# taz.de -- Leser über Protest gegen Regionalzeitung: „Zu stark rechts abgebogen“
> Warum die „Neue Osnabrücker Zeitung“ alte Papierausgaben zurückbekommt,
> erklärt Stefan Rümmele von der BürgerInneninitiative
> „Aktion-NOZ-kritisch“.
(IMG) Bild: Hier soll der Protest steigen: NOZ-Verlagsgebäude in Osnabrück, in dem der Mantelteil entsteht
taz: Herr Rümmele, was fällt Ihnen als Erstes ein, wenn Sie an die Neue
Osnabrücker Zeitung (NOZ) denken?
Stefan Rümmele: Traditionell.
taz: Und als Zweites?
Rümmele: Zu stark [1][rechts abgebogen].
taz: Woran machen Sie das fest?
Rümmele: Seit Burkhard Ewert Chefredakteur ist, hat sich das Blatt stark
auf Parteien zubewegt, die an den politischen Rändern stehen. Unser
Eindruck ist: Ewert verharmlost da vieles aus Überzeugung. Und er tut das
unter Duldung, [2][vielleicht sogar auf Weisung der Geschäftsführung].
taz: Mitte September tritt Ihre [3][„Aktion-NOZ-kritisch“ (ANK)] der NOZ
mit einer performativen Protestaktion entgegen, vor deren Redaktionssitz.
Was passiert da genau?
Rümmele: Wir zeigen dort, wo der Mantelteil entsteht, dass es uns um den
politischen Teil der Zeitung geht …
taz: … den ja inzwischen viele Lokalzeitungen mit einer Auflage von rund
einer Million Exemplaren übernehmen.
Rümmele: Wir geben der NOZ Druckexemplare dieses Mantels zurück, weil er
für uns nicht mehr annehmbar und inakzeptabel ist. Mit dem Lokalteil ist
das übrigens anders. Auf unseren Treffen hören wir oft: Der ist noch immer
lesbar.
taz: Wie beteiligen sich LeserInnen, die die NOZ nur noch digital lesen?
Rümmele: Mitmachen kann natürlich jede und jeder. Auch die, die ihr NOZ-Abo
längst gekündigt haben – wie ich selbst. Alle anderen sammeln fleißig
Papierausgaben, und die verteilen wir dann.
taz: Sie wollen die Mantelteile „der Redaktion“ zurückgeben, kündigen Sie
an. Rechnen Sie damit, dass VertreterInnen der Redaktion zur Übernahme nach
draußen kommen? Oder gehen Sie rein?
Rümmele: Wir gehen nicht davon aus, dass sich jemand von der Redaktion
zeigt. Unser Eindruck ist, dass die NOZ inzwischen die Taktik verfolgt,
[4][uns zu ignorieren, uns totzuschweigen]. Um nicht zu viel zu verraten:
Wir werden aktiv sein, mit Überraschungsmomenten. Wir stehen da nicht
einfach nur passiv vor der Tür. Und wir werden unsere Position auch
schriftlich übergeben, vielleicht in Briefform.
taz: Sie werfen der NOZ vor, in ihrer Kommunalwahl-Berichterstattung der
AfD eine zu große Bedeutung zu geben. Wie äußert sich das?
Rümmele: Wir haben die Wahlberichterstattung der NOZ ausgewertet.
Auffallend ist: Die AfD ist die einzige Partei, deren Kandidaten stets groß
zu sehen sind, mit großem Parteilogo im Hintergrund. Das wirkt fast wie
Parteiwahlwerbung. Die Redaktion arbeitet der AfD damit stark in die Hand.
taz: Sie denken, das ist Agenda Setting? Sprich: Worüber viel berichtet
wird, das halten die Lesenden für das wichtigste Thema im Land, obwohl es
das nicht ist?
Rümmele: Zumindest gilt das für den Westen der Republik, und die NOZ ist
größtenteils eine West-Zeitung. Da wird für die AfD eine Bedeutung
herbeigeschrieben, die dieser Partei nicht zukommt.
taz: Was denken Sie über die AfD?
Rümmele: Ich schäme mich als Deutscher dafür, dass eine solche Partei, die
sich immer weiter radikalisiert, die immer weiter eskaliert, diese
Popularität und Stärke erlangt hat. Das ist eine Schande.
taz: Wie groß ist der Zuspruch für die ANK?
Rümmele: Wir haben sehr aktive Unterstützer. Und das ist geografisch weit
gefächert, von Leer über Lingen bis Hameln. Vielleicht gründen wir da
demnächst kleine Ortsgruppen. Auch Timm Reichl ist Mitglied bei uns, der in
seinem [5][NOZblog] all diese Beiträge seziert, die ja mitunter auch starke
Putin-Nähe zeigen.
taz: Welcher Satz, den Sie in den letzten Wochen in der NOZ über die AfD
gelesen haben, hat Sie besonders empört?
Rümmele: In einem Meinungsbeitrag hat Philipp Ebert, bei der NOZ offenbar
der neue Mann fürs Grobe, vor Kurzem gesagt, ein Wahlerfolg der AfD wäre
ein normaler Korrekturmechanismus. Da fragt man sich natürlich: Korrektur
von was? Der Demokratie?
15 Sep 2026
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