# taz.de -- Finanzierung von Kindertagesstätten: Bitte weniger Fachkräfte in Bremens Kitas
       
       > Ein neues Finanzierungssystem könnte dazu führen, dass ein großer
       > Kitaträger in Bremen Fachkräfte abbauen muss. Die Stadt will Mittel
       > anders einsetzen.
       
 (IMG) Bild: Sich allein um Kitakinder kümmern: Das dürfen in Bremen in Randzeiten und wenn Fachpersonal fehlt auch ungelernte Kräfte
       
       Auf Bremens Kitas könnte eine Art Qualitätsgrenze nach oben zukommen: Wer
       zu gut darin war, ausgebildete Erzieher*innen einzustellen, muss in den
       nächsten Jahren wohl schauen, wie er ein paar davon wieder loswird. Mehr
       als zwei Drittel der Fachkräfte werden im Personalmix nicht mehr
       gegenfinanziert. Betroffen sind vor allem Kitas der Bremischen
       Evangelischen Kirche (BEK).
       
       „Wir kommen uns extrem veräppelt vor“, sagt Dieter Wiene, der
       stellvertretende Vorsitzende der Mitarbeitendenvertretung der BEK-Kitas.
       „Wir haben drei Kitagipfel lang mit der Senatorin über Fachkräftegewinnung
       diskutiert. Und jetzt soll die Qualifizierung nach unten statt nach oben
       gehen.“ Lange war der Kampf um Fachkräfte eines der drängendsten Probleme
       der Bremer Kitapolitik. Kitas wurden gebaut und standen dann leer, weil
       Personal fehlte.
       
       Qualifizierungsprogramme wurden aus dem Boden gestampft: Sozialpädagogische
       Assistent*innen wurden umschmeichelt, sich zu Erzieher*innen
       fortzubilden, bezahlte Ausbildungsplätze wurden geschaffen, für
       Erzieher*innen ein Novum. 38 Prozent aller
       Ausbildungsanfänger*innen in Bremen entschieden sich 2024 für eine
       pädagogische Ausbildung. Ende des Jahres befanden sich [1][1.000 Menschen
       in Bremen in einer Ausbildung zur Erzieher*in.]
       
       Niedrigschwellig wurden zudem Tageseltern ausgebildet und Senatorin Sascha
       Aulepp (SPD) versuchte, die Standards abzusenken. So sollten zu Randzeiten
       [2][auch ungelernte Kräfte ohne pädagogische Qualifikation] allein Kinder
       betreuen dürfen. Das wurde nach Protest gekippt – im Gesetz gab es dann
       2025 doch die Möglichkeit, zu bestimmten Zeiten Menschen mit
       Minimalausbildung einzusetzen, wenn, [3][so das Gesetz,] „auf dem
       Arbeitsmarkt nicht genügend Fachkräfte (…) zur Verfügung stehen“.
       
       ## Plötzlich gibt es viel zu viel
       
       2025 kam der Umschwung. Waren im Vorjahr nach dem Sommer noch 1.300 Kinder
       ohne gewünschten Kitaplatz gemeldet, blieben nun Plätze frei. Man hätte das
       absehen können: Die Geburtenzahlen waren rückläufig. Plötzlich gab es freie
       Plätze, leere Kitas, kleine Träger, die um ihre Existenz bangten. Im
       aktuellen Kitajahr 2026/27 blieben schon 1.700 Plätze unbesetzt.
       
       Man könnte die neue Lage nutzen, um die Qualität zu erhöhen, kleinere
       Gruppen einzurichten, mehr Fachkräfte pro Kind einzusetzen. Tatsächlich hat
       Bildungssenator Mark Rackles (SPD) im Frühjahr eine Qualitätsoffensive für
       Kitas und Schulen angestoßen; eine bessere Fachkräftequote ist jedoch kein
       Teil davon – es fehlt offenbar an Geld.
       
       Die aktuelle Finanzierungssystematik ist kompliziert, eine Umstellung wird
       von allen Seiten gefordert. Im nächsten Kitajahr soll ein neues System
       starten – noch werden Verhandlungen geführt, aber nicht alle Seiten sind
       zufrieden.
       
       Denn das Gesamtbudget für die Kitas bleibt nahezu unverändert. Grundlage
       sind die Zuschüsse, die 2025 gezahlt wurden, Anpassungen gibt es, um die
       Inflation oder Tarifsteigerungen auszugleichen.
       
