# taz.de -- Golf als Teamsport: Märchenhaftes Ende nach juristischem Vorspiel
       
       > Das Ligafinale der deutschen Amateurgolfer wurde erstmals bei Magenta TV
       > übertragen. Wer sich das angesehen hat, bekam vor allem viel Geschrei.
       
 (IMG) Bild: Annäherung und Beobachtung: Familiäre Atmosphäre beim Frauenfinale der deutschen Teammeisterschaft
       
       Golf gilt als Individualistensport schlechthin. Jede und jeder spielt das
       eigene Spiel, das eigene Ergebnis. Die seltenen Ausnahmen sind die
       Kontinentalduelle der besten Profis aus Europa gegen die aus den USA – bei
       den Männern der Ryder Cup, der Solheim Cup bei den Frauen, den die
       Europäerinnen an diesem Wochenende (mit [1][Esther Henseleit aus Hamburg])
       15:13 gewannen. Oder eben das Final Four, das deutsche Teamfinale nach fünf
       Bundesligaspieltagen.
       
       Erstmals übertrug Magenta TV live vom Golfterrain München-Riedhof. Also nix
       wie gucken! Es sollte einigermaßen erschütternd werden. Das Reporterteam
       redet wie aufgeputscht: „… unglaublich … sagenhaft … nicht zu fassen … die
       Speerspitze des Amateursports!“ Und sechsmal der Hinweis auf eine
       „Cinderella-Story“ (dazu später mehr). Einblendungen fehlen oder sind
       falsch. Kein Überblick. Dazu Ahnungslosigkeit („Das weiß ich gar nicht …
       hab mir darüber nie Gedanken gemacht.“) und groteske Schönrederei: „Diese
       Massen an Menschen …“ Aus der Drohnenkamera sind im weiten Rund kaum 100 zu
       sehen.
       
       In der stundenlangen Übertragung flogen erst mal statt Bällen juristische
       Statements hin und her. Zu kommentieren war die Einstweilige Verfügung des
       Landgerichts Wiesbaden im Verfahren Frankfurter Golfclub gegen den
       Deutschen Golf Verband DGV. Die Richterin hatte die Ergebnisse des
       Golfclubs St. Leon-Rot kassiert. Disqualifikation. Grund: Ein nicht
       startberechtigter Spieler. Der hatte Anfang des Jahres noch auf der
       Profi-Tour gespielt und sich im Mai reamateurisieren lassen. Laut
       DGV-Statuten hätte das zum 1. Januar passieren müssen. Der Verband ließ ihn
       dennoch zu.
       
       Jetzt rückte der GC Frankfurt nach. Deren Präsidentin Gabriele Sachse:
       „Regeln sind nun einmal Regeln. Das erfährt unser Spitzenverband jetzt
       schmerzlich. Hier wurde nach Gutsherrenart das eigene Regelwerk
       interpretiert.“ Sie forderte „personelle Konsequenzen“, ohne Adressaten
       indes. DGV-Präsident Claus Kobold? Der gab kleinlaut zu, man wolle aus dem
       Urteil „Lehren ziehen“.
       
       ## Schick, aber nicht schickimicki
       
       St. Leon-Rot nahe Heidelberg, gegründet und finanziert mit Dietmar Hopps
       SAP-Millionen, ist ein edles Golfgeläuf, schick, aber nicht schickimicki,
       mit spektakulären Trainingsanlagen, die [2][laut Website] „vielen
       Jugendlichen, unabhängig von ihren sozialen Möglichkeiten, den Einstieg in
       diese faszinierende Sportart ermöglichen“. Ein Klub, der seit 2013 mehrfach
       den Ligatitel abgeräumt hat, zuletzt 2023 und 2024 bei den Männern, fünfmal
       bei den Frauen. Der jetzt aber schummelte, gemeinsam mit dem Verband.
       
       Das Frauenfinale gewann Berlin-Wannsee gegen den Hamburger GC.
       Erfolgsgeheimnis? Das wollte sehr investigativ der Magenta-Reporter wissen:
       „Dass wir uns alle ganz doll lieb haben“, offenbarte Spielerin Camille
       Peltier. Die hatte am Morgen aus 142 Metern ein Hole in One geschafft.
       Magenta versprach, das nachträglich zu zeigen, unterließ es dann aber.
       
       Die Cinderella-Story schaffte bei den Männern tatsächlich der fränkische
       Golfclub Habsberg. Der ist in den vergangenen sieben Jahren satte sechsmal
       aufgestiegen und gewann als Bundesliganeuling jetzt das Finale gegen
       Frankfurt mit 7:5. Gründe? „Purer Wille“, sagte einer, „wir sind alle aus
       dem gleichen Holz geschnitzt“. Oder: „Wir sind wie eine Familie.“
       Familienoberhaupt sozusagen sei „unser Sponsor Alex“. Alexander Bringmann,
       Geschäftsführer der [3][Bastelbedarfsfirma Folia] aus der Nachbarschaft,
       hat offenbar mit einer Menge Geld den Kader basteln können.
       
       Der Platz in Habsberg hat schon 2006 eine große Rolle gespielt im deutschen
       Golf. Hier gelang Martin Kaymer, später zweifacher Majorsieger, im Juni
       2006 eine 59er-Runde. Das waren 13 Schläge unter Par, damals Weltrekord bei
       Profiturnieren (heute: 57). Jetzt ist der Klub Meister. Ihr märchenfreies
       Schicksal: Aufsteigen können sie nun nicht mehr.
       
       16 Sep 2026
       
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