# taz.de -- Gerichtsverfahren um EU-Sanktionen: Oligarchen-Yacht hängt bei Lürssen fest
> Seit Beginn des Ukrainekriegs liegt eine sanktionierte Megayacht bei
> Bremen. Die Werft kostet das viel Geld. Doch wem gehört das Ding
> überhaupt?
(IMG) Bild: 2021 hatte die Lürssen-Werft nur den Auftrag, sie zu überarbeiten: Fünf Jahre später liegt sie immer noch in Berne bei Bremen
Die „Dilbar“ bleibt erst mal bei Bremen: Die russische Megayacht ist seit
2022 von EU-Sanktionen betroffen und belegt ein Dock der Lürssen-Werft. Die
hatte vor dem Verwaltungsgericht Frankfurt gegen die Sanktionen geklagt –
und im Juni auch recht bekommen. Doch wie nun bekannt wurde, will das
zuständige Bundesamt für Wirtschaft und Ausfuhrkontrolle (BAFA) noch nicht
klein beigeben und geht in Berufung.
Die gigantische „Dilbar“ – Lürssen ist stolz auf diese Yacht, das
Schiffsbauunternehmen hat sie ja selbst entwickelt. Mit Superlativen spart
das Bremer Unternehmen nicht: Es sei, so schrieb die PR-Abteilung bei
Fertigstellung 2016, „die größte Motoryacht der Welt nach Bruttotonnage“,
„eine der komplexesten und anspruchsvollsten Yachten, die jemals gebaut
wurden“, sie biete „Unterhaltungs- und Erholungsflächen, die vorher noch
nie auf einer Yacht zu sehen waren“, unter anderem den „größte[n] Pool, der
jemals auf einer Yacht installiert wurde“.
2021 hatte die Werft eigentlich nur den Auftrag, sie zu überarbeiten; fünf
Jahre später liegt sie immer noch in Berne bei Bremen und blockiert mit
ihren 156 Metern die Docks. Sie muss gewartet und entrostet und
klimatisiert und allgemein gepampert werden und kostet das Unternehmen
jeden Monat Geld.
Schuld ist der Ukrainekrieg: [1][Zu Kriegsbeginn 2022 wurde sie von
Sanktionen der EU getroffen] und „eingefroren“. Sie gehört weiter den alten
Eigentümern, darf ihnen aber nicht ausgehändigt werden.
## Verstrickte Eigentümerstrukturen
Die Yacht gehört Alischer Usmanow, einem der reichsten Unternehmer
Russlands, oder nein: vermutlich gehört sie ihm nicht; [2][darum dreht sich
der Streit vor Gericht]. Klar ist, dass Usmanow die „Dilbar“ ursprünglich
in Auftrag gegeben hatte; gegen den kremlnahen Oligarchen sind seit 2022
strenge Sanktionen der EU in Kraft. Doch Usmanow – und mit ihm die
Lürssen-Werft – behauptet, dass die „Dilbar“ schon lange nicht mehr in
seinem Eigentum ist.
Offenbar hat Usmanow die Yacht schon 2016 zusammen mit vielen anderen
Vermögenswerten in einen Trust überführt, den sogenannten Sister Trust. Die
Eigentümerstrukturen solcher Trusts sind verstrickt; das Verwaltungsgericht
in Frankfurt entschied im Juni zugunsten der klagenden Lürssen-Werft: Es
gebe keine Anhaltspunkte dafür, dass das Schiff Usmanow gehöre oder sonst
jemandem, der auf der Sanktionsliste der EU stünde. Das Gericht geht in
seinem Urteil davon aus, dass die Schwester des Oligarchen Eigentümerin des
Trusts ist.
Das ist zwar auch umstritten – Usmanow und seine Schwester Gulbahor
Ismailova behaupten etwas anderes und sprechen stattdessen von einem
unabhängigen Treuhänder –, doch für das Gericht ist nur entscheidend, ob
eine Person von der Sanktionsliste die tatsächliche Kontrolle über die
Yacht hat. Die Schwester Ismailowa war dort zwar einige Jahre lang
gelistet, wurde aber 2025 wieder gestrichen; ob sie selbst Eigentümerin des
Trusts ist, ist für die Frage, ob das Schiff eingefroren bleiben muss,
daher nicht so relevant.
