# taz.de -- Die Wahrheit: Hass auf Nörgeldeutsche
       
       > Eine aktuelle Meinungsumfrage belegt: Das deutsche Volk wird bei
       > Politikern immer unbeliebter.
       
 (IMG) Bild: Zeigen Politiker der Bevölkerung: Stinkefinger
       
       Nach dem Pisa-Schock, den ständig steigenden Spritpreisen, den
       Wahlergebnissen in Sachsen-Anhalt und Mecklenburg-Vorpommern plus dem
       offenbar viel zu klein geplanten Stuttgarter Hauptbahnhof steht Deutschland
       die nächste schlechte Nachricht ins Haus: Die Deutschen werden immer
       unbeliebter! Nicht nur außerhalb der deutschen Grenzen von 1989, sondern
       vor allem innerhalb. Dies hat eine aktuelle repräsentative Umfrage des
       Meinungsforschungsinstituts Insult unter deutschen Landes- und
       Bundespolitikern ergeben.
       
       Das deutsche Volk erreicht bei der Bundesregierung nur eine
       Beliebtheitsquote von knapp 10 Prozent, dies ist der Tiefstand seit der
       ersten Wahl zum Bundestag 1949. Die Kanzlerbeliebtheit liegt mit 7 Prozent
       sogar noch unter diesem Wert. Damit hat noch kein deutscher Kanzler sein
       Volk so sehr wenig gemocht wie Friedrich Merz. Nur ein Reichskanzler war
       noch unzufriedener mit seinem Volk – so sehr, dass er kurz vor Kriegsende
       aus Enttäuschung über die Deutschen aus dem Leben schied. Wäre dies heute
       auch denkbar?
       
       „Das ist natürlich keine Art und Weise, in einer Demokratie mit der eigenen
       Regierung umzugehen“, sagt der Politologe Kurt-Horst Kienzle, der die
       Umfrage im Auftrag von Bundestagspräsidentin Julia Klöckner (CDU)
       durchgeführt und ausgewertet hat.
       
       Die Gründe für die Unzufriedenheit sind vielfältig. So bemängeln
       Politikerinnen und Politiker der CDU/CSU vor allem die mangelnde
       Leistungsbereitschaft der Deutschen. „Die eine Hälfte der arbeitenden
       Deutschen ist ständig krank, die andere faul und die dritte nörgelt ständig
       und will mehr Geld“, sagt Kienzle.
       
       ## Undankbare Deutsche
       
       FDP-Politiker hingegen empfinden die Deutschen trotz der ständigen durch
       Streiks erpressten Lohnerhöhungen als undankbar. „Den Deutschen ist die
       Solidarität mit dem reichsten einen Prozent des Volks abhandengekommen –
       den Reichen. Auf diese Minderheit will niemand mehr Rücksicht nehmen“, gibt
       Kienzle zu bedenken.
       
       Mangelnde Solidarität ist auch der Hauptgrund der Volksverdrossenheit bei
       den Sozialdemokraten. „Wie soll man einen anständigen Klassenkampf machen,
       wenn das eigene Volk nicht mitmachen will?“ Ähnliches hört man aus den
       Lagern der Linken und der Grünen. „Das einzige, wofür sich die Deutschen
       wirklich interessieren“, wertet Kienzle die Daten der Umfrage aus, „ist der
       Klimawandel. Daran arbeiten die Deutschen fast rund um die Uhr:
       Fleischessen, Autofahren, Müll wegwerfen. Der Klimawandel ist der einzige
       Wandel, den die Deutschen wirklich wollen.“
       
       Ein weiterer Grund für die Unbeliebtheit der Deutschen ist ihre Herkunft,
       was vor allem Politiker der AfD bemängeln. „Und dass sie sich ständig neue
       Geschlechter ausdenken“, hat ein AfD-Politiker auf seinem Fragebogen in der
       Kommentarspalte angemerkt. „Die hassen auch alles. Vor allem uns
       Politiker.“
       
       Der Hass beruht offenbar auf Gegenseitigkeit. Hinter vorgehaltener Hand
       gibt der eine oder andere Politiker in den Wandelgängen des Bundestages zu,
       das deutsche Volk abgrundtief zu hassen. „Also vor allem die Menschen. Volk
       an sich ist ja eine schöne Sache, wenn es einem zujubelt und mitmacht, was
       man ihm sagt. Aber ich wache morgens oft auf und denke sofort: Iiiihhh,
       Volk, ich hasse diese Menschen. Und total undankbar sind die sowieso.“
       
       „Und dumm außerdem“, ergänzt eine Bildungsministerin, die namentlich nicht
       genannt werden möchte. „Die scheinen das auch noch toll zu finden, so dumm
       zu sein, dass sie es an ihre Kinder weitergeben, vor allem Eltern machen
       das. Ich hab ja damals noch studiert und bin schlau, was man auch an den
       langen Sätzen merkt, die ich sage. Aber mit dummem Volk kann ich nicht.“
       
       ## Unidentifizierter Kanzler
       
       Viele Politiker spielen deshalb auch mittlerweile mit dem Gedanken, aus der
       Politik auszusteigen. „Wenn das so weitergeht“, sagt ein hochrangiger
       Kanzler, der nicht identifiziert werden möchte, „dann trete ich zurück und
       lebe die restlichen Jahre von meiner Pension. Vielleicht schreibe ich ein
       Buch oder zähle die Münzen in meinem Geldspeicher.“
       
       Ähnlich denken auch andere Politiker. „Macht macht koan Spoaß, wennst nicht
       mehr geliebt wirst“, sagt ein CSU-Abgeordneter, der zurücktreten und seinen
       Parlamentssitz verschenken will.
       
       Wie soll es nun weitergehen bei derart viel Volksverdrossenheit? Der
       Politologe Kurt-Horst Kienzle warnt eindringlich: „In ein paar Jahren
       könnte es dazu kommen, dass keine Partei mehr zu Wahlen antritt, dass kein
       Politiker mehr kandidiert. Wer soll dann gewählt werden? Dann muss sich das
       Volk wahrscheinlich selbst regieren.“
       
       So weit darf es nicht kommen! Das deutsche Volk steht vor einer schwierigen
       Aufgabe, es muss in den nächsten Jahren das Vertrauen der Politiker
       zurückgewinnen.
       
       22 Sep 2026
       
       ## AUTOREN
       
 (DIR) Michael-André Werner
       
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