# taz.de -- momentaufnahmen: Wenn Autorität ins Leere läuft
       
       Der grauhaarige Mann und sein zotteliger Hund schlendern an uns vorbei, als
       wir auf einer Bank am Kollau-Wanderweg nahe des Hamburger Stadtrandes eine
       Trinkpause machen. Wir Menschen nicken einander zu, der Hund biegt kurz
       hinter der Bank ins Gebüsch – zum Leidwesen seines Herrchens, der nun seine
       gesamte Autorität herauskehrt und den abgelenkten Hund im scharfen Ton zu
       sich befiehlt: „Wuschel!“
       
       Aber Wuschel hört nicht auf seinen sprechenden Namen, sondern schnüffelt
       völlig unbeeindruckt weiter im Gebüsch herum. Wären die beiden hier allein
       unterwegs, würde Herrchen vermutlich einfach langsam weiterschlendern, im
       Wissen, dass der Hund schon irgendwann folgen wird, wenn es ihm passt.
       Dummerweise sitzen aber ja nun wir auf der Bank.
       
       Und so trötet Herrchen in eine schrille Pfeife – aber auch die überhört
       Wuschel geflissentlich. Entschuldigend wendet sich der Mann an uns: „Er ist
       schon stur“, sagt er, „oder eigenwillig: Das klingt netter.“
       „Charakterstark“, helfe ich aus. Aber da hat Wuschel nun doch plötzlich
       ausgeschnüffelt, kehrt aus dem Gebüsch zurück und setzt seinen Weg fort.
       Sein Herrchen läuft ihm eilig hinterher. Esther Geißlinger
       
       29 Aug 2026
       
       ## AUTOREN
       
 (DIR) Esther Geißlinger
       
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