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(IMG) Bild: Findet, der Hamburger Senat sollte mehr tun, um Finanzbeamte zu gewinnen: David Stoop (Die Linke)
Steuerungerechtigkeit kann politische Systeme destabilisieren. Warnendes
Beispiel hierfür ist die Weimarer Republik, zu deren Scheitern die
Steuerpolitik beitrug. Die gleiche Gefahr sehen Fritz Reuswig, Beate Küpper
und Marco Eden in ihrer Mitte-Studie aus dem Jahr 2025 zu rechtsextremen
Einstellungen für die Berliner Republik.
Sie warnen, dass eine ungerechte Lastenverteilung in der gesellschaftlichen
Mitte zu einem schleichenden „Demokratiemisstrauen“ führen könnte. Umso
problematischer ist, was zwei Kleine Anfragen der Fraktion der Linken in
der Hamburgischen Bürgerschaft offenbart haben.
In seinen Antworten räumte der rot-grüne Hamburger Senat ein, dass in der
Hansestadt 1,23 Milliarden an Steuern ausstehen. Im ersten Halbjahr 2026
seien nur 9,1 Prozent der Großbetriebe geprüft worden. Schon im Gesamtjahr
2025 war die Prüfquote auf 20 Prozent gesunken. Noch viel geringer fiel die
Quote bei den sogenannten „bE-Fällen“ aus, wobei bE für „bedeutende
Einkünfte“ steht. Im ersten Halbjahr 2026 lag sie bei 0,92 Prozent. Schon
Jahr davor war sie mit 2,9 Prozent äußert niedrig.
Zu den bedeutenden Einkünften gehören private Einkünfte von mehr als
500.000 Euro im Jahr, verdeckte Gewinnausschüttungen sowie ungewöhnliche
Privateinlagen und -entnahmen. Im Fokus stehen also
Einkommensmilliardär:innen oder Besitzende großer Devisen- und
Immobilienbestände. Es ist die Sphäre, wo Geld Geld und Besitz Besitz
bringt.
## Viel mehr Steuerhinterziehung als Sozialmissbrauch
Dabei gehen dem Staat durch Steuerhinterziehung im großen Stil Einnahmen
verloren. Der Bundesrechnungshof berichtete im vergangenen Jahr, dass
Steuerfahndungsstellen aller Länder 2023 2,5 Milliarden Euro
sicherstellten. Im selben Jahr legte die Bundesagentur für Arbeit dar, dass
rund 260 Millionen Euro durch Bürgergeldmissbrauch verloren gingen. Das
Zahlenverhältnis offenbart, wie verzerrt die Debatte um Sozialmissbrauch
ist.
Aus Sicht des Linken-Abgeordneten Stoop verschärft Hamburgs Finanzsenator
Andreas Dressler (SPD) das Problem, indem er sich um „angebliche ausufernde
Personalkosten“ sorgt. Denn die Personalnot in der Finanzverwaltung trage
zu den Steuerrückständen bei. Zum Stichtag der Anfrage waren mehr 249
Stellen nicht besetzt. „Ein ordnungsgemäßer Steuervollzug ist unter solchen
Bedingungen kaum noch möglich“, sagt Stoop. Und ein gerechter?
Die Steuerpolitik war in der Weimarer Republik mit entscheidend für die
[1][Destabilisierung der ersten Demokratie]. In ihrer Studie „Im
Zwischenreich. Eine Geschichte der Weimarer Republik 1918 bis 1933“ führt
[2][Ute Daniel] aus, dass schon zu Beginn der Republik die
besserverdienenden und besitzenden Kreise keine Neigung zeigten, die leeren
Staatskassen mitzufüllen. Eine stärkere Besteuerung wurde abgelehnt – auch
um keine Reparationszahlungen für den Ersten Weltkrieg leisten zu müssen.
Es habe einen „notorischer Unwillen“ gegeben, Steuern zu zahlen, schreibt
Daniel. 1930 platzte die große Koalition des Sozialdemokraten Hermann
Müller über einen Streit, ob der Staat von oben nach unten umverteilen
sollte oder ob eine Deckelung der Staatsausgaben geboten sei – „die
damalige [3][Version der Schuldenbremse]“, schreibt Daniel. Die
Historikerin an der Technischen Universität Braunschweig zeigt, das
Steuererhöhungen damals politischer Selbstmord gewesen wären.
Der neue Reichskanzler Heinrich Brüning [4][von der Zentrumspartei] sparte
die Republik dann „sturmreif“. Staatliche Leistungen wurden gekürzt, Löhne
gesenkt. Der Staat sei für Brüning nicht die Lösung, sondern das Problem
gewesen, schreibt Daniel. Vom schlanken Staat schwärmt heute nicht bloß die
AfD.
25 Aug 2026
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