Dass der weiterhin sanktionierte Usmanow in Wirklichkeit hinter allem
steckt, dafür konnten laut Gericht „weder das [3][BAFA, das Bundesamt für
Wirtschaft und Ausfuhrkontrolle], noch die [4][ZfS, die Zentralstelle für
Sanktionsdurchsetzung]“ irgendwelche Beweise vorlegen.
## Streitwert auf 600.000 Euro festgelegt
Wie viel die Lürssen-Werft nun weiter für die Instandhaltung der Dilbar
zahlt, gibt das Unternehmen nicht heraus. Als Faustregel gilt, dass der
Unterhalt von Megayachten alljährlich etwa zehn Prozent der ursprünglichen
Kosten verschlingt. Allerdings ist die „Dilbar“ natürlich nicht auf dem
Meer unterwegs. Ganz irrelevant ist die Summe jedenfalls wohl nicht. Das
Gericht hat den Streitwert auf 600.000 Euro festgelegt.
Die Lürssen-Werft hatte mit dem Verfahren freilich nicht nur ihr eigenes
Fell vor Gericht verteidigt, sondern auch das eines wichtigen Kunden.
Usmanow freute sich nach dem Urteil: „Herr Usmanow ist der Werft Lürssen
für ihre prinzipientreue und konsequente Haltung dankbar“, [5][wird der
Pressedienst von Alischer Usmanow dazu beim Schweizer
Finanznachrichtenportal „Finews.ch“] zitiert.
Dass nun das BAFA Berufung einlegt, bedauert die Lürssen-Werft – „Für ein
familiengeführtes, mittelständisches Unternehmen ist dieser Zustand
untragbar“ – gegenüber dem Weser-Kurier. Allzu große Sorgen machen muss man
sich um das Familienunternehmen akut aber wohl nicht: Trotz des gesperrten
Docks konnten in diesem Jahr schon sechs Superyachten fertiggestellt
werden, die Werft erklärte 2026 damit schon im Juli zum bisher
erfolgreichsten Jahr der Firmengeschichte. Laut Unternehmen habe jede
dritte der größten Yachten der Welt ihren Ursprung in Bremen.
## Luxusgeschäft für Superreiche boomt
Das Schiffbau-Unternehmen konzentriert sich schon seit Längerem auf das
Luxusgeschäft für Superreiche; die Militärsparte, die ja eigentlich auch
Konjunktur hat, wurde schon vor Jahren in die Tochterfirma NVL
ausgegliedert und in diesem Frühjahr endgültig an Rheinmetall verkauft.
Das [6][Yacht-Geschäft mit den Superreichen] boomt auch deshalb, weil die
Zahl der Megareichen steigt – Ende 2025 gab es weltweit 2.919
Dollar-Milliardäre, im Jahr 2018 waren es noch 2.158 Milliardäre. Eine
Megayacht gilt als eines der letzten Distinktionsmerkmale zwischen sehr,
sehr Reichen und Ultrareichen – und ermöglicht den Eigentümer*innen
nicht zuletzt auch eine gewisse Unabhängigkeit von Querelen und Gesetzen
der Welt an Land.
Insofern könnte das Einfrieren einer Yacht für die Werft gewissermaßen auch
als allgemeines Geschäftsrisiko gelten: Der Anteil von Steuersündern,
Kriminellen und Kriegsverbrechern ist unter Milliardär*innen
mutmaßlich höher als in der Allgemeinbevölkerung. Wer mit ihnen Geschäfte
macht, kann damit rechnen, dass irgendwann mal ein Partner von Sanktionen
betroffen ist.
1 Sep 2026
## LINKS
(DIR) [1] /Wirtschaftssanktionen-gegen-Russland/!5839624
(DIR) [2] http://www.rv.hessenrecht.hessen.de/bshe/document/LARE240001318
(DIR) [3] https://www.bafa.de/DE/Home/home_node.html
(DIR) [4] https://www.zoll.de/DE/Privatpersonen/Zentralstelle-Sanktionsdurchsetzung/zentralstelle-sanktionsdurchsetzung_node.html
(DIR) [5] https://www.finews.ch/news/finanzplatz/72726-yacht-dilbar-alischer-usmanow-verwaltungsgerichtsurteil-familientrust-medienschelte-luerssen-sanktionen
(DIR) [6] /Gregory-Salles-Superyachten/!5897261
## AUTOREN
(DIR) Lotta Drügemöller
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