eigentlich im Januar
       freikommen. Der Aktivist war damals auf Grundlage des sogenannten
       nationalen Sicherheitsgesetzes verurteilt worden. Auch das am Donnerstag
       verkündete Urteil beruht auf dem umstrittenen Gesetz, das 2020 von Peking
       erlassen worden war.
       
       Wong drohte in dem Verfahren eine lebenslange Haftstrafe. Richter William
       Tam erklärte jedoch, eine Freiheitsstrafe von 13 Jahren sei ein
       „angemessener Ausgangspunkt“. Aufgrund von Wongs Schuldbekenntnis sei das
       Strafmaß schließlich auf zehn Jahre herabgesetzt worden.
       
       Wong wirkte ruhig, als er am Donnerstag auf der Anklagebank saß. Er nickte
       seinen Unterstützern im Gerichtssaal zu. In einem Schreiben an das Gericht
       hatte er erklärt, er habe ursprünglich gehofft, im kommenden Jahr aus dem
       Gefängnis freizukommen. Das neue Verfahren gebe ihm aber das Gefühl, wieder
       ganz am Anfang zu stehen. Seine Zeit im Gefängnis beschrieb er zugleich als
       die „tiefgreifendsten Lektionen“ seines Lebens. Nach der Urteilsverkündung
       bedankte sich Wong bei seinen Unterstützern und winkte ihnen zu. Einige
       weinten und riefen ihm zu: „Wir werden auf deine Freilassung warten.“
       
       ## Aufruf zu Sanktionen
       
       Das US-Konsulat in Hongkong verlangte die „sofortige Freilassung“ Wongs.
       Die USA verurteilten die Entscheidung des Gerichts in Hongkong, erklärte
       ein Sprecher des Konsulats: „Wong ist seit Dezember 2020 zu Unrecht
       inhaftiert, was zeigt, dass Peking zu außergewöhnlichen Mitteln greift, um
       diejenigen zum Schweigen zu bringen, die sich für die Grundfreiheiten in
       Hongkong einsetzen“.
       
       Auch Taiwan kritisierte nach Wongs Verurteilung die „endlose politische
       Verfolgung“ von Demokratieaktivisten in Hongkong. Die
       Menschenrechtsorganisation Human Rights Watch sprach von einer „grausamen
       und ungerechten“ Entscheidung und rief die internationale Gemeinschaft auf,
       Sanktionen gegen die für die „zunehmende Unterdrückung in Hongkong“
       verantwortlichen Behördenvertreter zu erlassen.
       
       Die chinesische Regierung wies die Kritik als „unverantwortliche
       Äußerungen“ scharf zurück und mahnte zum „Respekt für Chinas Souveränität“
       und für das Hongkonger Justizsystem.
       
       ## Bastion der Meinungsfreiheit
       
       Wong ist einer der bekanntesten Vertreter der Hongkonger
       Demokratiebewegung. Der Aktivist wurde 2014 durch die von Studenten
       angeführten Proteste bekannt und war auch an den großen und teils
       gewalttätigen Massenprotesten beteiligt, die [1][zur Verhängung des
       nationalen Sicherheitsgesetzes] führten.
       
       Die chinesische Sonderverwaltungszone Hongkong galt bis vor wenigen Jahren
       als Bastion der Meinungsfreiheit in China. Seit Peking 2020 das
       „Sicherheitsgesetz“ erlassen hatte, gehen die Behörden in der
       Sonderverwaltungszone jedoch massiv gegen alle pro-demokratischen
       Aktivisten und andere Peking-kritische Stimmen vor, die nach ihrer
       Auffassung die nationale Sicherheit Chinas bedrohen. [2][Viele
       Oppositionelle sind ins Ausland geflohen, andere wurden zu langjährigen
       Haftstrafen verurteilt.]
       
       5 Nov 2026
       
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