# taz.de -- Anna Klöpper über Jungwähler*innen in Berlin: Das Herz schlägt links
       
       Wenn man sich mal kurz etwas Freude gönnen möchte nach diesem Wahlsonntag
       in Berlin: Die Jugend in der Hauptstadt hat ein linkes Herz. 43 Prozent der
       16- bis 24-Jährigen wählte die Linke, bei den 25- bis 34-Jährigen gar fast
       50 Prozent. Meist blickt man nach Wahlen mit Sorge auf junge Leute: [1][In
       Sachsen-Anhalt wählten vor zwei Wochen] 43 Prozent von den unter
       25-Jährigen die rechtsextreme AfD, nur 18 Prozent die Linke. 
       
       Man kann daraus ablesen, dass sich auch bei der Jugend die
       Stadt-Land-Spaltung zeigt: Menschen mit höheren Bildungsabschlüssen sind
       überproportional in den Städten vertreten und sie wählen, egal wie alt,
       tendenziell links. Und natürlich haben die Akademiker:innen Kinder – und
       diese, [2][das deutsche Schulsystem ist bekanntlich ungerecht], werden mit
       ziemlicher Sicherheit ebenfalls mindestens Abitur machen.
       
       Die linke Berliner Jugend legt die gesellschaftliche Spaltung dieses Landes
       noch mal sehr offen – denn es stimmt ja auch: In Mecklenburg-Vorpommern
       wählt die Dorfjugend tendenziell blau, in fast allen Wahlkreisen kommt die
       AfD auf dem Land auf über 40 Prozent. Und wenn bei Kommunalwahlen 80
       Prozent den AfD-Bürgermeister gewählt haben, geht man vielleicht lieber
       nach Berlin.
       
       Die jungen Berliner*innen kann man als Hoffnung am blauen Horizont
       begreifen. Da gibt es eine nächste Generation, die den Rechten etwas
       entgegenhalten wird. Sie haben in Berlin geholfen, die Mietenfrage auf die
       politische Agenda zu setzen. An ihr wird sich die Koalitionsfrage in der
       Hauptstadt mitentscheiden: Selbst wenn die Linke mit ihren
       Maximalforderungen nicht durchkommt – sie wird beim Mietenthema ihren
       Wähler*innen etwas anbieten müssen. Wer jung ist und nicht ins Ländliche
       ziehen will: Die WG-Zimmer kosten in Berlin inzwischen 600 oder 700 Euro,
       die Eltern können auch nicht groß zuschießen, weil sie selbst unter hohen
       Mietkosten leiden.
       
       Die Berliner Jugend hat für soziale Gerechtigkeit gestimmt, gegen den
       Rechtsruck und übrigens auch [3][für eine Frau mit Migrationshintergrund an
       der Spitze dieser Stadt].
       
       23 Sep 2026
       
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