# taz.de -- Cyberattacke in Polen: Hacker erbeuten Daten von 19 Millionen Patienten
       
       > Kriminelle haben sich Zugriff auf Millionen Gesundheitsdaten verschafft.
       > Es soll einer der größten Cyberangriffe in der Geschichte Polens sein.
       
 (IMG) Bild: Warschau: Wie kann die polnische Regierung gegen die Hacker vorgehen?
       
       Millionen Menschen in Polen haben Angst: Was wollen Hacker mit ihren
       Patientendaten? Können Diebe mit der persönlichen Identitätsnummer „Pesel“
       nun knapp 19 Millionen Bankkonten leer räumen? In Warschau bestätigte
       Digitalisierungsminister Krzysztof Gawkowski am Mittwochabend, dass es sich
       um einen der größten Cyberangriffe in der Geschichte Polens handle.
       Zugleich wies er darauf hin, dass mehrere Geheimdienste den Tätern auf der
       Spur seien und die Datenbeute bislang weder im Internet aufgetaucht noch
       der polnischen Regierung zum Ankauf angeboten worden sei.
       
       Ersten Ermittlungen zufolge steckten „[1][weder Russland] noch ein anderer
       Staat“ hinter dem Cyberangriff. Obwohl das Motiv der Täter unklar ist, geht
       der Minister von einem finanziellen Interesse der Hacker aus. Der polnische
       Staat werde sich aber auf keine Verhandlungen einlassen und auch nichts
       zahlen.
       
       Der Datenverwaltungsservice MyDoc, der in Polen von rund 12.000
       medizinischen Institutionen genutzt wird, kündigte an, jedem einzelnen
       Patienten beistehen zu wollen, der durch den Datendiebstahl Schaden
       erlitten habe. Neben der Pesel-Nummer, Namen, Adressen und Geburtsdaten
       sind auch Informationen zu Arztbesuchen, Rezepten und Krankheitsverläufen
       verschwunden. Noch ist nicht klar, wer überhaupt betroffen ist. Das
       Digitalisierungsministerium will eine Website freischalten, auf der jeder
       nachprüfen kann, ob die eigenen Patientendaten gehackt wurden oder nicht.
       Polens Datenschutzgesetz legt genau fest, wie eine individualisierte Suche
       aussehen muss.
       
       ## Tipps vom polnischen Digitalisierungsminister
       
       „Es handelt sich in erster Linie um Daten aus dem Jahr 2024 und früher“,
       versucht auch MyDoc in einer schriftlichen Erklärung zu beruhigen.
       Allerdings ist auch wahr, dass Geburtsdaten oder auch die Pesel-Nummer
       lebenslang gültig sind. Die Vermutung liegt nahe, dass es den Hackern um
       diese Informationen ging und nicht um ein paar Rezepte oder Arztbesuche.
       
       Die Bürger in Polen könnten zum Schutz ihrer Daten im Internet selbst viel
       tun, sagt Gawkowski. Ganz wichtig sei es, die persönliche
       Identifikationsnummer (Pesel) sperren zu lassen, sodass sie kein Unbefugter
       benutzen könne. Dies könne man über die „mObywatel-App“ tun. Mithilfe
       dieser App können polnische Bürger die meisten Ämtergänge mit ein paar
       Klicks erledigen, und die Pesel-Nummer sperren und wieder entsperren
       lassen.
       
       Wichtig seien auch schwer zu erratende Passwörter und möglichst eine
       doppelte Authentifizierung, bevor man Zugang auf sein eigenes Konto
       erhalte. Umgekehrt solle man immer bei der Bank oder einer Institution
       anrufen, wenn man eine Mail zur angeblichen Verifizierung der Daten
       bekomme. Oft handle es sich bei solchen Mails auch um Datenklau.
       
       Inzwischen meldeten sich die Hacker beim polnischen Webportal Die
       vertrauliche dritte Seite. Mit den Patientendaten eines bekannten
       Politikers legten sie den Beweis vor, dass sie tatsächlich die Daten oder
       zumindest einen Teil davon in ihrem Besitz haben. Angeblich hätten sie die
       Informationen aus einer Amazon-Cloud kopiert. Weder der polnische Staat
       noch das betroffene Unternehmen wollen sich auf Zahlungen einlassen. Die
       Täter könnten nun versuchen, die Patientendaten auf andere Weise zu Geld zu
       machen.
       
       13 Aug 2026
       
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