# taz.de -- Kampf für die Umwelt in Kambodscha: „Das sind schwere Zeiten für uns“
       
       > Die international ausgezeichnete Umweltorganisation Mother Nature kämpft
       > trotz ihrer Kriminalisierung weiter, berichtet Sprecherin Lisa Mean.
       
 (IMG) Bild: Lisa Mean hält ein Plakat, das die Freilassung ihrer fünf inhaftierten Kollegen von Mother Nature Cambodia fordert
       
       taz: 10 Kollegen ihrer Umweltorganisation Mother Nature wurden [1][im Juli
       2024] wegen angeblicher Verschwörung gegen die Regierung sowie Beleidigung
       des Königs zu Gefängnisstrafen von 6 bis 8 Jahren verurteilt. 5 sitzen
       seitdem im Gefängnis, 5 weitere flohen ins Ausland. Offenbar zielte die
       autoritäre Regierung darauf, Mother Natures erfolgreiche Arbeit zu beenden.
       Wie geht es Ihren inhaftierten Kollegen heute? 
       
       Lisa Mean: Einige sitzen ja schon zum zweiten Mal im Gefängnis und wissen,
       dass das kein Urlaub ist. Jetzt wurden sie auch noch getrennt und über
       Gefängnisse in fünf verschiedenen Provinzen verteilt. Das macht es sehr
       aufwändig, sie zu besuchen und mit Essen und sauberem Wasser zu versorgen.
       Aber insgesamt versuchen die 5 sich nicht entmutigen zu lassen. Sie sind
       auch im Gefängnis aktiv und genießen unter Gefangenen hohes Ansehen. Einer
       unterrichtet Englisch, eine andere lernt Chinesisch, ein anderer
       verschlingt Bücher, obwohl er Gesundheitsprobleme hat. Sie fertigen kleine
       Kunsthandwerksprodukte, die wir verkaufen und zur Öffentlichkeitsarbeit
       nutzen.
       
       taz: Die Verurteilten haben Berufung eingelegt. Wie ist der Stand?
       
       Lisa Mean: Über die Berufungen ist noch nicht entschieden, obwohl schon
       mehrere Verhandlungstermine dazu verstrichen sind.
       
       taz: Wie kann Mother Nature weiter arbeiten, wenn die kleine Organisation
       auf 10 Mitarbeiter verzichten muss?
       
       Lisa Mean: Das sind schwere Zeiten für uns. Wir mussten schrumpfen, auch
       vor Ort in den Dörfern ist die Arbeit schwieriger geworden. Dort wird die
       Bevölkerung stärker von Polizei und Behörden eingeschüchtert. Wir mussten
       unsere Strategie anpassen, ohne zu wissen, was wir überhaupt noch machen
       können. Trotzdem ist unsere Umweltbewegung weiter aktiv. Wir erreichen mit
       unseren Videos und Beiträgen in den sozialen Medien immer noch sehr viele
       Menschen. Wir hatten ja einen großen Erfolg mit unserer Kampagne gegen den
       umweltzerstörerischen Abbau von Sand aus Kambodschas Gewässern und dessen
       massiven Export nach Singapur. 2017 musste die Regierung den Sandabbau
       verbieten, nachdem wir bewiesen hatten, dass Kambodschas offizielle
       Ausfuhrmenge von Sand viel niedriger war als die entsprechende Einfuhrmenge
       von Singapur.
       
       Inzwischen haben wir mit Satellitendaten und Aufnahmen von Schiffen
       nachgewiesen, dass das Verbot nicht eingehalten wird, obwohl es weiter
       gilt. Wir konnten den illegalen Abbau filmen. Wir versuchen jetzt über
       unsere oppositionellen Kontakte in Singapur dort Bewusstsein für die durch
       den Sandabbau in Kambodschas Gewässern geschaffenen Zerstörungen zu
       schaffen. Aber auch in Singapur wird die Zivilgesellschaft eingeschränkt.
       Ich bin jetzt das einzige Gesicht von Mother Nature nach draußen, während
       alle andere sich bedeckt halten.
       
       taz: [2][2023 erhielt Mother Nature den Right Livelihood Award], den
       alternativen Nobelpreis, als bisher erste und einzige Organisation aus
       Kambodscha überhaupt. Wie wirkt sich das auf ihre Arbeit aus?
       
       Lisa Mean: Die Auszeichnung hat uns große internationale Aufmerksamkeit und
       Solidarität eingebracht und gezeigt, dass unsere Arbeit nicht nur für
       Kambodscha wichtig ist, sondern Teil der globalen Umweltbewegung zum Schutz
       der Lebensgrundlagen der Menschheit ist. So wird jetzt auch international
       von vielen eine Freilassung der fünf gefordert. So fordert seit Februar auf
       UN-Ebene die Arbeitsgruppe gegen willkürliche Verhaftungen die Freilassung
       meiner fünf Kollegen. Das ist ein sehr deutliches Statement. Im Juli haben
       70 internationale NGOs Kambodschas [3][Ministerpräsidenten Hun Manet]
       aufgefordert, die zu Unrecht Verurteilten unverzüglich freizulassen. Die
       NGOs haben sich auch um Unterstützung an die Organisatoren des für November
       in Siem Reap geplanten Gipfels der frankofonen Länder gewandt.
       
       18 Sep 2026
       
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