# taz.de -- Digitale Ausstattung an Schulen: Wieder Ärger mit dem Digitalpakt 2.0
> Später Start, wenig Mittel: Vielen Kommunen wachsen die Kosten der
> Schul-IT über den Kopf. Das liegt auch an einem gebrochenen Versprechen
> des Bundes.
(IMG) Bild: Vor dem Digitalpakt 2.0 erstmal in die Ferien
Krefeld hat, wovon viele Kommunen nur träumen können: Alle 68 Schulen der
nordrhein-westfälischen Stadt sind seit diesem Frühjahr digital auf dem
neuesten Stand. Dank 237 Kilometer neu verlegter Kabel, mehr als 10.000
verbauter Datendoppeldosen und fast 2.500 Access Points für WLAN können die
Krefelder Schüler:innen quasi überall im Schulgebäude online sein.
„Bis auf ein paar wenige haben wir alle Schulen sogar schon ans
Glasfasernetz angeschlossen“, erzählt Stadtdirektor und Schuldezernent
Markus Schön (SPD) der taz. Insgesamt 19 Millionen Euro hat die Stadt für
diese Maßnahmen investiert, das Geld dafür kam größtenteils aus dem
Digitalpakt Schule. Allein der Bund stellte für das ambitionierte Programm
zwischen 2019 und 2024 insgesamt 6,5 Milliarden Euro bereit.
Trotz dieser Erfolge ist Schön heute nicht gut auf den Digitalpakt zu
sprechen – und das hat mit einer Förderlücke von anderthalb Jahren und
einem gebrochenen Versprechen des Bundes zu tun. „Wir haben 2025 fünf
Millionen Euro für neue Hardware und Wartung ausgegeben – in dem Glauben,
dass wir das über den Digitalpakt 2.0 abrechnen können“, so Schön. Wie es
jetzt aussehe, bleibe die Stadt aber auf diesen Kosten sitzen.
Und das, obwohl Krefeld wie viele andere Kommunen derzeit finanziell arg
unter Druck steht. Für das vergangene Jahr rechne die Stadt mit einem
Defizit zwischen 130 und 150 Millionen Euro, so Schön: „Dass der Bund in so
einer Situation nicht zu seinen Zusagen steht und das Land keinen Finger
rührt, macht mich ehrlicherweise ganz schön sauer.“
## Lückenlos? Leider nicht
Tatsächlich wollten Bund und Länder nach dem Auslaufen des ersten
Digitalpakts Schule Ende Mai 2024 eine lückenlose Förderung garantieren.
Doch weil die damalige Bundesbildungsministerin Bettina Stark-Watzinger
(FDP) auf einer hälftigen Beteiligung der Länder beharrte, kam eine
Einigung erst nach dem Aus der Ampel zustande. Trotzdem setzte sich der
Bund durch: Die Hälfte der insgesamt 5 Milliarden Euro bis 2030 für den
Digitalpakt 2.0 müssen die Länder zahlen. Im Dezember 2025 übernahm die
neue Bundesregierung diese Einigung dann eins zu eins – und versprach einen
rückwirkenden Förderstart zum Januar 2025. Doch daraus wird wohl nichts.
Im März wurde bekannt, dass der Bund den Digitalpakt 2.0 plötzlich ein Jahr
später, rückwirkend ab Anfang 2026, starten möchte. Der Grund: Das
Finanzministerium sah „finanzverfassungsrechtliche Bedenken“ für jene
Digitalpaktausgaben, die schon 2025 getätigt worden sind. Das liegt an den
Vorgaben für das Infrastruktursondervermögen, aus denen die Gelder kommen
sollen. Bleibt es dabei, muss Bundesbildungsministerin Karin Prien (CDU)
ihre Zusage zurücknehmen, dass auch 2025 getätigte Investitionen übernommen
würden.
Die kommunalen Spitzenvertreter sind entsprechend verärgert: Auf solche
Zusagen „müssen wir uns verlassen können“, heißt es in einer gemeinsamen
Stellungnahme des Deutschen Städtetags, des Deutschen Landkreistags sowie
des Deutschen Städte- und Gemeindebundes. „Wir erwarten, dass es beim
rückwirkenden Start des Digitalpakts 2.0 zum 1. Januar 2025 bleibt. Alles
andere wäre ein gravierender Verstoß gegen den Vertrauensschutz.“
## Länder springen kaum ein
Eine Umfrage der taz unter den Ländern zeigt, dass bislang nur wenige
Landesregierungen eingesprungen sind, damit die Kommunen nicht auf ihren
Kosten hocken bleiben. So haben Hessen (50 Millionen Euro) und Sachsen (14
Millionen Euro) nach eigenen Angaben einen Teil der Kosten für
Administration- und IT-Personal übernommen. Andere Länder wie Bayern oder
Rheinland-Pfalz schießen den Kommunen immerhin ein paar Millionen Euro
jährlich für die Wartung der IT zu, also auch 2025. Ob und wie stark die
Kommunen im vergangenen Jahr aber in Vorleistungen gegangen sind, ist in
keinem Ministerium bekannt.
Unklar ist auch, wie schnell der Digitalpakt 2.0 selbst für das Jahr 2026
ins Laufen kommt. Bisher haben längst nicht alle Länderparlamente der
entsprechenden Verwaltungsvereinbarung mit dem Bund zugestimmt. Es könnte
noch Monate dauern, bis in allen Ländern dann die entsprechenden
Förderanträge für die Schulträger bereitstehen.
Alexander Handschuh, Sprecher beim Deutschen Städte- und Gemeindebund,
mahnt deshalb zur Eile: Er schätzt, dass sich die Kosten der Kommunen für
Wartung und neue Hardware allein im Jahr 2025 auf eine dreistellige
Millionensumme belaufen. Solange nicht überall die entsprechenden
Förderanträge vorlägen, könne es sein, dass die Schulträger noch länger in
Vorleistung gehen müssten.
Handschuh sieht aber noch gravierende Probleme beim Digitalpakt 2.0:
„Selbst wenn die Länder hier einspringen, haben wir immer noch deutlich
weniger Geld zur Verfügung als beim ersten Digitalpakt“, kritisiert
Handschuh gegenüber der taz. Tatsächlich fehlen den Kommunen im Vergleich
zum ersten Digitalpakt mehr als zwei Milliarden Euro. Handschuh sieht hier
vor allem die Länder in der Pflicht.
## Geld für KI-Tools nicht drin
Die Entwicklung hält auch der Krefelder Schuldezernent Markus Schön für
falsch. „Wenn es gut läuft, können wir mit den Geldern die aufgebaute
Infrastruktur halten.“ So müssten irgendwann die angeschafften Tablets
ausgetauscht werden, weil sie schlicht zu alt geworden sind. Doch für
wichtige neue Investitionen, etwa die Entwicklung und Bezahlung
datenschutzkonformer KI-Tools, reiche das Geld hinten und vorne nicht, so
Schön.
Dass die ersten Krefelder Schulen kürzlich Lizenzen für solch spezielle
KI-Software erwerben konnten, sei einer Spende aus der Wirtschaft zu
verdanken.
11 Aug 2026
## AUTOREN
(DIR) Ralf Pauli
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