# taz.de -- Angespannter Ölmarkt: Das Kerosin wird knapp
> Die Treibstoffversorgung am größten deutschen Flughafen in Frankfurt ist
> eingeschränkt. Auch die Trockenheit trägt dazu bei.
(IMG) Bild: Die Fluggesellschaft sieht die Versorgung gesichert – doch vor einer Knappheit wird schon länger gewarnt
Auf dem Flughafen Frankfurt droht die Versorgung mit [1][Kerosin] knapp zu
werden. Die Lufthansa bringt daher nun bei einigen ihrer Flüge Treibstoff
von anderen Flughäfen mit. Das Unternehmen bestätigte am Donnerstag
entsprechende Medienberichte, betonte aber zugleich, dass mit
Flugstreichungen „derzeit nicht zu rechnen“ sei.
Wie das Unternehmen auf Anfrage mitteilte, habe man lediglich „vorsorglich
verschiedene Maßnahmen ergriffen, um einen verlässlichen Flugbetrieb
sicherzustellen“. Dazu gehöre eben „unter anderem, dass Flugzeuge auf
ausgewählten Verbindungen vor Abflug nach Frankfurt zusätzlichen Kraftstoff
tanken“.
Grund dafür sei „unter anderem eine reduzierte Pipeline-Kapazität“ am
Standort Frankfurt. Darüber hinaus dürfte der niedrige Wasserstand des
Rheins eine Rolle spielen, denn er führt dazu, dass Tankschiffe derzeit nur
mit reduzierter Ladung verkehren können. Aufgrund der Trockenheit im Sommer
[2][erreichten die Pegel in diesem Jahr historisch niedrige Stände].
Die Fluggesellschaft bezeichnet ihren Schritt als „reine
Vorsichtsmaßnahme“, die das Ziel habe, „einen verlässlichen Flugbetrieb
auch über die nächsten Wochen hinweg weiterhin problemlos sicherzustellen“.
Das Unternehmen weist zugleich darauf hin, dass die Versorgung der
Maschinen mit Kerosin grundsätzlich Aufgabe der Airlines ist, auch wenn der
Flughafen operativ involviert ist. Auf mögliche Engpässe müssten daher die
Fluggesellschaften reagieren.
## Angespannter Markt
Zu den Modalitäten ihrer Treibstoffbeschaffung äußert sich die
Fluggesellschaft nicht weiter. Die Nachrichten aus Frankfurt dürften aber
im Zusammenhang mit der allgemein angespannten Lage auf dem Markt der
sogenannten Mitteldestillate stehen. Das sind die Fraktionen des Rohöls,
die zwischen dem leichten Benzin und dem Schweröl stehen. Zu diesen zählen
neben dem Kerosin auch der Diesel und das Heizöl.
Die Mitteldestillate sind in Europa derzeit besonders knapp, was sich auch
daran zeigt, dass ihr Preis zuletzt deutlich stärker gestiegen ist als der
Weltmarktpreis von Rohöl. An den Tankstellen reflektiert der Dieselpreis
die knappe Versorgungslage: Der Liter Diesel ist inzwischen teurer als der
Liter Benzin, obwohl die Mineralölsteuer für Diesel geringer ist.
Insbesondere die europäische Energiebörse ICE spiegelt die Knappheiten
wider: Der Terminkontrakt für Diesel und Mitteldestillate (Low Sulphur
Gasoil Future) stieg in den vergangenen Monaten deutlich stärker als der
Preis für Rohöl. Anfang des Jahres notierte die Tonne noch bei rund 600
Dollar, inzwischen kostet sie mehr als 1.400 Dollar. Während der Rohölpreis
sich aktuell etwa auf dem Niveau von März befindet, stieg der Index für
Mitteldestillate seither um mehr als 50 Prozent.
Das Zusammenspiel von Rohölangebot und Preisen der Raffinerieprodukte ist
komplex. Das liegt auch an den unterschiedlichen Zusammensetzungen des
Rohöls je nach Herkunftsregion. Russisches Rohöl ist besonders gut für die
Erzeugung von Diesel und Kerosin geeignet, während Rohöl aus Venezuela und
Saudi-Arabien sehr schwer und Rohöl aus den USA wiederum recht leicht ist,
was sich jeweils auf die Ausbeute von Diesel und Kerosin auswirkt.
Der Wirtschaftsverband Fuels und Energie begründet die besondere Anspannung
in diesem Marktsegment mit dem Wegfall russischer Dieselexporte, die vor
2022 fast die Hälfte der europäischen Dieselnachfrage deckten. Auch die
Internationale Energieagentur (IEA) schrieb dieser Tage in ihrem Oil Market
Report, die Dieselmärkte stünden „weiterhin unter erheblichem Druck“ wegen
anhaltender Lieferstörungen. [3][Bereits im Frühjahr hatte der Chef der
IEA, Fatih Birol, gewarnt], in Europa könne Kerosin schon bald knapp
werden.
15 Oct 2026
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## AUTOREN
(DIR) Bernward Janzing
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