# taz.de -- Worte des Widerstands
       
       > Podiumsdiskussion am Nachmittag: Rachel Hanf, CSD-Organisatorin aus
       > Mecklenburg-Vorpommern, und Max Schneller, Aktivist aus Sachsen-Anhalt,
       > zum Widerstand gegen rechte Kräfte
       
 (IMG) Bild: Das taz-Stammtischtreffen während der Geno-Versammlung
       
       Von Anna Simbürger
       
       Zwei Särge stehen in der Garage von [1][Rachel Hanf], sinnbildlich für die
       sterbende Demokratie. Sie stammen von einem alten Theaterprojekt. Für den
       Fall, dass die AfD auch bei den Landtagswahlen in Mecklenburg-Vorpommern
       die Mehrheit holen sollte, wolle sie damit vor dem Landtagsgebäude
       demonstrieren, erzählt sie am späten Samstagnachmittag auf der Bühne des
       Festsaals Kreuzberg. Inzwischen lässt sich sagen: Die Särge werden wohl zum
       Einsatz kommen.
       
       „Wetten, dass die Demokratie gewinnt?“ Das war das Motto, unter dem die
       Berichterstattung der taz vor den Landtagswahlen in Sachsen-Anhalt und
       Mecklenburg-Vorpommern lief. Nach den Wahlergebnissen mit fast 44 Prozent
       für die AfD in Sachsen-Anhalt und über 38 Prozent in Mecklenburg-Vorpommern
       gilt es, den Fokus neu auszurichten. Unter dem Motto „Wetten, dass
       Widerstand?“ fand deswegen auf der taz-Geno-Versammlung ein Gespräch mit
       zwei jungen Menschen statt, die genau diesen Widerstand leisten: Rachel
       Hanf, 20, und Max Schneller, 17. Die Moderation übernahm Anne Fromm,
       Ressortleiterin Reportage und Recherche.
       
       Rachel Hanf – Buzzcut, markante Brille, grauer Blazer – organisiert in
       Mecklenburg-Vorpommern Christopher Street Days, vergangenes Jahr in
       Grevesmühlen, dieses in Wismar. Ihre Motivation: „Ich versuche, denen eine
       Stimme zu geben, die keine haben oder nicht wissen, wie sie lauter werden
       können.“ Max Schneller, der nicht so wirkt, als wäre er erst 17 Jahre alt,
       wurde bekannt, weil er sich bei einer Querdenker-Demo öffentlich hinstellte
       und widersprach. Seitdem engagiert er sich in den [2][sozialen Medien unter
       dem Namen maximal.demokratisch] für die Demokratie. Auch in der [3][taz hat
       er seine Perspektive aufgeschrieben].
       
       Für ihn sei der Erfolg der AfD bei der Landtagswahl in seiner Heimat
       Sachsen-Anhalt ein Schock gewesen. In der Woche nach der Wahl habe er alle
       Termine abgesagt. „Ich musste erst mal durchatmen“, sagt er. „Uns war
       bewusst, dass die AfD stark wird, aber nicht, dass sie so stark wird.“ Das
       Ergebnis sei aber nicht das Versagen der Zivilgesellschaft. Er wünscht sich
       von den demokratischen Parteien eine klarere Haltung, Stichwort Brandmauer.
       „Die Brandmauer ist doch kein Projekt, sie ist eine Haltung“, sagt er. Für
       ihn gibt es eine klare Linie: „Mit Nazis spricht man nicht.“ Damit meine er
       die Nazis im Anzug und ergänzt: „Auf die Leute, die AfD wählen, auf die
       sollte man zugehen.“ Auch Hanf hält es für wichtig, gerade mit der Jugend
       ins Gespräch zu kommen. „Die AfD ist die stärkste Kraft, weil sie ihre
       Opferrolle gut verkaufen kann“, sagt Schneller. Und weil man ihnen immer
       wieder die Bühne dafür gebe. „Warum lädt man die Leute auch in Talkshows
       ein?“, fragt er. Dadurch mache man sie erst salonfähig. Stattdessen brauche
       es mehr positive Beiträge im Netz, die Demokratieprozesse zeigen. „Zeigt
       nicht ständig irgendeinen Hans-Jürgen, der demokratiefeindliche Scheiße
       sagt.“
       
       Die größte Herausforderung für die Zivilgesellschaft in Sachsen-Anhalt und
       Mecklenburg-Vorpommern dürfte sein, in Zukunft finanzielle Mittel
       einzutreiben, sind sich beide einig. „Am Staatshaushalt hängen sämtliche
       Vereine, Initiativen und Beratungsstellen dran. Die müssen Gewissheit
       haben, um sich weiter organisieren zu können“, sagt Schneller. „Dass man
       pleite ist, kann in einem Fingerschnips passieren“, ergänzt Hanf, die
       selbst miterlebt hat, wie ein von ihr betreutes Kulturwohnzimmer
       geschlossen werden musste.
       
       Am Ende geht es auf dem Podium darum, dass trotz der Wahlergebnisse die
       großen Demonstrationen ausbleiben, wie es sie zum Beispiel 2024 nach den
       Enthüllungen des geheimen Treffens in Potsdam gab. „Die Menschen sind
       müde“, meint Schneller und Hanf ergänzt: „Die Menschen sind nicht nur müde
       von all dem Engagement und Aktivismus, sie haben auch Angst, auf die Straße
       zu gehen.“ Auch Hanf und Schneller hätten Angst, erklären beide. Die Angst
       sei zwar berechtigt, aber man dürfe sich nicht von ihr leiten lassen, meint
       Schneller, denn: „In diesen Zeiten muss Haltung lauter sein als Angst.“
       Applaus vom Publikum.
       
       26 Sep 2026
       
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