# taz.de -- herzensort: Bolzen neben dem Güllefeld
       
       An die schönsten Orte kann man nicht mehr zurück – nicht richtig zumindest.
       So einen magischen Ort hatte die Stadt Horgen am Zürichsee. Dort gab es vor
       etwa zehn Jahren einen Bolzplatz, den wir einfach Gehren nannten, wegen der
       angrenzenden gleichnamigen Bushaltestelle. Gehren hatte mehr Löcher als
       Rasen, war uneben und quadratisch geformt. Hier rannten jahrelang Mädchen
       und Jungs den ganzen Sommer lang einem Ball hinterher. Manchmal flog dieser
       in einen kleinen Tümpel, in die Dornen oder, am schlimmsten, ins Güllefeld
       nebenan. Oft spielten die Väter mit, dann mischten sich unter die
       FC-Zürich-, Albanien-, Bayern- oder Kroatientrikots Männer in den 40ern mit
       löchrigen Adidas-Trainingsanzügen. Irgendwann war der Platz abgesperrt, das
       Gras sollte nachwachsen. Aus Gehren wurde eine Wiese mit Löchern und
       kaputten Tornetzen. Die ehemaligen Mitspieler*innen gingen ihrer Wege,
       außerhalb vom Fußball hatte man kaum Kontakt. Manche arbeiten als Zugfahrer
       oder Handwerker, andere rutschten ins rechte Milieu ab oder zogen nach
       Berlin und schreiben dort nun für eine Zecken-Zeitung.
       
       Gustav Cattapan
       
       2 Oct 2026
       
       ## AUTOREN
       
 (DIR) Gustav Cattapan
       
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