# taz.de -- Nicht-Öffentliches der Geno-Versammlung: Abschied, Tränen und ein Appell
> Am 19. September 2026 fand die jährliche Mitgliederversammlung der taz
> Genossenschaft statt. Worüber die Genoss*innen beim nichtöffentlichen
> Teil am Morgen abgestimmt haben, erfahren Sie hier.
(IMG) Bild: Andreas Marggraf, Aline Lüllmann, Anne Fromm, Anja Mierel, Pascal Beucker (v. l. n. r. ), stehend: Astrid Deilmann
[1][taz Genossenschaft] | Wie schon die Jahre zuvor kamen auch diesmal bei
der jährlichen Versammlung die taz Genoss*innen und Kolleg*innen
zahlreich im Festsaal Kreuzberg zusammen. Schon vor der Mittagspause gab es
viel zu besprechen.
Geschäftsführer [2][Andreas Marggraf] ging beim formalen Teil der
Versammlung gleich zur Sache: Bei der vergangenen Geno-Versammlung sei die
geplante Seitenwende bereits rege diskutiert worden, jetzt werde
ausgewertet. Das fällt vor allem positiv aus: 91 Prozent der
taz-Leser*innen sind bei ihrem Abo geblieben, trotz Wegfallen der täglich
gedruckten Zeitung, wochentaz ausgenommen.
„Wir sind glücklich und dankbar, das ist ein überaus gutes Ergebnis“, sagte
Marggraf. Zu den Abos kämen mehr als 50.000 Unterstützer*innen hinzu,
die der taz im taz-zahl-ich-Modell mit rund 7 Euro pro Person den Rücken
stärken.
Jens Pohlmann, Aufsichtsrat der taz, verwies auch auf den Zuwachs von
Mitgliedern: Insgesamt mehr als 26.000 zähle die Genossenschaft
mittlerweile. Etwa die Hälfte von ihnen habe auch die taz abonniert. 2025
habe es die taz so geschafft, eine halbe Million Euro mehr einzunehmen als
im Vorjahr, also 3,5 Millionen.
## Wohlverdienter Ruhestand für den taz-Steuerberater
560 Genoss*innen und Gäste hielten sich an diesem Samstag physisch im
Festsaal auf, über 400 hatten sich online dazugeschaltet. Zum Abstimmen,
aber auch um Fragen zu stellen und Anmerkungen zu äußern, die von
Geschäftsführung und Aufsichtsrat beantwortet wurden.
So meinte ein Abonnent und Genosse seit den 1990er Jahren, dass er trotz
anfänglicher Zweifel über die Seitenwende so glücklich mit der taz sei wie
noch nie: „Wir sind viel mehr als nur eine Zeitung“. Zustimmender Beifall
aus dem Saal.
Nach einer kurzen Kaffeepause ging es weiter. Bernhard Brugger,
langjähriger Steuerberater der taz, wurde mit 74 Jahren in den
wohlverdienten Ruhestand verabschiedet. Mit Fotos und Anekdoten ehrten der
ehemalige taz-Geschäftsführer Kalle Ruch, der Chef der Buchhaltung Thomas
Purps und Geschäftsführerin Aline Lüllmann den per Zoom zugeschalteten
tazzler.
„Wenn Bernhard kommt, werden die Zahlen besser“, sagte Purps über die
Zusammenarbeit und erntete zustimmendes Lachen. Am Ende ihrer Rede liefen
Lüllmann ein paar Tränen über die Wangen; auch Brugger entwich bei der
Danksagung an seine Kolleg*innen ein Schluchzen.
## „Geld ist nicht alles“
Nach der Verabschiedung folgte eine Begrüßung: [3][Konny Gellenbeck] wurde
mit 99,66 Prozent der Stimmen zum neuen Kuratoriumsmitglied der taz
panterstiftung gewählt. Den allermeisten Menschen bei der
Mitgliederversammlung war sie wohlbekannt, schließlich ist Gellenbeck seit
1986 Teil der taz, baute die Genossenschaft mit auf und gründete 2008 die
taz panterstiftung.
Bis 2024 war sie dort Vorständin. „Geld ist nicht alles“, sagte Gellenbeck
in ihrer Rede vor der Abstimmung. „Aber es schafft Möglichkeiten“. Dass die
taz gut finanziell ausgestattet sei, liege daran, dass sie „ein
Solidaritätsprojekt“ sei, sagte sie.
Der Vormittag endete mit einer ebenso eindrücklichen wie emotionalen
[4][Keynote zum Thema „Demokratie in Gefahr. Von Tech Bros, KI und
Digitalem Faschismus“] von Astrid Deilmann. Sie ist im taz Aufsichtsrat
sowie Geschäftsführende Vorständin bei Campact.
## Krise der demokratischen Öffentlichkeit
Ihre Großmutter habe nach der Landtagswahl in Sachsen-Anhalt geweint,
begann Deilmann mit einer persönlichen Anekdote. Während sie davon
erzählte, war auch sie den Tränen nahe, fasste sich aber schnell und ließ
von da an keine Sekunde aus, um mit scharfer Analyse und anschaulichen
Erklärungen auf die Gefahr von Big Tech für die Demokratie hinzuweisen.
„Der Aufstieg von Rechten wäre ohne Big Tech nicht möglich“, sagte sie.
Tech-Milliardäre schafften sich ihr politisches System so, wie es ihre
wirtschaftlichen Zwecke am besten bedient. „Silicon Valley zerstört
demokratische Öffentlichkeit“, sagte Deilmann. Fake News und Hasskampagnen
fluteten das Internet und erweckten durch ihre Masse das Gefühl von
Relevanz. Als Beispiel dafür nannte Deilmann die Hetz- und
Falschinformationskampagne gegen Frauke Brosius-Gersdorf vergangenes Jahr.
Die Sicherung von Qualitätsjournalismus sei daher essenziell, um die
Demokratie zu bewahren. Denn die Delegitimierung von Medien, Wissenschaft
und Zivilgesellschaft trage aktiv dazu bei, diese schrittweise abzubauen.
„Widersprecht und seid laut, auch, wenn es niemand sonst ist“, appellierte
Deilmann abschließend. „Big Tech ist keine Naturgewalt.“
Mit stehendem Beifall, zustimmenden Pfiffen und Rufen nach der
schriftlichen Veröffentlichung der Keynote in der taz endete der
nichtöffentliche Teil der Veranstaltung.
🐾 Mehr über die Genossenschaftsversammlung 2026 erfahren Sie [5][hier].
25 Sep 2026
## LINKS
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## AUTOREN
(DIR) Ann Toma-Toader
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