# taz.de -- Jugendwort 2026: „Ragebait“ macht das Rennen
> „Ragebait“ wird zum Jugendwort des Jahres gekürt. Was bedeutet der
> Begriff genau – und wie cringe sind Erwachsene, die Jugendsprache nutzen?
(IMG) Bild: Ist gar nicht cringe, wenn das Jugendwort des Jahres aus dem Mund von Susanne Daubner kommt, denn die hat Aura
dpa | Es geht darum, Empörung auszulösen und Aufmerksamkeit zu generieren –
vor allem online, aber manchmal auch offline. Der Begriff „Ragebait“ ist
zum Jugendwort des Jahres 2026 gewählt worden. Er landete bei der
Abstimmung im Internet auf dem ersten Platz, wie der Verlag [1][Pons
Langenscheidt] mitteilte – vor „Peak“ und „Crashout“. In der Endrunde
standen nur die drei Begriffe. Laut den Angaben hatten sich rund eine
Million Jugendliche an dem Voting beteiligt.
## Die Ergebnisse im Überblick:
Sieger „Ragebait“ kam auf 36,5 Prozent der Stimmen. „Peak“ meint das Beste
vom Besten – also eine 10 von 10 – und landete mit 33,8 Prozent auf Platz
2. Beispiel: „Das Konzert war echt Peak.“ Einen „Crashout“ hat, wer
vollkommen die Fassung verliert. Der Begriff, der sowohl ernsthaft als auch
ironisch verwendet werden kann, kam auf 29,7 Prozent. Beispiel: „Wenn mein
Akku ausgeht, gehe ich Crashout.“
## Aber was genau ist mit „Ragebait“ gemeint?
Wer „Clickbait“ kennt, der kann sich auch „[2][Ragebait]“ gut erklären.
Denn gemeint sind Inhalte in sozialen Medien, die absichtlich triggern
sollen. Etwa mit provokanten Thesen, Falschbehauptungen oder wilden
Meinungen soll versucht werden, Wut auszulösen. Das wird bekanntlich vom
Algorithmus belohnt und bringt Kommentare, Likes und Reichweite. Direkt
übersetzt bedeutet der Begriff „Wut-Köder“.
Sprachforscher Jannis Androutsopoulos von der Universität Hamburg betont,
dass der Begriff in der Jugendsprache über seinen Ursprung im
Social-Media-Bereich hinausgehe. Also wenn beispielsweise jemand im Alltag
seine Eltern nervt, um sie auf die Palme zu bringen. „Solche Wörter können
eigentlich erst für sich beanspruchen, Jugendwörter zu sein, wenn sie ihre
ursprünglichen Themenfelder verlassen.“
## Nach Daubner-Video: Ergebnis wenig überraschend
Das Ergebnis kam für manche wenig überraschend. Bereits am Freitag war ein
Video mit Nachrichtensprecherin Susanne Daubner auf den
Social-Media-Kanälen der „Tagesschau“ aufgetaucht, das von vielen Fans
gefeiert wurde. Darin machte die 65-Jährige zunächst den Eindruck, wieder
das Jugendwort erklären zu wollen, bevor sie plötzlich stoppte und
einräumte, sich im Datum geirrt zu haben. „Sorry Leute, ich komme morgen
nochmal, aber vielleicht wisst ihr es ja jetzt schon“.
„Ragebait queen“, lautete es daraufhin in einem Kommentar. Und: „Ragebait,
der kein rage auslöst“. Daubner gilt indes seit mehreren Jahren als
„Kult-Ansagerin“ für das Jugendwort. Als sie mal vorhatte, das Jugendwort
nicht mehr auf Social Media zu erklären, protestierten Fans. Der
Rückzugsplan wurde gestrichen.
## Wie läuft die Abstimmung genau ab?
Alljährlich entscheiden junge Menschen von 11 bis 20 Jahren darüber, welche
Sprachfloskel sie besonders angesagt finden. Ab Ende Mai können sie
Begriffe einreichen, aus denen die Jury eine Top Ten auswählt. „Beleidigend
oder diskriminierend? Game over. Nur echte Jugendsprache schafft’s ins
nächste Level“, heißt es beim Verlag. Es folgt eine weitere Abstimmung über
die Top drei, die Ende August bekanntgegeben wird. Danach kommt die Wahl
des Siegers.
„Sowohl bei der Abstimmung als auch bei der Einreichung der Vorschläge
wurde nur die Altersgruppe der 11- bis 20-Jährigen berücksichtigt“, sagte
eine Verlagssprecherin. „Wir müssen uns darauf verlassen, dass die
Teilnehmenden ihr Alter wahrheitsgemäß angeben.“
## Erstes gewähltes Jugendwort war 2008 „Gammelfleischparty“
Seit 2008 veröffentlicht der Verlag das „Jugendwort des Jahres“ – damals
siegte „Gammelfleischparty“ (Ü-30-Party). Erst seit 2020 dürfen nur
Jugendliche im Alter zwischen 11 und 20 Jahren abstimmen.
Der Sieger des vergangenen Jahres war „Das crazy“, eine Floskel, wenn man
sprachlos ist oder keine Lust auf eine richtige Antwort hat. Beispiel: „Er
hat ihr einfach vor dem ganzen Kurs einen Antrag gemacht!“ – [3][„Das
crazy“]. 2024 hatte „Aura“ gewonnen für die besondere Ausstrahlung einer
Person.
## Eltern, die Jugendsprache nutzen – cringe oder cool?
Bleibt noch die Frage, wie es ankommt, wenn Erwachsene Jugendwörter
verwenden. „Das muss man im Kontext betrachten“, sagt Androutsopoulos. Es
gebe die Berufsjugendlichen, die ein bisschen peinlich seien. „Aber es gibt
eine Menge Situationen, in denen Eltern Begriffe von ihren Kindern
übernehmen, wo es ganz gut funktioniert.“
Und: Viele Wörter würden es später ohnehin in die allgemeine Verwendung
schaffen. Ein Beispiel sei „Chillen“. „Das war vor 25 Jahren ein
Jugendwort, inzwischen hört man das im Bundestag.“
10 Oct 2026
## LINKS
(DIR) [1] /Jugendwort-des-Jahres-Langenscheidt-leck-Eier/!6199724
(DIR) [2] https://www.langenscheidt.com/jugendwort-des-jahres?srsltid=AU7gw4XMqu0SvzUkdus67vhYVP4FEkfckx8SG7rjsCSb2BXUKKwNthWG
(DIR) [3] /Jugendsprache/!6121649
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