       ## Fachpersonal wird nicht mehr automatisch finanziert
       
       Kitas bekämen in Zukunft einen festen Sockel an Fördergeldern, der für
       Gebäude und Infrastruktur zur Verfügung steht. Das soll die Planbarkeit
       verbessern. Pro Kind bekommen alle Kitas einen festen Satz. Wenn Kinder
       einen individuellen Förderbedarf haben, erhöht sich dieser. Sprachförderung
       müsste nicht mehr beantragt werden, sondern würde über die normale
       Finanzierung abgedeckt werden.
       
       Die aktuell verhandelte Version stelle „die meisten Träger nach bisherigen
       Analysen besser“, schreibt die Pressestelle des Bildungssenators. Doch das
       bedeutet bei gleichbleibendem Budget: Irgendwer bekommt weniger.
       
       Offenbar wird das die Bremische Evangelische Kirche sein: In Bremen konnten
       Kitaträger nach dem alten Modell abrechnen, was sie an Personalkosten
       hatten. Wer Fachkräfte gewinnen konnte, bekam sie auch finanziert. Nun
       steht auch für Personal ein Wert von vornherein fest.
       
       Der ist nicht hoch: Bezahlt werden können von dem Budget regulär nur zwei
       Drittel ausgebildete Erzieher*innen. Der Rest des Personals muss aus
       schlechter qualifizierten Hilfskräften bestehen, aus sozialpädagogischen
       Assistenzen oder Kinderpfleger*innen.
       
       ## Träger haben bis 2030 Zeit, Finanzierung anzupassen
       
       Zwei Drittel Erzieher*innen – das ist praktischerweise das, was der
       städtische Träger „Kita Bremen“ exakt erfüllt. Wissenschaftlich empfohlen
       werden mindestens 80 Prozent Erzieher*innen, [4][einzelne Bundesländer
       erreichen das auch.] Die Bremische Evangelische Kirche hat bisher eine
       bessere Ausstattung: In ihren Kitas arbeiten zu 88 Prozent Erzieher*innen.
       
       „Es handelt sich bei der Neuaufstellung der Kitafinanzierung nicht um eine
       Vorgabe an die Träger, wie hoch die Fachkraftquote sein muss“, betont die
       Pressestelle der Bildungsbehörde auf Nachfrage. Die ausgezahlten Mittel
       könnten flexibel eingesetzt werden. Einstellen dürfen die Kitas
       Fachpersonal – finanziert wird es nicht mehr.
       
       Die Behörde begründet die vorgesehene Personalsumme auch mit den Quoten der
       anderen Stadtstaaten, die ebenfalls etwa bei zwei Drittel
       Erzieher*innen liegen. Für Wiene zählt das Argument nicht: „Diese
       Quoten sind ja immer vor dem Hintergrund des Fachkräftemangels zustande
       gekommen“, sagt er, „nicht deshalb, weil man nicht mehr finanzieren wollte.
       Hier wird dieser Mangel jetzt auf lange Zeit festgeschrieben.“
       
       Die neue Finanzierung würde wohl nicht schon im ersten Jahr durchschlagen.
       Bis 2030 hätten die Träger Zeit, ihre Finanzgrundlagen anzupassen.
       Erzieher*innen entlassen müsste die Bremische Evangelische Kirche also
       nicht sofort. „Aber ich denke, langfristig wird das kommen“, sagt Wiene.
       „Neben den verringerten Quoten kommen ja auch die sinkenden Kinderzahlen
       auf uns zu, Standorte müssen schließen.“ Zusammen werde beides dazu führen,
       dass Leute „auf die Straße gesetzt“ werden.
       
       20 Oct 2026
       
       ## LINKS
       
 (DIR) [1] /Zu-wenig-Kita-Plaetze-in-Bremen/!6027164
 (DIR) [2] /Verzicht-auf-Paedagogen-in-Bremer-Kitas/!6045735
 (DIR) [3] https://www.transparenz.bremen.de/metainformationen/bremisches-gesetz-zur-foerderung-von-kindern-in-tageseinrichtungen-und-in-tagespflege-bremisches-tageseinrichtungs-und-kindertagespflegegesetz-bremktg-vom-19-dezember-2000-294599?asl=bremen203_tpgesetz.c.55340.de&template=20_gp_ifg_meta_detail_d#jlr-NNLHB0000A9A3NN00000000027
 (DIR) [4] https://www.zdfheute.de/politik/deutschland/kita-fachkraefte-quoten-unterschiede-100.html
       
       ## AUTOREN
       
 (DIR) Lotta Drügemöller
       
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